Das slowenische Kernkraftwerk Krško wird auf undichte Stellen im Primärkreislauf untersucht und soll erst am Mittwoch nächster Woche wieder ans Netz gehen. Der einzige Reaktor des Landes war am Mittwochabend manuell heruntergefahren worden, nachdem wenige Stunden zuvor Kühlwasser ausgetreten war.
Mitarbeiter des Kernkraftwerkes und die Umwelt seien nicht zu Schaden gekommen, da sich der Zwischenfall innerhalb der Reaktorschutzhülle ereignet habe und keine Radioaktivität frei geworden sei, teilte die slowenische Nukleare Sicherheitsbehörde (SNSA) mit. Es habe sich um ein kleines Leck gehandelt, aus dem nicht mehr als zweieinhalb Kubikmeter Kühlflüssigkeit pro Stunde ausgetreten seien, zitierte die slowenische Nachrichtenagentur STA den SNSA-Direktor Andrej Stritar. Der Störfall wurde nicht als „Unfall“, sondern lediglich als „ungewöhnliches Ereignis“ auf der vierten und niedrigsten Stufe der internationalen Alarmskala eingestuft, die Gefahren für die Belegschaft oder die Bevölkerung ausschließt.
Slowenien hätte die Störung nicht melden müssen
Die SNSA informierte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sowie die Nachbarländer Ungarn, Kroatien, Italien und Österreich. Dabei unterlief der Behörde ein Fehler. Der österreichische Umweltminister Josef Pröll kritisierte, dass die Meldung des Zwischenfalls auf einem Formular erfolgt sei, das nur für Übungszwecke bestimmt sei. Stritar entschuldigte sich damit, dass dieses Formular nahezu identisch sei mit dem für wirkliche Störfälle vorgesehenen.
Die Verwirrung, die durch die Verwechslung der Formulare entstanden war, wurde dadurch nicht geringer, dass die slowenische Sicherheitsbehörde über das europäische nukleare Warnsystem Ecurie auch noch die EU-Kommission alarmierte, die die Meldung an alle Mitgliedsländer weitergab. Gedacht ist dieses System für Fälle, in denen eine grenzüberschreitende radioaktive Verseuchung zu befürchten ist. Stritar sagte am Donnerstag in Laibach (Ljubljana), Slowenien hätte die Störung nicht melden müssen, habe sich dazu jedoch im Interesse der „Transparenz“ entschlossen. In Brüssel lobte der Sprecher von Energiekommissar Andris Piebalgs die slowenische Behörde, weil sie die Kommission rechtzeitig und vollständig informiert habe. Von Panikmache könne keine Rede sein.
Erst am Dienstag war der zweite Reaktor des tschechischen Atomkraftwerkes Dukovany vorübergehend abgeschaltet worden, weil ein Mitarbeiter irrtümlich einen der Kühlwasserkreise geschlossen hatte. Die EU war von dem Vorfall, der keinerlei Aufsehen erregte, nicht informiert worden.
„Warum habt ihr das gemacht?“
Der von der amerikanischen Firma Westinghouse in den siebziger Jahren errichtete Druckwasserreaktor von Krško liegt im Osten Sloweniens, nahe an der Grenze zu Kroatien, das Miteigentümer des Kraftwerkes ist. Krško ging 1981 in Betrieb und soll noch bis 2023 Strom liefern. Nach den Angaben der IAEA erfüllt das Kraftwerk die neuesten Sicherheitsbestimmungen. Österreichische Atomkraftwerksgegner kritisieren, dass Krško in einem erdbebengefährdeten Gebiet liege.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte am Donnerstag auf dem Treffen der Innen- und Justizminister der EU in Luxemburg mit Blick auf die Alarmierung der EU: „Man wird sicherlich fragen müssen: Warum habt ihr das gemacht?“ Gabriel hatte am Mittwochabend gesagt, von dem Zwischenfall gehe für Deutschland keine Gefahr aus. Umweltschützer hatten das als zu frühe Entwarnung kritisiert. Am Donnerstag sagte Gabriel: „Es ist gottseidank nicht zu einem grenzüberschreitenden Austritt gekommen, jedenfalls nach dem, was wir heute wissen.“ (Siehe auch: Krsko: Politischer Ärger, aber keine Gefahr )
