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Wilderei Blutiges Horn

 ·  Die Wilderei von Nashörnern ist zu einem großen Geschäft geworden. In Südafrika werden die Hörner erbeutet, die meisten von ihnen landen in „Apotheken“ in Vietnam. Zwei Besuche auf zwei Kontinenten.

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© Carl-Albrecht von Treuenfels Vergrößern Von Wilderern bedroht, von „Apothekern“ begehrt: Das Nashorn

Die Meldung kommt wieder einmal viel zu spät. „Touristen berichten von Schüssen in der Nähe des Gudzani-Wasserlochs, Richtung Nordost. Ranger unterwegs“, krächzt es aus dem Funkgerät. „Wie lange ist das her?“, will Bruce Leslie wissen. „Zwei Stunden, vielleicht länger“, kommt die Antwort des Rangers. Leslie flucht. Das Gudzani-Wasserloch im südafrikanischen Kruger-Nationalpark ist nur sieben Kilometer von der moçambiquanischen Grenze entfernt. „Die kriegen wir nie“, sagt der Sicherheitschef des Kruger-Nationalparks. Trotzdem ordert er einen Hubschrauber und zwei Suchhunde. Dreißig Minuten später wird die Befürchtung Gewissheit. Schon im Landeanflug ist das Ausmaß des Gemetzels deutlich zu erkennen.

Unweit des Wasserlochs liegt ein Breitmaulnashorn im hohen Gras, der Kopf in einer großen Blutlache. Wo die Hörner waren, ist nur noch eine klumpige Masse aus blutigem Fleisch und zerfetztem Knorpel zu sehen. Der Abschuss ist so frisch, dass nicht einmal die Fliegen den Kadaver entdeckt haben. Doch von den Wilderern ist nichts zu sehen. Bruce Leslie setzt den Hundeführer und seine Tiere ab, die sofort eine Spur aufnehmen. Zwei Park-Ranger und fünf schwerbewaffnete Soldaten der südafrikanischen Armee, die in der Zwischenzeit mit einem Geländewagen eingetroffen sind, hetzen den Schäferhunden durch das Buschwerk hinterher.

Vierzig Minuten später meldet sich einer der Ranger per Funkgerät vom Nhlanguleni-River, der die Grenze nach Moçambique markiert. Der Mann ist völlig außer Atem. Er könne die Wilderer auf der anderen Seite der Grenze sehen, berichtet er, drei Männer seien es, nur ein Gewehr. Der Ranger will wissen, ob er ihnen nachsetzen soll. Leslies Kieferknochen mahlen. Aber er hat keine Wahl. „Negativ“ bellt er schließlich in sein Funkgerät. „Ihr bleibt weg von der Grenze.“ Die Wilderer entkommen unbehelligt. „Das passiert hier inzwischen fast jeden Tag“, seufzt Leslie.

Krieg abseits der Touristenrouten

Die etwa sechs Jahre alte Kuh von Gudzani ist das 412. Nashorn, das seit Beginn des Jahres in Südafrika gewildert wurde. Im vergangenen Jahr waren es 448. Seit Beginn der massiven Wilderei von Nashörnern im Jahr 2008 sind mehr als 1.400 Tiere ihrer Hörner wegen abgeschossen worden. Das Epizentrum der Wilderei ist der Kruger-Park. Er weist die größte Dichte an Nashörnern in der ganzen Welt auf und vor allem: Er hat eine 300 Kilometer lange Grenze mit Moçambique, wo die meisten Wilderer herkommen, viele davon mit militärischem Hintergrund und entsprechenden Erfahrungen im Umgang mit Waffen. Von den 448 Tieren, die 2011 gewildert wurden, starben allein 252 im Kruger-Park.

Es ist ein Krieg, der abseits der Touristenrouten geführt wird; ein Krieg, in dem die Wilderer sündhaft teure Präzisionswaffen einsetzen, Hubschrauber und Nachtsichtgeräte. Und es ist ein Krieg, der mit großer Brutalität geführt wird. Allein im vergangenen Jahr wurden 21 Wilderer von Rangern erschossen. Über die eigenen Verluste schweigt die Wildschutzbehörde sich aus. Die südafrikanische Armee hat inzwischen vier Kompanien in dem Wildpark stationiert, um die Grenze zum Nachbarland zu sichern. Hinzu kommen drei weitere Kompanien an den Grenzen zu Zimbabwe, Lesotho und Swaziland. Die Kruger-Park-Verwaltung ihrerseits will 150 zusätzliche Ranger ausbilden und einstellen, womit deren Zahl auf 650 steigen würde - 650 Ranger für ein Wildschutzgebiet so groß wie Belgien. „Wir kämpfen hier gegen Windmühlen“, sagt Bruce Leslie.

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