Home
http://www.faz.net/-gpf-qfyw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Auswärtiges Amt Fischer schickt Botschafter in Ruhestand

Der Außenminister hat den deutschen Botschafter in der Schweiz, Frank Elbe, nach dessen Kritik an der Gedenkpraxis für verstorbene Diplomaten in den vorzeitigen Ruhestand versetzen lassen. Gegen diesen „Akt der Willkür“ will sich der Diplomat nun juristisch wehren.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Frank Elbe

Außenminister Joschka Fischer hat den deutschen Botschafter in der Schweiz, Frank Elbe, nach dessen Kritik an Fischers Gedenkpraxis für verstorbene Diplomaten in den vorzeitigen Ruhestand versetzen lassen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Vorabbericht des „Handelsblatt“. Elbe sei am Donnerstag auf Ersuchen Fischers von Bundespräsident Horst Köhler mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden, sagte der Sprecher auf Anfrage. Zum Hintergrund wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Mehr zum Thema

Vorwurf mangelnder Sensibilität

Elbe hatte die von Fischer angeordnete Änderung der Gedenkpraxis für frühere Diplomaten kritisiert. Ein Brief, in dem er Fischer mangelnde Sensibilität im Umgang mit dieser Frage vorwarf, war in der „Bild“-Zeitung veröffentlicht worden. Fischer hatte ehrende Nachrufe auf Diplomaten in einer Hauszeitschrift des Ministeriums gestoppt, nachdem damit ein wegen Kriegsverbrechen in der NS-Zeit verurteilter Ex-Konsul geehrt wurde.

Später revidierte Fischer die Regelung und entschied, künftig grundsätzlich auf Nachrufe zu verzichten und den Tod früherer Mitarbeiter nur noch zu vermelden. Das Thema hatte ungewohnt deutliche Kritik ehemaliger und einiger aktiver Diplomaten ausgelöst, ungekehrt jedoch auch Unterstützung für Fischers Vorgehen. Fischer hatte angedeutet, er sehe hinter der Kritik auch parteipolitische Motive. Elbe war früher Büroleiter und Vertrauter von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP).

Elbe ergreift juristische Schritte

Elbe will juristische Schitte gegen seine „Entlassung“ ergreifen. Nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ will sich der bisherige Botschafter gegen seine Versetzung in den einstweiligen
Ruhestand wehren.

Elbe, der am Donnerstag seine Entlassungsurkunde erhalten hatte, beauftragte den schleswig-holsteinischen Landtagsabgeordneten und Rechtsanwalt Trutz Graf Kerssenbrock mit der Wahrnehmung seiner Interessen. Kerssenbrock sagte dem Blatt, er prüfe jetzt, ob die Versetzung Elbes in den einstweiligen Ruhestand „willkürlich“ erfolgt

Quelle: Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Buchvorstellung Joschka Fischer Von der Schweiz lernen

Förderalismus in Schweizer Art: Bei der Vorstellung seines neuen Buches Scheitert Europa? präsentiert Joschka Fischer seine Idee von den Vereinigten Staaten von Europa nach eidgenössischem Modell. Mehr Von Julia Encke

14.10.2014, 16:57 Uhr | Feuilleton
Deutschland zu Militärhilfe für Nordirak bereit

Außenminister Frank-Walter Steinmeier trat im Auswärtigen Amt vor die Presse und erklärte, dass Deutschland zur Militärhilfe für Nordirak bereit sei. Wie die Hilfe genau aussieht, wird mit den europäischen Nachbarländern abgestimmt. Mehr

20.08.2014, 15:42 Uhr | Politik
TV-Kritik: Goldene Henne Superhenne auf Abwegen

Deutschlands größter Publikumspreis pendelt zwischen Desastern und würdigen Momenten. Westdeutsche dürfte die Sendung in jedem Fall irritieren: Statt Botox-Promis werden Straßenbahnfahrerinnen geehrt. Mehr Von Stefan Locke

11.10.2014, 05:38 Uhr | Feuilleton
Fischer wehren sich gegen neue Fischfangquoten

Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, die teilweise gewaltsam gegen niedrigere Fischfangquoten vor der Küste des südamerikanischen Landes protestierten. Mehr

03.07.2014, 09:29 Uhr | Politik
Abu Sayyaf Deutsche Geiseln auf Philippinen frei

Das Auswärtige Amt hat bestätigt, dass die islamistische Gruppe Abu Sayyaf zwei deutsche Geiseln freigelassen hat. Wurde Lösegeld gezahlt? Mehr Von Till Fähnders und Majid Sattar

17.10.2014, 15:08 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.04.2005, 15:40 Uhr

Lektion gelernt

Von Mechthild Küpper

Die Berliner SPD ist gar nicht so zwiespältig, wie sie sich oft darstellt. Das eindeutige Votum für Michael Müller als Regierenden Bürgermeister hat den linken Laborversuch des SPD-Vorsitzenden Jan Stöß spektakulär scheitern lassen. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden