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Krieg im Jemen : Der Kampf an der zweiten Front

Bild: FAZ.NET

In der jemenitischen Küstenstadt Mukalla ringt der Gouverneur um Normalität – damit die Terrororganisation Al Qaida nicht zurückkehrt. Hilfe kommt aus Abu Dhabi. Doch westliche Diplomaten betrachten die mit Skepsis.

          Die Abschlussfeier gleicht einer Militärparade. Im Gleichschritt marschieren die Rekruten an der Ehrentribüne vorbei, während die Blaskapelle mit Dissonanzen ringt. Hier, auf einem staubigen, entlegenen Übungsplatz im Bergland nahe der südjemenitischen Küstenstadt Mukalla, wird der erste Lehrgang für eine neue Polizeitruppe gefeiert. Überall auf dem Areal sind schwerbewaffnete Posten aufgestellt worden, deren Blicke über die umliegenden Berge und die Schotterpisten streifen.

          Christoph  Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Es ist keine zwei Jahre her, da herrschten hier noch die Kämpfer von Al Qaida. Sie hatten die Stadt erobert, die Armee, deren Soldaten vor allem aus den fernen, nördlichen Provinzen des Jemens stammten, hatte sich in alle Winde zerstreut. Jetzt sind die einstigen dschihadistischen Herrscher vertrieben. Aber noch immer gibt es Schläferzellen, die jederzeit zuschlagen können.

          „Dies ist ein bedeutender Ort“, sagt der Gouverneur der Provinz, Faradsch Salemin al Bahssani, in seiner Ansprache. Er erinnert an eine bedeutende Schlacht gegen Al Qaida, die von hier geführt wurde: die Operation „Ende“. Dann macht er deutlich, dass eine weitere bedeutende Schlacht, die um Ruhe und Ordnung, noch lange nicht gewonnen ist. Er verspricht „Wandel für die Menschen“ – und er lässt kaum eine Gelegenheit aus, den Ehrengästen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu danken, die den Feierlichkeiten beiwohnen: Militärkommandeure, Offiziere des Innenministeriums, Aufbauhelfer sind gekommen, bewacht von Elitesoldaten, eskortiert von schweren gepanzerten Fahrzeugen. Es ist die Führung in Abu Dhabi, die die Polizeiausbildung im Jemen ins Werk setzt und der Truppe einen imposanten Fuhrpark zur Verfügung stellt; sie hat auch einigen Journalisten die Reise in das Kriegsland Jemen ermöglicht.

          Der weniger umstrittene Krieg

          Der Kampf gegen Al Qaida ist die zweite Front im Jemen-Krieg der Vereinigten Arabischen Emirate. Gemeinsam mit Saudi-Arabien führen sie hier einen Feldzug gegen die schiitischen Houthi-Rebellen. Aus ihrer Sicht ist dieser Kampf notwendig, um den schiitischen Erzfeind Iran zurückzudrängen, der die Houthi unterstützt. Es ist ein Abnutzungskrieg, der den bitterarmen Jemen weiter in den Abgrund reißt, die Menschen hungern lässt und eine schwere Cholera-Epidemie mit sich gebracht hat; ein Krieg, in dem Zivilisten durch Bomben der saudisch geführten Koalition getötet werden oder durch Mörsergranaten der Houthi.

          Und dann ist da der Kampf gegen die internationale Terrororganisation. Der andere Krieg, der weniger umstritten ist. Emiratische Militärs zeigen sich entschlossen, ihn bis zum Ende zu führen. Auch wenn der Krieg gegen die Houthi schon beendet sein sollte. „Wir werden weitermachen, bis Al Qaida zerschlagen ist. Wir bleiben, bis die Arbeit getan ist“, sagt ein ranghoher Kommandeur der Streitkräfte. In Gouverneur Bahssani haben die einen loyalen Partner. Er stammt aus der Armee, kämpfte im Bürgerkrieg von 1994 gegen den damaligen Machthaber Ali Abdullah Salih. Bahssani musste ins Exil, führte unter anderem in Saudi-Arabien eine Tankstelle.

          Jetzt trägt er abwechselnd Anzug und Uniform, je nachdem, ob er als Gouverneur der Provinz oder als Kommandeur des 2. Militärdistrikts auftritt. Auch kritische jemenitische Beobachter beschreiben ihn als löbliche Ausnahme. Als einen, der nicht korrupt sei, wie die anderen Politiker des Landes. „Das Volk und die Militärkoalition haben mich zurückgerufen“, erklärt Bahssani in seinem wie eine Festung gesicherten Amtssitz, der auf einem Berg hoch über Mukalla liegt.

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