Lech Kaczynskis Leben war von den beiden totalitären Systemen geprägt, die im 20. Jahrhundert Europa verwüsteten. Seine Eltern hatten beide im Zweiten Weltkrieg gegen die deutsche Besatzung in Polen gekämpft. Als Soldat der Untergrundarmee AK 1944 hatte sein Vater im August 1944 am Warschauer Aufstand teilgenommen, nach dessen grausamer Niederschlagung die Deutschen die polnische Hauptstadt systematisch, Haus für Haus, zerstörten.
Lech und sein Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski haben die Erinnerung an diesen Widerstand als prägend für ihre Jugend geschildert - sie wurden in einem patriotischen Geist erzogen, in dem die Geschichte Polens eine lange Folge opferreicher Kämpfe für die Freiheit gesehen wurde.
Die Kaczynski-Brüder haben diesen Kampf schon als Jugendliche aufgenommen: Sie waren 18 Jahre alt und hatten gerade mit dem Studium begonnen, als im März 1968 auf den Straßen ihrer Heimatstadt Warschau die Studenten gegen die kommunistischen Machthaber protestierten. Diese Proteste und ihre Niederschlagung, bei der die Machthaber mit einer antisemitischen Kampagne die Bevölkerung gegen die Studenten aufzubringen versuchten, haben sie stark geprägt - so wie eine ganze Generation polnischer Politiker, die nach dem Ende der kommunistischen Diktatur 1989 begannen, die Geschicke ihres Landes zu bestimmen.
Mitglied der polnischen Opposition seit der ersten Stunde
Als sich die polnische Opposition Mitte der siebziger Jahre zu formieren begann, war Lech Kaczynski beteiligt: Er gehörte zum „Komitee zur Verteidigung der Arbeiter“, einem Vorläufer der Gewerkschaft Solidarnosc, er beteiligte sich an den „Fliegenden Universitäten“, in denen polnische Intellektuelle damals in Privatwohnungen Seminare und Vorlesungen hielten, die an den Hochschulen nicht möglich gewesen wären. Als 1980 in Danzig, wo Lech Kaczynski lebte, die Streiks begannen, die zur Gründung der Solidarnosc führten, gehörte er zu ihren ersten juristischen Beratern.
Nach Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 war er fast ein Jahr interniert - und engagierte sich, als er wieder frei kam, sofort wieder in der in den Untergrund abgedrängten antikommunistischen Opposition.
Die Kaczynskis forderten radikale Abrechnung mit den Kommunisten
In den Verhandlungen am Runden Tisch, die dazu führten, dass Polen im Sommer 1989 drei Monate vor den Revolutionen in der DDR und der Tschechoslowakei eine nichtkommunistische Regierung hatte, war Lech Kaczynski einer der wichtigsten Männer der Opposition. Doch gerade die Bewertung des Runden Tischs war eine der Fragen, über die sich Lech Kaczynski schon Anfang der neunziger Jahre mit vielen seiner einstigen Kampfgefährten zerstritt: Er und sein Bruder Jaroslaw waren nach den Revolutionen in den Nachbarländern der Ansicht, dass sich die polnische Opposition nicht mehr an die den Kommunisten am Runden Tisch aus Rücksicht auf die weltpolitische Lage gemachte Zusagen halten müsse. Sie forderten eine radikale Abrechnung mit den Kommunisten - richteten die härteste Polemik aber gegen jene Kräfte der einstigen Opposition, denen sie „Verrat“ vorwarfen.
Großer Anteil daran, dass Polen ein freies Land ist
Als Lech und Jaroslaw Kaczynski Ende der neunziger Jahre wieder in die erste Reihe der polnischen Politik zurückkehrten, präsentierten sie sich als Kämpfer gegen die Korruption, als Vertreter von Recht und Ordnung und Anhänger eine starken Staates mit einem starken Präsidenten an der Spitze. Das nach 1989 entstandene Polen, so argumentierten sie, werde von postkommunistischen Seilschaften in Politik und Wirtschaft beherrscht - und dieses Netzwerk gelte es zu zerschlagen. Angesichts der unzähligen Korruptionsskandale der damaligen linken Regierung erschien das vielen Polen plausibel.
Als sie dann tatsächlich an der Macht waren, verloren die Kaczynski-Brüder ihre Popularität schnell wieder - ihr konfrontativer Stil, der Polen zudem in Europa mehr und mehr isolierte, kam bei der Bevölkerung nicht gut an.
Bei der Präsidentenwahl im Oktober hätte Lech Kaczynski geringe Aussichten auf Wiederwahl gehabt. Nach seinem Tod spielen die Streitigkeiten der vergangenen Jahre indes in Polen keine Rolle mehr - auch erbitterte Gegner Lech Kaczynskis heben seine unbestreitbare Integrität, seinen Mut in den Zeiten der Diktatur und seinen großen Anteil daran hervor, dass Polen heute ein freies Land ist.
was nun
Dogan kaya (Jiyan1)
- 10.04.2010, 19:36 Uhr
TOD
Frank bohne (junior17)
- 11.04.2010, 01:42 Uhr
