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Zypern Geliebte, umstrittene Aphrodite

 ·  Vor Zyperns Küste lagern große Gasvorkommen. Das ruft Washington, Moskau und Ankara auf den Plan.

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© ddp images/AP/ Vergrößern Eine zyprische Öl- und Gasbohrplattform vor der Südküste Zyperns

Wäre Erato Kozakou-Marcoullis eine Schauspielerin, könnte man von ihr sagen, sie besitze eine starke Bühnenpräsenz. Zyperns Außenministerin wirkt äußerst beherrscht und selbstsicher. Als repräsentiere sie nicht einen kleinen Inselstaat, sondern eine aufstrebende Regionalmacht. Die Türkei zum Beispiel.

Der große Nachbar der Zyprer hält seit fast vier Jahrzehnten den Nordteil der Insel besetzt, hat 30000 Soldaten dort stationiert und unter der Bezeichnung „Türkische Republik Nordzypern“ einen Marionettenstaat installiert. Die Türkei erkennt die Regierung Zyperns nicht an und will deshalb auch mit der noch bis Ende 2012 dauernden zyprischen EU-Präsidentschaft nichts zu tun haben.

Im Hintergrund entfaltet sich derzeit zudem ein potentiell gefährlicherer Konflikt, der seinen Ursprung allerdings weder in Ankara noch in Nikosia hat, sondern tief unter dem Mittelmeer - und in Houston, Texas. Im September 2011 begann die texanische Ölfirma Noble Energy mit Probebohrungen im zur exklusiven Wirtschaftszone Zyperns gehörenden „Block 12“ vor der Südküste der Insel. Drei Monate später meldeten die Amerikaner einen Erfolg: Im sogenannten Aphrodite-Feld von Block 12 war man auf Gas gestoßen. So groß seien die Vorkommen, dass Zyperns Energiebedarf für ein Jahrhundert gedeckt sei, frohlockte die zyprische Regierung.

Doch wo Geld ist, bleibt Streit selten aus. Schon als im Jahr 2007 die erste Lizenzierungsrunde für die Probebohrungen lief, veranstaltete die türkische Marine demonstrativ Manöver in der Nähe der vermuteten Erdgasfelder. Im September 2011, bevor die Bohrungen begannen, legte Ankara nach. Da die Türkei die Republik Zypern nicht anerkennt, spricht sie der Regierung in Nikosia nämlich auch das Recht ab, über die Bodenschätze des Landes zu verfügen. Nikosia repräsentiere schließlich die türkische Bevölkerung im Norden der Insel nicht und dürfe daher auch über die Nutzung seiner natürlichen Reichtümer nicht allein entscheiden. Egemen Bagiş, als Minister im Kabinett des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan eigentlich für das kaum noch ernsthaft verfolgte Ziel einer EU-Integration der Türkei zuständig, sagte im September, sein Land werde tun, „was immer nötig ist“, um die eigene Sichtweise zu verteidigen. Dafür habe man schließlich eine Marine, so Bagiş.

Türkische Drohungen

Sein Chef Erdogan legte nach und warnte internationale Öl- und Gasfirmen, die mit den griechischen Zyprern Geschäfte machen wollen: „Unser Energieministerium arbeitet daran, die Zulassung solcher Firmen zu Energieprojekten in der Türkei zu verbieten und eine Serie von Sanktionen über sie zu verhängen.“ Die Drohung betraf auch Konzerne, die vom Nordirak aus über türkisches Territorium Gas oder Öl nach Europa liefern wollen. Auffällig war, dass unter anderem Gasprom sich nur indirekt an dem Bewerbungsverfahren für die zyprischen Gasexplorationen beteiligte. Israelische Energiefachleute äußerten dazu allerdings die Vermutung, der russische Konzern habe seine Geschäfte in der Türkei nicht durch einen zu frühen Einstieg in das zyprische Spiel gefährden wollen. Sollte vor Zypern tatsächlich weiteres Gas gefunden werden, könne der Konzern immer noch Interesse anmelden. Dabei dürfen die Russen darauf vertrauen, dass die Regierung in Nikosia, die Ende 2011 durch einen russischen Kredit über 2,5 Milliarden Euro vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet wurde, das Moskauer Gesuch bevorzugt behandeln werde.

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