Die Militärjunta in Mali hat am Dienstag die gegen sie verhängten Sanktionen der westafrikanischen Staaten „zur Kenntnis genommen“. „Das vordringliche Problem in Mali ist aber nicht die Junta, sondern es sind die Rebellen im Norden“, sagte der Anführer der Putschisten, Hauptmann Amadou Sanogo.
Die Staats- und Regierungschefs der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) hatten am Montag ein „totales Embargo“ gegen Mali verhängt, nachdem am Sonntagabend ein Ultimatum, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, verstrichen war. Der malische Präsident Amadou Toumani Touré war am 22. März unter dem Vorwurf, nichts gegen den islamistischen Terror im Norden des Landes zu unternehmen, von der Armee gestürzt worden.
Angesichts der Rebellion im Norden Malis kündigte der ivorische Präsident Alassane Ouattara im Namen der Ecowas die Mobilmachung einer westafrikanischen Eingreiftruppe an. Ein Treffen der Generalstabschefs der Armeen der 15 in der Ecowas organisierten Staaten soll diese Woche in Abidjan stattfinden. Am Dienstag war eine Delegation der Junta in Nigeria eingetroffen. Nigeria ist der größte Truppensteller in Westafrika.
Vormals Verbündete bekämpfen sich
Die Staats- und Regierungschefs der Ecowas haben unter anderem die Schließung aller Grenzen nach Mali angeordnet, das Einfrieren von Auslandsguthaben beschlossen, Reiseverbote gegen einzelne Personen verhängt und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen verkündet. Diese Sanktionen sind geeignet, Mali wirtschaftlich schnell in die Knie zu zwingen. Das Binnenland ist für seine Versorgung auf die Häfen der Ecowas angewiesen und zudem Mitglied der Währungsunion des Franc CFA. Die westafrikanische Zentralbank in Dakar hat Weisung, jeden Geldtransfer von und nach Mali zu unterbinden. Die Börsenkurse der in Mali tätigen Goldförderer stürzten am Dienstag ab. Mali ist der drittgrößte Goldproduzent des Kontinents.
Derweil spitzte sich die Lage im Norden Malis weiter zu, wo seit Sonntag Tuareg-Rebellen sowie mehrerer islamische Gruppen die vollständige Kontrolle übernommen haben.
In Timbuktu haben nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Quellen die Islamisten von Ansar al Din (Verteidiger des Glaubens) die bislang mit ihnen verbündeten Tuareg-Rebellen der „Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad“ (MNLA) aus der Stadt vertrieben. Die Islamisten holten die Fahnen des MNLA ein und verbrannten sie. Der Bevölkerung sagten sie, dass sie nicht für die Unabhängigkeit von Azawad kämpfen, sondern ausschließlich für die Einführung der Scharia. In Kidal und Gao, zwei weiteren Städten im Norden, in denen die Islamisten inzwischen tonangebend sind, wurde das Tragen westlicher Kleidung ebenso verboten wie das Musikhören.
„Mister Marlboro„ sorgt für sein Schmuggelnetz
Inwieweit die MNLA noch die Rebellion der Tuareg kontrolliert, ist zurzeit nicht zu beantworten. Der Anführer von Ançar al Din, Iyad ag Ghaly, wurde am Montagabend in Timbuktu in Begleitung des Algeriers Mokhtar Belmokhtar gesehen, eines bekannten Mitglieds der Terrororganisation „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim). Belmokhtar wurde in seinem Heimatland zwei Mal zum Tode verurteilt. Er ist mit einer malischen Tuareg verheiratet und wird in Mali auch „Mister Marlboro“ genannt, weil er ein Schmuggelnetz unterhält, das etwa gestohlene Autos, Zigaretten und Waffen sowie Kokain mexikanischer und kolumbianische Kartelle verschiebt. Belmokhtar gilt als Drahtzieher vieler Entführungen von Ausländern in der Sahara. Zuletzt war er in Libyen beim Waffenkauf geortet worden. Die gewöhnlich gut unterrichtete mauretanische Nachrichtenagentur al Akhbar meldete, der Aqim-Führer, Yahya Abu al Hammam und einer der beiden Hauptverantwortlichen der Gruppe, Abdelhamid Abu Zaid, hätten sich ebenfalls in Timbuktu niedergelassen. Sie wurden bei einem Treffen mit örtlichen Imamen gesehen.
Nach Angaben des französischen Entwicklungshilfeministers de Raincourt gab es am Dienstag Hinweise auf Rebellenbewegungen in Richtung Mopti. Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Gao und Bamako. Bis zur Hauptstadt sind es von dort noch 600 Kilometer. In den vergangenen Tagen waren Menschen aus Angst vor den Islamisten aus Mopti geflohen, darunter alle Soldaten mit ihren Familien. Der Widerstand der malischen Armee ist inzwischen zusammengebrochen.
Sanktionen gegen Mali
Helmut Schareck (Afrika1653)
- 04.04.2012, 16:36 Uhr
Dann schlage ich vor..
Michael Posthoff (MisterMischa)
- 04.04.2012, 14:47 Uhr
Europa sollte sich gefasst machen
Martin Schmitt (Ameisenschreck)
- 03.04.2012, 21:41 Uhr
