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Ausweis Mit „Smarteye“ auf Verbrecherjagd

25.10.2001 ·  Ist das nach Schilys Geschmack? „Smarteye“ filmt Gesichter und gleicht die Informationen mit Datenbanken von Behörden ab.

Von Helmut Uwer
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Kathrin Schäpers kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Seit einigen Monaten hat sie eine ID-Card mit einem Gesichtshologramm, das ihr jeden Tag Eintritt in ihre Firma gewährt. "Egal ob ich die Haare offen oder zusammengebunden trage, komme ich jedes Mal rein."

Schäpers arbeitet in der PR-Abteilung von ZN Vision Technologies in Bochum - und insofern gehört Schwärmen zu ihrem Handwerk. Doch bei einem Vergleichstest biometrischer Erkennungssysteme in der Zeitschrift „Computer-Woche“ hat ihr Unternehmen 1999 die Konkurrenz weit hinter sich gelassen.

„Perücke oder Bart spielen keine Rolle“

Mit einer Fehlerquelle von 0,4 Prozent habe man den ersten Platz erreicht, erläutert Pressesprecher Michael von Förster. Bei den anderen Angeboten habe diese ein bis 50 Prozent betragen. Für die Zugangskontrolle verspricht Förster eine „fast hundertprozentige Sicherheit“.

„Perücke oder Bart spielen keine Rolle“, versichert Schäpers. Das Erkennungssystem orientiert sich an 1700 Merkmalen im Gesicht. Selbst starke Schminke könne das System nicht irritieren. Denn gemessen werde beispielsweise der Abstand zwischen Wangenknochen und Nasenansatz. Und der lasse sich eben nicht verändern.

Auf 3-D eingstellt

Auch ein Foto könne das Programm nicht täuschen, da es auf drei Dimensionen eingestellt sei. „Solange ein Gesicht durch einen Unfall oder eine Operation nicht völlig entstellt ist, erkennt das System die betreffende Person.“

Das Gesichtserkennungssystem ist auch bei der Deutschen Bank in Eschborn, Microsoft in Unterschleißheim und Siemens in München im Einsatz.. Der Erkennungsvorgang dauere nur ein paar Sekunden und könne auch "en passant" durch Vorbeiziehen an einem Scanner erfolgen.

Test am Flughafen Schiphol

Ganz ohne Ausweise kommt hingegen das neueste Produkt des Hauses aus, das sogenannte „Smarteye“-System. Hier werden Personen mit einer offenen oder versteckten Videokamera gefilmt und deren Gesichter vermessen. Die Daten werden dann mit der Datenbank der Strafverfolgungsbehörden abgeglichen. Hierbei spielt es laut Förster keine Rolle, dass in den Datenbanken nur Fotos gespeichert sind. Auch seien keine neuen Kameras notwendig, lediglich die Software von ZN Vision Technologies, versichert der Pressesprecher.

Das System sei nicht nur mobil, sondern bereits morgen einsetzbar. Derzeit würde es auf zwei Flughäfen getestet, deren Namen Förster nicht nennen will. Das niederländische „Algemeen Dagblad“ berichtete jedoch am Donnerstag, dass ein solches System gerade auf Amsterdams Flughafen Schiphol installiert werde.

Probleme mit EU

Im Gegensatz zu diesem sofort einsetzbaren System würde die Ausstattung der Personalausweise mit biometrischen Daten jedoch fünf bis zehn Jahre erfordern. Neben einem Gesichts-Hologramm ist auch die Speicherung eines Fingerabdrucks im Gespräch, der zudem auch Einreisevisa für Ausländer sicherer machen soll. Gegen die schnelle Einführung eines Fingerabdruckes in Pässen spricht laut Förster auch das EU-Recht, da die heutigen Ausweise auf EU-Ebene normiert seien.

„Volk von Tatverdächtigen“

Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen, Cem Özdemir, hat sich gegen einen Fingerabdruck ausgesprochen und erklärt, dass ihm ein Hologramm sympathischer wäre. Dem Argument der Grünen, biometrische Passdaten machten aus den Deutschen ein „Volk von Tatverdächtigen“, hält Schily entgegen: „Sind wir bereits ein Volk von Tatverdächtigen, weil unsere Augenfarbe, unsere Körpergröße und unser Gesicht im Pass gespeichert sind?“.

Der Innenminister verweist zugleich darauf, dass jemand wie der mutmaßliche New-York-Attentäter Mohamad Atta im deutschen Ausländerzentralregister unter drei Namen gespeichert war, ohne dass es jemand merkte. Mit einer Fingerabdruckspeicherung wäre das nicht passiert, argumentiert der Minister. Schily hat sich gerade bei seiner USA-Visite mit den Feinheiten der „Aliens Residence Card“ vertraut gemacht. Dieser Ausländerausweis beinhaltet nicht nur ein Foto, sondern auch einen Fingerabdruck.

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