Nun ist heraus, was schon lange kein Geheimnis mehr war: Auch Wesley Clark, hochdekorierter Vietnam-Veteran, pensionierter Vier-Sterne-General und einstiger Oberbefehlshaber der Nato, will ins Weiße Haus.
Seit Monaten war Clark als zehnter Kandidat der Demokraten für das Amt des Präsidenten genannt worden. Meinungsforschungsinstitute hatten bei Umfragen potentielle Wähler auch nach ihrer Ansicht über den General befragt, obwohl dieser noch gar nicht im Rennen war. Und siehe, Clark lag auf einem respektablen fünften Rang, zwar hinter Senatoren wie Joseph Lieberman (Connecticut) und John Kerry (Massachusetts), dem "Schlachtroß" der Demokraten im Repräsentantenhaus Dick Gephardt (Missouri) sowie dem neuen Leitstern Howard Dean, ehemals Gouverneur von Vermont.
Die Clintons als Antreiber
Aber er brachte es auf mehr Zustimmung als andere Mitbewerber zumal der Parteilinken, die sich seit Monaten im Vorwahlkampf abmühen. Damit ist Clark auf Anhieb der aussichtsreichste Bewerber aus einem Südstaat. Und das will etwas heißen, denn seit John F. Kennedy kamen alle Präsidenten der Demokraten aus dem Süden - zuletzt natürlich Bill Clinton.
Überhaupt die Clintons, der allzeit aktive Bill, im Hauptberuf derzeit Memoirenschreiber und nebenbei charismatisches Zugpferd bei so mancher sonst tristen Wahlkampfveranstaltung der Demokraten, sowie die energische „Jung-Senatorin" Hillary aus dem Staat New York: Sie sind die treibenden Kräfte hinter Clarks Kandidatur, haben den distinguierten General förmlich ins Rennen gedrängt und seinen Kampagnenstab mit allerlei bewährten Beratern aus der Präsidentenzeit von 1992 bis 2000 bestückt.
Wie Clinton ist der 58 Jahre alte Clark ein politisches Gewächs aus Arkansas. Wie Clinton war Clark ein hochbegabter Student. Er schloß 1966 als Jahrgangsbester die renommierte Militärakademie in West Point ab, ehe er als Rhodes-Stipendiat nach Oxford ging, um dort nach dem Studium der Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften einen Magister zu erwerben. Und wie Clinton steigt Clark verhältnismäßig spät in den Ausscheidungswahlkampf der Demokraten ein.
Chancen des "frischen Gesichts"
Vieles spricht dafür, daß es aber noch nicht zu spät ist. Eine Umfrage des Fernsehsenders CBS ergab jüngst, daß zwei Drittel der Amerikaner bisher noch keinen der potentiellen Herausforderer von Präsident George W. Bush auf Anhieb nennen können. Da könnten die Chancen des "frischen Gesichts" Clark sogar besonders gut sein, vor allem wegen seiner glänzenden militärischen Karriere.
Zwölf Präsidenten der Vereinigten Staaten kamen im Generalsrang ins Weiße Haus. Der letzte war Dwight D. Eisenhower, der 1952 für die Republikaner gewählt wurde. Clarks von Beginn an scharfe Kritik am "übereilten Krieg im Irak" und der - nach seiner Überzeugung - unilateralistischen Außenpolitik der Regierung Bush hat besonderes Gewicht, weil er über militärischen sowie sicherheits- und außenpolitischen Sachverstand verfügt.
Seit seinem Ausscheiden aus den Streitkräften nach 34 Jahren Dienst in Uniform kurz nach dem erfolgreich von ihm kommandierten Luftkrieg der Nato um das Kosovo von 1999 ist Clark als Buchautor, Militärexperte des Nachrichtensenders CNN und Berater von Privatfirmen hervorgetreten. Recht besehen, hat er mit seiner Kandidatur nichts zu verlieren. Denn sollte er sich bei den Vorwahlen der Demokraten im Frühjahr nicht durchsetzen können, wäre er für jeden Spitzenreiter die Idealbesetzung als "running mate" für den Posten des Vizepräsidenten.
