Home
http://www.faz.net/-gq5-75cal
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zentralafrikanische Republik Rebellen marschieren auf Bangui

Die Rebellen der Zentralafrikanischen Republik nähern sich der Hauptstadt. Auch Tschad und Frankreich haben Truppen in dem Land. Werden sie gegen die Aufständischen vorgehen?

© AFP Vergrößern Soldaten der Präsidialgarde in Bangui

In der Zentralafrikanischen Republik hat die Rebellenkoalition Séléka ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bangui fortgesetzt. Am Dienstag nahm sie den Ort Kaga-Bandoro ohne große Gegenwehr ein, wie der französische Sender RFI berichtete. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zogen sich die Regierungstruppen in die Stadt Sibut zurück. Kaga-Bandoro liegt 340 Kilometer nördlich von Bangui und ist die vierte Bezirkshauptstadt, die die Rebellen binnen weniger Tage einnahmen. Sie forderten die Regierungstruppen auf, sich zu ergeben.

Etwa 350 Soldaten der Armee des nördlichen Nachbarlands Tschad sollen verhindern, dass Bangui eingenommen wird. Das Wohlergehen von Präsident François Bozizé hängt von Tschad und Frankreich ab, die hier seit Jahren eine Militärpräsenz unterhalten. Frankreich hat ständig etwa 200 Soldaten am Flughafen von Bangui stationiert. Staatspräsident François Hollande beorderte Soldaten des Kontingents zur französischen Botschaft, nachdem eine aufgebrachte Menge die Vertretung in Bangui angegriffen hatte. Die Demonstranten waren offenbar erbost, dass Frankreich nicht gegen die Rebellen vorgehe.

Paris verurteilte das Vorgehen der Aufständischen und rief zu Verhandlungen auf. Bei Friedensgesprächen in N’Djamena am 21. Dezember war eigentlich ein Waffenstillstand vereinbart worden. Bangui erklärte sich zu weiteren Verhandlungen bereit, machte sie aber von einem Rückzug der Rebellen auf Positionen abhängig, die diese vor dem 10. Dezember gehalten hatten.

Mit Hilfe Tschads an die Macht geputscht

Die Séléka-Koalition wirft der Regierung vor, einen Friedensvertrag von 2007 nicht eingehalten zu haben. Im Zuge dieses Abkommens sollten politische Gefangene freigelassen, demobilisierte Kämpfer bezahlt und die Rebellen Teil der regulären Armee werden. Die Regierung der Zentralafrikanischen Republik ist ständig mit Aufständen konfrontiert. Außerhalb von Bangui hat sie wenig Einfluss. Daher konnten sich in den vergangenen Jahren immer wieder Rebellengruppen, die gegen Tschads Präsidenten Idriss Déby kämpfen, in der Zentralafrikanischen Republik neu formieren. Im weiten Osten des Landes zwischen Sudan, Südsudan, Kongo und Uganda hat sich außerdem die „Widerstandsarmee des Herrn“ (Lord’s Resistance Army, LRA) festgesetzt, die durch den Einsatz von Kindersoldaten, massenhafte sexuelle Übergriffe und Massaker von sich reden macht.

Präsident Bozizé hatte sich 2003 mit Hilfe Tschads an die Macht geputscht, nachdem er zwei Jahre lang eine Rebellion gegen den damaligen Machthaber Ange-Felix Patassé angeführt hatte. Unmittelbar nach der Machtergreifung Bozizés formierte sich eine neue Rebellenkoalition, die es aber nicht schaffte, Bozizé zu stürzen. Der Friedensvertrag 2007 beendete den Konflikt offiziell, wenn Splittergruppen auch weiterkämpften. Séléka ist eine im August gegründete Koalition mehrerer Rebellengruppen, die von Am Nondokro Djotodia geführt wird, einem ehemaligen Mitarbeiter des Außenministeriums, der bereits 2006 einen Putschversuch unternommen hatte.

Karte / Infografik / Zentralafrikanische Republik

Im Juli bereits hatte Bozizé seinen langjährigen Finanzminister Sylvain Ndoutingai entlassen, der sich mit Bozizés Sohn, dem Verteidigungsminister Jean Francis Bozizé, überworfen hatte. Die Regierung warf Ndoutingai am Mittwoch vor, die Séléka-Rebellen zu unterstützen. Ndoutingai hatte sich gegen eine dritte Amtszeit Bozizés ausgesprochen, der zuletzt 2011 wiedergewählt worden war.

Die Zentralafrikanische Republik ist reich an Bodenschätzen wie Diamanten und Gold. Zudem verfügt sie auch über ein Uran-Vorkommen nahe der Stadt Boukouma, das derzeit vom französischen Energiekonzern Areva ausgebeutet wird.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z./stah.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Jemen Rebellen und Regierung unterzeichnen Friedensvertrag

Nach Wochen blutiger Auseinandersetzungen haben die jemenitische Regierung und schiitische Rebellen einen Friedensvertrag unterzeichnet. Zuvor war inmitten heftiger Kämpfe Ministerpräsident Mohammed Basindawa zurückgetreten. Mehr

21.09.2014, 16:31 Uhr | Politik
Muslimische Familien fliehen aus der Hauptstadt der zentralafrikanischen Republik

In der Zentralafrikanischen Republik machen sich hunderte muslimische Familien aus Furcht vor Übergriffen christlicher Milizen auf den Weg nach Norden. Sie fühlen sich in der Hauptstadt Bangui nicht mehr sicher, nachdem es bereits mehrfach zu übergriffen gekommen ist. Mehr

28.04.2014, 12:02 Uhr | Politik
Islamischer Staat Arabische Staaten wollen sich an Luftangriffen auf den IS beteiligen

Die Koalition der Amerikaner wächst: Arabische Staaten wollen einem Bericht zufolge Flugzeuge und Soldaten in den Kampf gegen IS schicken. Mit einer raschen Ausweitung der Bombardements ist jedoch nicht zu rechnen. Mehr

15.09.2014, 04:34 Uhr | Politik
Konfliktparteien tauschen Gefangene aus

Die neuen EU-Sanktionen gegen Russland sind offiziell in Kraft getreten. Für eine gewisse Entspannung könnte ein Austausch zwischen gefangen genommenen ukrainischen Soldaten und prorussischen Rebellen sorgen. Mehr

12.09.2014, 13:36 Uhr | Politik
Terrorgruppe Boko Haram Vieh für den Dschihad

Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram schlägt auch in Tschad und Kamerun zu. Außerhalb Nigerias steht unter französischer Führung eine Eingreiftruppe bereit. Aber eine Allianz gegen Boko Haram steht in weiter Ferne. Mehr

09.09.2014, 21:03 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.12.2012, 17:30 Uhr

Ursula needs you!

Von Reinhard Müller

Ursula von der Leyen sucht Freiwillige für den Kampf gegen Ebola. Hoffentlich ist die Fürsorgepflicht des Dienstherrn nicht auch nur freiwillig. Mehr 44 21