http://www.faz.net/-gpf-8vo9l

Wikileaks-Enthüllungen : Der Spion im eigenen Haus

  • Aktualisiert am

Das eigene Smartphone, das seinen Besitzer ausspioniert? Bild: Reuters

Smartphones, Fernseher, Bordcomputer: Die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen zeigen, dass der amerikanische Geheimdienst CIA Menschen offenbar nach Belieben ausspähen kann. Für die Hacker scheint es keine Grenzen mehr zu geben.

          Die Namen der Spähwerkzeuge, die der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA nach den neuen Veröffentlichungen von Wikileaks für das Ausspähen von Smartphones, Fernsehern, Laptops oder Bordcomputern von Autos nutzt, klingen wie aus einem mittelmäßigen Computerspiel: „Weeping Angel“, „Wrecking Crew“, „ChrunchyLimeSkies“, „Assassin“ oder „Medusa“. Doch die verspielten Namen trügen. Denn es handelt sich um gefährliche Malware, Viren und Trojaner, mit denen eine eigene Programmiertruppe der CIA systematisch Sicherheitslücken und Schwachstellen in Geräten ausnutzt, die in jedem Haushalt auf der ganzen Welt vielfach vorhanden sind.

          Der internetfähige Kühlschrank, der nach dem Aufstehen belauscht, wie sein Besitzer über Terrorismus redet; der Fernseher, der mitschneidet, welche Serien wann angeschaut werden; das Handy, das Gespräche heimlich mitschneidet und im Zweifel direkt ins CIA-Hauptquartier nach Langley schickt: Es ist die Horrorvision vom gläsernen, allseits überwachten Bürger, die Amerika nach der Veröffentlichung der mehr als 8000 Dokumente von Wikileaks aufgeschreckt hat wie lange nichts mehr. Und der am Dienstag veröffentlichte Datensatz „Vault 7“ mit 7818 Webseiten und 943 Anhängen sei nur die erste Tranche einer größeren Sammlung, kündigte Wikileaks an.

          Schon jetzt bezeichnen Experten die neuen Veröffentlichung als größte Enthüllung in der Geschichte von Wikileaks. Wikileaks-Chef Julian Assange betonte, die Plattform habe mit „Vault 7“ bereits jetzt mehr Dokumente veröffentlicht als Edward Snowden in drei Jahren. Der Australier, der seit Jahren in der Botschaft von Ecuador in London lebt, bestritt, dass die Enthüllung etwas mit dem Erlass des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu tun habe, der eine kurzfristige Überprüfung aller Cyberwar-Programme angeordnet hatte.

          Snowden schätzte die Veröffentlichungen von Wikileaks am Mittwoch als glaubwürdig ein. Er verwies in einem Tweet auf Detail-Informationen, die nur Geheimdienst-Insidern bekannt gewesen seien. Die Dokumente zeigten, dass die amerikanischen Regierung im Geheimen dafür gezahlt habe, Software aus den Vereinigten Staaten unsicher zu machen.

          „Fake-Off-Modus“ für Samsung-Fernseher

          Akribisch beschreiben die Dokumente, die im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen von Wikileaks teilweise zensiert wurden, wie Agenten in Smartphones, Laptops oder Bordcomputer von Autos einbrechen oder Fernseher in Abhörwanzen umwandeln können. „Sie können Musik abspielen oder komplett die Kontrolle über das Auto übernehmen und einen Unfall verursachen, wenn sie jemand umbringen", sagte der Sicherheitsexperte Ross Schulmer dem Sender CNN. In einigen Dokumenten wird beschrieben, wie die CIA Informationen über Sicherheitslücken mit der amerikanischen Bundespolizei FBI oder befreundeten Geheimdiensten wie dem britischen GCHQ austauscht. Dabei wird auch immer wieder auf Firmen verwiesen, die ihr Wissen über sofort ausnutzbaren Sicherheitslücken („Zero day exploits“) kommerziell anbieten.

          Die Funktion der verschiedenen Spähwerkzeuge ist dabei offenbar sehr unterschiedlich. Beim Projekt „Weeping Angel“ entwickelten die CIA-Programmierer in Zusammenarbeit mit Experten des britischen Geheimdienstes MI5 einen „Fake-Off-Modus“, bei dem bestimmte Fernseher-Modelle von Samsung scheinbar ausgeschaltet sind, in Wirklichkeit aber in den Raum lauschen – je nach Modell sogar mit eingeschalteter Webcam.

          Eine andere Gruppe von Programmierern hat demnach Programme entwickelt, um gängige Smartphones zu hacken. So könnte der CIA laut Wikileaks sowohl den Standort des Besitzers senden als auch heimlich das Mikrofon und die Kamera des Handys aktivieren und so seine Audio- und Video-Kommunikation mitschneiden.

          Seit Oktober 2014 hat die CIA den Dokumenten zufolge auch versucht, Kontrolle über die Bordcomputer von Autos und Lkw zu erlangen – womöglich mit dem Ziel, künftig gezielte Tötungen ausführen zu können, die kaum noch nachzuweisen wären, wie Wikileaks mutmaßt.

          Weitere Themen

          Soldaten-Witwe empört über Trumps Verhalten Video-Seite öffnen

          Kondolenzanruf : Soldaten-Witwe empört über Trumps Verhalten

          Die Witwe des in Niger gefallenen amerikanischen Soldaten La David Johnson ist verärgert über den Kondolenzanruf von Donald Trump. Er habe sich nicht einmal richtig an den Namen ihres verstorbenen Mannes erinnern können, sagte sie in der amerikanischen Fernsehsendung „Good Morning America“.

          Futuristische Schlafboxen für müde Reisende Video-Seite öffnen

          Warten am Flughafen : Futuristische Schlafboxen für müde Reisende

          Flieger verpasst? Stundenlanges Warten auf den Anschlussflug? Am Flughafen von Mexiko-Stadt können sich müde Reisende in futuristisch anmutenden Schlafboxen erholen. Die warten nicht nur mit Matratze und kuscheliger Bettwäsche auf, sondern auch mit Klimaanlage, Fernsehen, WiFi und USB-Anschluss.

          Topmeldungen

          Wolfgang Kubicki will sich von der AfD nicht provozieren lassen.

          Bundestag : Kubicki rät zu gelassenem Umgang mit der AfD

          Heute dürfte FDP-Politiker Kubicki zu einem der Vizepräsidenten des Bundestages gewählt werden. Er rät, mit der AfD im Parlament „vernünftig und fair“ umzugehen. Abgeordnete bekräftigen ihre Ablehnung gegen den umstrittenen AfD-Kandidaten Glaser.
          Martin Schulz (rechts) mit dem designierten SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil

          Martin Schulz unter Druck : Vorsitzender auf Abruf

          Die SPD akzeptiert die Personalpolitik ihres Vorsitzenden nur mit Zähneknirschen. Für Martin Schulz wird der Weg bis zum Bundesparteitag im Dezember steinig.
          Pirat an einer Küste Afrikas

          Nigeria : Piraten überfallen deutsches Containerschiff

          Das Schiff einer Hamburger Reederei ist vor Nigeria von Piraten angriffen worden. Die Seeräuber verschleppten sechs Besatzungsmitglieder, darunter ist auch der Kapitän.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.