07.12.2010 · Der unter Vergewaltigungsverdacht stehende Gründer des Enthüllungsportals Wikileaks, Julian Assange, kommt vorerst nicht auf Kaution frei. Das entschied ein Untersuchungsrichter am Dienstag in London. Assange hatte sich am Dienstag der Polizei gestellt.
Das Magistratsgericht ordnete am Nachmittag an, dass Assange mindestens bis zur nächsten Anhörung am 14. Dezember in Polizeigewahrsam bleiben muss. Der Australier hatte sich am Dienstag der Polizei in London gestellt, aber seine Freilassung gegen Kaution beantragt, bis über einen Auslieferungsantrag der schwedischen Polizei gegen ihn entschieden ist. Die schwedischen Behörden verlangen die Auslieferung Assanges wegen Vorwürfen, er habe dort während eines Aufenthalts im August Sexualdelikte gegen zwei Frauen begangen.
Der schwedische oberste Gerichtshof erließ einen Haftbefehl gegen Assange, nachdem dieser nicht bereit war, zu Verhören nach Schweden zu reisen, sondern stattdessen den schwedischen Ermittlern angeboten hatte, ihn anderswo, etwa in der schwedischen Botschaft in London, zu befragen. Aufgrund dieses schwedischen Haftbefehls war dann ein Auslieferungsersuchen an die britischen Behörden gerichtet worden.
Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates begrüßte die Verhaftung Assanges. Das klinge „nach einer guten Nachricht“, sagte er am Dienstag während eines Besuchs in Afghanistan auf die Frage von Journalisten nach seiner Reaktion.
Während Assange am Dienstag mit juristischen Mitteln gegen seine Festsetzung in London vorging, drohten ihm und seiner Organisation weitere Sanktionen oder Einschränkungen wegen der Veröffentlichung immer neuer amerikanischer Geheimdokumente, die seit Tagen auf den Internetseiten von Wikileaks veröffentlicht werden. Die Organisation sah sich beispielsweise Attacken von Stör-Absendern ausgesetzt, die das Aufrufen der Wikileaks-Seiten behinderten.
Postbank schließt Wikileaks-Konto
Am Dienstag teilte überdies die Schweizer Postbank mit, sie werde das Konto schließen, das Wikileaks bei ihr vor allem zur Abwicklung von Spenden unterhält, weil Assange der Bank gegenüber „falsche Angaben“ über seinen Aufenthaltsort gemacht habe. Vor allem aus den Vereinigten Staaten wächst der Druck auf die Enthüllungs-Initiative, ihre Veröffentlichungen einzustellen. Ein Sprecher von Wikileaks sagte am Dienstag dem britischen Sender BBC, die Verhaftung Assanges sei ein „Anschlag auf die Pressefreiheit“, sie ändere nichts an der Praxis der Organisation. Wikileaks sei arbeitsfähig und werde auf dem eingeschlagenen Weg fortfahren.
Die Website werde jetzt von verschiedenen Leuten in London und von anderen Orten aus betrieben. Es sei für den Fortgang der Enthüllungen unerheblich, ob Assange in Haft bleiben müsse oder nach Schweden ausgeliefert werde. Der Europäische Haftbefehl gegen den australischen Staatsbürger Assange lautet nach Angaben von Scotland Yard auf einen Fall der Vergewaltigung, einen Fall sexueller Nötigung und zwei Fälle sexueller Belästigung. Assange hat die Vorwürfe als gegenstandslos bestritten - und angedeutet, er halte sie für ein Mittel, mit dem versucht werden solle, ihn mundtot zu machen. Es scheine sich um eine ungerechtfertigte Verfolgung zu handeln.
Die Vorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Assange
Die erste Aufregung währte nur wenige Stunden. Im August hielt Julian Assange sich in Schweden auf, sprach beim Gewerkschaftsbund in Stockholm über das Thema „Wahrheit“, vereinbarte eine Zusammenarbeit mit der schwedischen Piratenpartei und hatte offenbar Sex mit mindestens zwei Frauen. Dieser soll angeblich einvernehmlich begonnen haben, doch dann gegen den Willen der Frauen fortgesetzt worden sein. Zumindest, so berichten es die schwedischen Behörden, meldeten sich an einem Freitagabend Ende August zwei Frauen bei der Polizei, um Assange der Vergewaltigung und Belästigung zu beschuldigen. Eine Anzeige stellten sie aber nicht. Die Staatsanwaltschaft wurde benachrichtigt und leitete sofort die Fahndung nach Assange ein. Rasch verbreitete sich die Nachricht im Internet. Doch schon am Samstag wurde die Fahndung wieder eingestellt; der Fall war einer neuen Staatsanwältin übermittelt worden. Diese teilte nun mit, dass Assange nicht mehr der Vergewaltigung verdächtigt werde, nur der Verdacht der Belästigung werde noch geprüft.
Die kurze Aufregung bot Stoff für allerhand Verschwörungstheorien. Assange wies die Vorwürfe nicht nur umgehend zurück, sondern brachte auch mögliche Quellen der Beschuldigung ins Spiel. Der Zeitung „Aftonbladet“ sagte Assange, er wisse zwar nicht, wer sich hinter der Anschuldigung verberge. „Aber wir sind gewarnt worden, dass beispielsweise das Pentagon uns böse mitspielen könnte, um uns zu zerstören.“ Es sei dabei ausdrücklich vor „sexuellen Fallen“ gewarnt worden. Auch Mitstreiter von Assange verbreiteten über das Internet und Zeitungen ähnliche Auslegungen. Es klang, als sei Goliath gerade dabei, David zu zerquetschen.
Dazu schien zu passen, dass „Wikileaks“ erst wenige Wochen zuvor den Zorn Goliaths auf sich gezogen hatte. Zehntausende amerikanische Dokumente zum Krieg in Afghanistan hatte die Enthüllungsplattform ins Netz gestellt. Dass sich Assange in Washington unbeliebt gemacht hatte, konnte nicht überraschen. Nur Beweise gab es für keine seiner Anschuldigungen.
Dann wurde es für viele Wochen ruhig, bevor plötzlich wieder die Fahndung nach Assange eröffnet wurde. In der Zwischenzeit hatte wieder die Staatsanwältin gewechselt, Marianne Ny von der Staatsanwaltschaft in Göteborg war nun zuständig, und sie erließ einen neuen Haftbefehl. Es geht um Belästigungsvorwürfe in zwei Fällen und dem Verdacht der Vergewaltigung „in einem minder schweren Fall“. Am Dienstag setzte Interpol Assange auf seine Fahndungsliste. (F.A.Z.)
Alles Ansichtssache! Man könnte es auch als "Feigheit vor dem Feind" bezeichnen!
Marko Ramius (Marko_Ramius)
- 07.12.2010, 15:17 Uhr
Oliver Margold - Steckt System dahinter
Peter Reisse (Buchfink)
- 07.12.2010, 15:24 Uhr
Es ist eine grobe Frechheit Dr. Sarrzin mit diesem Kriminellen zu vergleichen!
Marko Ramius (Marko_Ramius)
- 07.12.2010, 15:24 Uhr
Wir sind im falschen Film
Martin Schmitt (Ameisenschreck)
- 07.12.2010, 15:25 Uhr
Assange und Clinton
Julius Franzot (JFranzot)
- 07.12.2010, 15:26 Uhr