19.01.2007 · Gerne präsentiert sich China Freunden und Feinden als eine im „friedlichen Aufstieg“ begriffene Großmacht. Der nicht angekündigte Raketentest im All torpediert diese Bemühungen und brüskiert die internationale Gemeinschaft. Petra Kolonko berichtet aus Peking.
Von Petra Kolonko, PekingChinas erster Test einer Anti-Satellitenrakete passt nicht ins Bild der derzeitigen Außenpolitik und torpediert die Bemühungen Chinas, sich Nachbarn, Freunden und Feinden als in einem „friedlichen Aufstieg“ begriffene Großmacht zu präsentieren. Überall spricht die chinesische Regierung von einer harmonischen Welt, empfiehlt sich als verantwortlicher Partner in internationalen Fragten. Hier nun brüskiert sie die internationale Gemeinschaft mit einem nicht angekündigten Raketentest im All.
Wenn China gerade jetzt, in einer Zeit, da Frieden und Harmonie großgeschrieben werden, einen Test unternimmt, so ist dies eine lange fällige Erinnerung daran, dass hinter der „weichen Macht“ der Diplomatie und des Handels, die Peking derzeit in den Vordergrund stellt, auch die harte Macht des Militärs steht. Die chinesischen Streitkräfte unternehmen seit Jahren ein ehrgeiziges Modernisierungsprogramm, die Armee wird umgestellt von Masse auf Qualität. Neue Ausrüstung wird gekauft und entwickelt.
Stolze Generäle
Chinas erfolgreiches Raumfahrtprogramm, das als nächstes den Mond zum Ziel hat, wird vom Militär betrieben, und die Generäle sind stolz auf die neuen Errungenschaften der Volksbefreiungsarmee. „China betrachtet seine Raumfahrtindustrie als strategischen Weg um seine Stärke in der Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und nationalen Verteidigung auszuweiten“, heißt es im gerade veröffentlichten Weißbuch zur chinesischen Landesverteidigung.
Schon lange kritisieren die Nachbarn, besonders aber Japan und die Vereinigten Staaten, dass Chinas Militär und seine Entwicklung nicht transparent genug ist, ein Vorwurf der durch den Raketentest bestärkt wird. Will China jetzt trotz gegenteiliger Versicherungen den Rüstungswettlauf im All wieder aufnehmen?
Misstrauen gegenüber Japan
Es kann verschiedene Gründe dafür geben, dass China gerade jetzt mit dem Raketentest Stärke und militärisch-technischen Fortschritt demonstrieren will. Zum einen zeigt man besonders in Richtung Japan Militärkraft. Die Beziehungen zu Japan sind gespannt. Tokio ist gerade dabei seine Verteidigungspolitik zu ändern, was in China mit großem Misstrauen aufgenommen wird. Außerdem sehen besonders die Militärs in China den Schulterschluss zwischen Japan und den Vereinigten Staaten in der Sicherheitspolitik mit wachsender Sorge.
In Richtung Washington demonstriert man mit dem Raketentest, dass man ein ernstzunehmender Konkurrent um politische und militärische Macht ist. Die empörte Reaktion in Washington auf den Test wird freilich viel guten Willen, der in letzter Zeit zwischen Washington in Peking mühsam aufgebaut wurde, wieder verderben. Einige Beobachter zweifeln daher, ob die Pekinger Diplomaten überhaupt in diese Entscheidungen einbezogen waren. Sie halten es auch für möglich, dass die Generäle die Politik vor vollendete Tatsachen gestellt haben.
Zynisch vom Westen!
Meut Hässler (Haesller)
- 19.01.2007, 18:21 Uhr
@ american patriot
Jean Harlsson (Jean_Harlsson)
- 19.01.2007, 20:40 Uhr