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Zum Tod Néstor Kirchners Argentiniens gar nicht so heimlicher Herrscher

Der ehemalige argentinische Präsident Néstor Kirchner ist an einem Herz-Lungen-Versagen gestorben. 2007 folgte seine Frau Cristina Fernández im höchsten Staatsamt, doch im Hintergrund zog Kirchner unverhohlen weiter die Fäden.

© Reuters Vergrößern Verstorben: Der frühere argentinische Präsident Néstor Kirchner

Seit 2007 ist seine Frau Cristina Fernández Präsidentin Argentiniens, doch im Hintergrund zog Néstor Kirchner als ihr Vorgänger unverhohlen weiter die Fäden. Er bestimmte die großen Linien der Politik in der Residenz von Olivos vor den Toren der Hauptstadt Buenos Aires, dem neben der Casa Rosada eigentlichen Machtzentrum der Regierung des Ehepaares, und mischte sich oft auch in das Kleinklein des politischen Alltags ein.

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Es war ein offenes Geheimnis, dass Néstor Kirchner bei den Wahlen im nächsten Jahr antreten wollte, um seine Gattin im höchsten Staatsamt auch rein äußerlich wieder abzulösen und so die Macht der Familiendynastie für weitere vier Jahre zu sichern.

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Aufstieg aus der Provinz

Den Grundstein für das Familienimperium legte Néstor Kirchner zusammen mit seiner Frau in der patagonischen Provinz Santa Cruz. Dorthin waren beide in den siebziger Jahren gezogen und hatten als Anwälte ihren beträchtlichen Immobilienbesitz aufzubauen begonnen. Von 1987 bis 1991 war er Bürgermeister der Hauptstadt Rio Gallegos, danach wurde er in drei aufeinanderfolgenden Amtszeiten zum Gouverneur der Provinz gewählt.

Néstor und Cristina Kirchner Anfang Oktober in Buenos Aires © AFP Vergrößern Néstor und Cristina Kirchner Anfang Oktober in Buenos Aires

Néstor Kirchners Hauptverdienst während seiner Amtszeit als Präsident von 2003 bis 2007 war die rasche Stabilisierung der Wirtschaft nach der schweren Krise, von der Argentinien 2001 heimgesucht worden war. Außerdem drängte er auf die Annullierung der Amnestiegesetze, die die Junta und ihre Schergen nach der Militärdiktatur (1973 bis 1983) vor juristischer Verfolgung schützten und machte damit den Weg zur Eröffnung zahlreicher Verfahren wegen der in der „bleiernen Zeit“ begangenen Menschenrechtsverletzungen frei.

Korruptionsvorwürfe belasteten Wiederwahlstrategie

Kirchner hatte innerhalb der peronistischen Partei PJ (Partido Justicialista) eine eigene Mitte-Links-Strömung angeführt und war dabei, die Zügel der Partei ganz in die Hand zu nehmen. Außerdem hatte er sich zum Generalsekretär des südamerikanischen Staatenbündnisses Unasur und als Abgeordneter in den Kongress wählen lassen, erschien dort aber nur sehr selten.

All dies war Teil seiner Wiederwahlstrategie, mit der er sich innen- und außenpolitischen Einfluss zu sichern trachtete. Zuletzt wurden allerdings Vorwürfe gegen ihn wegen mutmaßlicher illegaler Bereicherung und Korruptionsvergehen wieder lauter. Bisher war es ihm gelungen, entsprechende juristische Ermittlungen weitgehend abzuwehren.

Anders als seine Frau, die viel Wert auf ihre äußere Erscheinung legt, machte sich Kirchner nie etwas aus Etikette und Förmlichkeiten. Während seiner Präsidentschaft gab er weder Pressekonferenzen noch rief er seine Minister zu Kabinettsitzungen zusammen. Er zitierte sie einzeln zu sich und ließ sie oft stundenlang warten. Néstor Kirchner, der im Februar seinen sechzigsten Geburtstag beging, hatte schon während seiner Amtszeit mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen, erweckte jedoch stets den Anschein, es handle sich um Lappalien. Am 11. September hatte er sich an den Herzkranzgefäßen operieren lassen, im Februar an der Halsschlagader. Jetzt ist er in seinem Heimatort Calafate an Herzlungenversagen gestorben.

Quelle: FAZ.NET mit oe.

 
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