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Alexander Nix im Gespräch : „Wir wollen die Persönlichkeit dechiffrieren“

Ganz nah dran am Wähler: Alexander Nix Bild: Getty

Mit Psychogrammen von Wählern will die Datenfirma „Cambridge Analytica“ den amerikanischen Wahlkampf beeinflusst haben. Ein Gespräch mit dem Chef Alexander Nix über die totale Vermessung des Wählers, Manipulation – und die Zukunft des Wahlkampfs.

           Herr Nix, kann ich bei Ihnen einen Wahlsieg kaufen?

          Ich würde das anders formulieren. In entwickelten Demokratien hat jede Partei das Recht, die beste Technologie zu nutzen, die sie sich leisten kann. Wir bieten sie an. Wir helfen dem Kandidaten, seine politischen Ziele auf fortschrittlichste Weise zu artikulieren. Wenn wir dieses Recht einschränken würden, wäre das ein Vergehen am demokratischen Prozess.

          Sollte alles, was technologisch möglich ist, auch in der Politik eingesetzt werden?

          Solange es legal ist, ja. Unsere Methodik ist ein großer Fortschritt, so wie es in den fünfziger Jahren das Fernsehen war, das ja Wahlkampagnen auch revolutioniert hat. Jede Ära hat ihre Technologien. Am Ende gewinnt allerdings nicht die bessere Methode die Wahl, sondern der bessere Kandidat. Einen schwachen Politiker können Sie selbst mit der ausgefeiltesten Technologie nicht zum Sieg bringen. Was Ihnen die Technologie erlaubt: Bei einem heißen Match sicherzustellen, dass jeder Wähler die Information bekommt, die er für eine aufgeklärte Entscheidung braucht.

          Sie tun so, als ob Sie dem Wähler lediglich Informationen verschaffen. Bei einer Wahlkampagne geht es um Beeinflussung, wohl kaum um Aufklärung.

          Eine Kampagne informiert Sie erst einmal, dass es ein Produkt oder einen Kandidaten gibt. Sie beabsichtigt allerdings auch, Ihre Haltung gegenüber einem Produkt zu verbessern. Das ist keine Propaganda, es sind Informationen, aufgrund derer Sie sich entscheiden, Ihren Hamburger bei der einen Kette oder der anderen zu kaufen. Dasselbe gilt für politische Kampagnen: Wir nutzen nicht Technologie, um Kommunikation zu diktieren, wir nutzen sie, um die Politik des Kandidaten zu artikulieren und zu verstärken.

          Eine solche Maschinerie eignet sich perfekt, um völlig einseitige oder sogar falsche Behauptungen zu verteilen und damit die Wähler wie nie zuvor zu beeinflussen.

          Ich verstehe Ihre Frage nicht. Natürlich kann jede Technologie missbraucht werden. Sie können Radio missbrauchen, Fernsehen, Flugblätter, jedes traditionelle Mittel des Wahlkampfs. Nicht der Revolver tötet, sondern die Hand, die den Abzug betätigt. Ob Sie einen Mord begehen wollen, ist allein Ihre Entscheidung.

          Sind Sie der Revolver – oder der Mörder?

          Sie müssen verstehen, wir machen das seit 25 Jahren. Jedes Jahr helfen wir Parteien und Kandidaten, Wahlen zu gewinnen. Sie können nur einmal Ihren Ruf verlieren. Den können Sie opfern für einen schnellen Sieg, aber das wäre sehr kurzsichtig. Wir müssen unseren Klienten einen ethisch sauberen und glaubwürdigen Service liefern.

          Kritiker werfen Ihnen vor, Sie würden maßlos übertreiben. Der Einfluss Ihrer Technologie sei nicht feststellbar. Was bringt Ihr Einsatz für das Wahlergebnis? Einen halben Prozentpunkt, drei Prozentpunkte?

          Das können Sie nicht messen. Hillary Clinton gab knapp 1,3 Milliarden Dollar für ihre Kampagne aus, sie hatte fast hundert Datenspezialisten in ihrem Team. Trump gab etwa die Hälfte aus. Die Frage ist doch, was passiert wäre, wenn Trump keine technologische Unterstützung eingesetzt hätte. Hätte er dann auch gewonnen? Ich weiß es nicht. Vielleicht haben wir auch nur für Waffengleichheit gesorgt und damit für einen fairen Wahlkampf.

           Wem helfen Sie derzeit? Wilders? Le Pen? Macron?

          Wir arbeiten derzeit für vier Kampagnen, in Asien, in Afrika und in Südamerika. In Europa sind wir nicht aktiv.

          Make Merkel great again – würde Sie das reizen?

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