http://www.faz.net/-gpf-92ahh

Putin bei Erdogan : Zwei „Freunde“ gegen den Rest der Welt

  • Aktualisiert am

Bezeichnen sich als Freunde: Putin und Erdogan Bild: AP

Nur wenige Stunden dauert der Besuch des Kremlchefs beim türkischen Präsident. Die Visite soll demonstrieren, wie einig sich Moskau und Ankara gerade in der Außenpolitik inzwischen sind. Das täuscht aber nicht über mehrere große Differenzen hinweg.

          Russland und die Türkei wollen nach den Worten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Spaltung des Iraks und des Bürgerkriegslandes Syrien verhindern. Nach einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin sagte Erdogan am Donnerstagabend in Ankara: „Beim Thema territoriale Integrität, sei es die des Iraks oder Syriens, sind wir einer Meinung.“ Putin verwies auf die Haltung seiner Regierung, wonach das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Irak das Land nicht destabilisieren dürfe.

          Erdogan betonte abermals, das Unabhängigkeitsreferendum, bei dem fast 93 Prozent für eine Abspaltung der Kurdenregion stimmten, habe „überhaupt keine Legitimität“. „Leider hat die Regionalregierung, indem sie das Referendum trotz aller freundschaftlichen Warnungen abgehalten hat, einen großen Fehler begangen.“ Erdogan kündigte nicht näher benannte „Maßnahmen“ gegen die kurdische Führung an. Zuvor hatte er gedroht, die Ölexporte der Kurdenregion über die Türkei zu stoppen. Er hatte auch militärische Schritte nicht ausgeschlossen.

          Dieser Weg war nicht einfach

          Putin kündigte an, Russland und die Türkei würden die Zusammenarbeit ihrer Diplomaten, Militärs und Geheimdienste in Syrien verstärken. Putin und Erdogan bekräftigten die Einrichtung von vier sogenannten Deeskalationszonen in Syrien, die bei der jüngsten Gesprächsrunde in Astana in Kasachstan vereinbart worden war. Die größte dieser Schutzzonen soll in der nordsyrischen Provinz Idlib entstehen.

          Der Weg sei nicht einfach gewesen, sagte Putin. „Aber faktisch sind die Voraussetzungen geschaffen für ein Ende des brudermörderischen Krieges in Syrien, für die endgültige Vernichtung der Terroristen und eine Rückkehr der Syrer zum friedlichen Leben.“ An den Treffen in Astana hatten Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung teilgenommen, die Türkei gilt als Schutzmacht der Opposition.

          Der nur wenige Stunden dauernde Besuch Putins bei Erdogan war auch eine Demonstration der engen Partnerschaft, die die beiden Präsidenten inzwischen aufgebaut haben. Bei der Pressekonferenz – bei der keine Fragen zugelassen waren – bezeichneten Putin und Erdogan den jeweils anderen als Freund. Die rapide Annäherung des Nato-Partners Türkei an Moskau wird im Westen mit Argwohn beobachtet. Das gilt besonders, seit Ankara mit Moskau den Kauf des modernen russischen S-400-Luftabwehrsystems vereinbart hat.

          Dabei herrschte bis zum Sommer vergangenen Jahres noch Eiszeit zwischen Russland und der Türkei. Auslöser der schweren Krise war der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November 2015. Im August 2016 legten beide Seiten den Konflikt offiziell bei, nachdem Erdogan sich entschuldigte. Die damals verhängten Sanktionen hat Moskau aber immer noch nicht vollständig aufgehoben.

          Trotz der demonstrativen Einigkeit, die Erdogan und Putin an den Tag legten, wurden strittige Fragen nicht abgeräumt. Dabei handelt es sich vor allem um die Visumpflicht für Türken und den Einfuhrstopp für türkische Tomaten – beides Strafmaßnahmen, die Moskau in der Krise nach dem Abschuss verhängte. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax lediglich, dass die Landwirtschaftsministerien beider Länder weiter die Aufhebung des Tomaten-Importverbots vorbereiteten. „Eine Lösung kommt näher.“

          Weitere Themen

          Vorfreude bei den Fans in Moskau Video-Seite öffnen

          WM-Finale : Vorfreude bei den Fans in Moskau

          Noch geht es in den Straßen Moskaus zwischen Kroaten und Franzosen sehr brüderlich und freundschaftlich zu. Für Kroatien wäre ein Sieg im Finale der erste Fußball-Weltmeister-Titel überhaupt.

          Spannung in Moskau steigt Video-Seite öffnen

          Vor WM-Finale : Spannung in Moskau steigt

          Die letzte Vorbereitungen laufen für das Finale der Fußball-WM 2018 in Moskau. Die Fans feiern unterdessen auf den Straßen.

          Topmeldungen

          4:2 gegen Kroatien : Frankreich ist Weltmeister

          Le jour de gloire est arrivé! Deutschlands Nachfolger kommt aus dem Nachbarland: Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Im torreichsten Finale seit 1958 sind die Kroaten der etwas unglückliche Verlierer.
          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jubelt auf der Tribüne über den Erfolg der französischen Nationalmannschaft.

          Liveblog zur Fußball-WM : Macron jubelt am besten

          Küssende Franzosen +++ Frankreichs Präsident rastet aus +++ DFB-Elf gratuliert dem Weltmeister +++ Kroaten feiern trotzdem +++ Kroatiens Präsidentin gewinnt die Herzen +++ Alle Infos zum WM-Finale finden Sie im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.