http://www.faz.net/-gpf-9fjv6

Jamal Khashoggi : Verdächtige sollen aus Umfeld des Kronprinzen kommen

  • Aktualisiert am

Der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman und seine Entourage bei einem Besuch in Boston im März. Bild: dpa

Laut eines Berichts könnten Vertraute des saudischen Kronprinzen für das Verschwinden des Journalisten Khashoggi verantwortlich sein. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo lobt derweil die Ermittlungen Saudi-Arabiens.

          Im Fall des verschwundenen arabischen Journalisten Jamal Khashoggi sollen Verdächtige einem Medienbericht zufolge dem Umfeld des saudischen Kronprinzen Muhammed Bin Salman angehören. So habe ein Verdächtiger namens Maher Abdulasis Mutreb den Kronprinzen in diesem Jahr bei Reisen in die Vereinigten Staaten, nach Spanien und Frankreich begleitet, berichtete die „New York Times“ am Dienstagabend. Möglicherweise handle es sich um einen Leibwächter.

          Drei andere Verdächtige würden ebenfalls dem Sicherheitsdienst des Kronprinzen zugerechnet, schreibt die „New York Times“. Bei einem weiteren Verdächtigen handle es sich um einen Gerichtsmediziner, der in Saudi-Arabien hohe Ämter bekleidet habe. Von den 15 Verdächtigen, welche die türkischen Behörden ausgemacht haben, hätten mindestens neun für saudische Sicherheitsdienste, die Armee oder Ministerien gearbeitet.

          Die „New York Times“ beruft sich bei ihren Angaben auf Software zur Gesichtserkennung, eine Datenbank mit saudischen Handy-Nummern, öffentliche saudische Regierungsdokumente, Zeugenaussagen und Medienberichte. Sollten sich die Angaben der „New York Times“ bewahrheiten, würde dies die Verteidigungslinie der saudischen Führung und des Kronprinzen schwächen und auch Amerika in eine schwierige Situation bringen.

          Der Kronprinz hat nach Worten von Präsident Donald Trump jede Kenntnis von den Vorgängen im Konsulat in Istanbul „absolut bestritten“. Medienberichten zufolge könnte Saudi-Arabien einen Bericht veröffentlichen, wonach Agenten auf eigene Faust versucht hätten, Khashoggi zu entführen, und ihn bei einem aus dem Ruder gelaufenen Verhör getötet hätten.

          Mit offensiver Krisendiplomatie versuchen die Vereinigten Staaten, Licht ins Dunkel zu bringen. Außenminister Mike Pompeo wird nach seinem Treffen mit König Salman in Riad in die Türkei weiterreisen. Präsident Donald Trump hatte ebenfalls mit Salman sowie dessen Sohn, Kronprinz Muhammad Bin Salman telefoniert. „Mein Urteil nach den Treffen ist, dass es ein ernsthaftes Bekenntnis gibt, alle Fakten zu finden und Verlässlichkeit zu garantieren, auch die Verlässlichkeit gegenüber ranghohen saudischen Führungsfiguren und Beamten“, heißt es in einem Statement Pompeos vom Dienstagabend.

          Türkische und saudische Ermittler hatten zuvor eine neunstündige Durchsuchung des saudischen Konsulats in Istanbul abgeschlossen und hatten auch das Privathaus des Konsuls durchsucht. Der Diplomat war türkischen Medien zufolge kurz zuvor nach Saudi-Arabien abgereist.

          Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15 Mann starken Spezialkommando getötet wurde. Die Behörden sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man schaue sich mögliche Spuren „giftiger Substanzen“ genauer an. Die seien überstrichen worden.

          G 7 fordern Aufklärung

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte sich in der Affäre für eine internationale Abstimmung stark. „Wir wollen wissen, was da geschehen ist“, erklärte er in Paris. „Wenn wir das wissen, werden wir daraus unsere Schlüsse ziehen.“ Er habe auch mit Pompeo in einem Telefonat über den Fall gesprochen.

          Auch die G-7-Außenminister eine „gründliche, glaubwürdige, transparente und zügige Untersuchung“ von Riad. Die Verantwortlichen für das Verschwinden Khashoggis müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

          Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, verschob nun eine geplante Nahost-Reise, die sie auch nach Saudi-Arabien führen sollte, wie ein IWF-Sprecher erklärte. Eine Begründung für die Verschiebung der Reise lieferte der IWF nicht.

          Khashoggi war am 2. Oktober in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seine türkische Verlobte wartete vor dem Gebäude über Stunden vergeblich darauf, dass der Journalist wieder herauskam. Khashoggi, der am 13. Oktober 60 Jahre geworden wäre, lebte seit mehr als einem Jahr im selbst gewählten Exil in Amerika und schrieb unter anderem für die Zeitung „Washington Post“ regierungskritische Artikel über Saudi-Arabien.

          Weitere Themen

          Ermordung politischer Gegner als Strategie?

          Fall Khashoggi : Ermordung politischer Gegner als Strategie?

          Vertraute von Muhammad bin Salman sollen schon vor einem Jahr über die Tötung iranischer Feinde gesprochen haben – als dieser zum saudischen Kronprinz ernannt wurde. Unterdessen wurden die letzten Worte von Khashoggi vor seiner Ermordung bekannt.

          Explosion in Kabul nahe einer Schule Video-Seite öffnen

          Afghanistan : Explosion in Kabul nahe einer Schule

          Bei einer Bombenexplosion in Kabul nahe einer Schule sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Angriffe der Taliban auf Armee und Polizei gegeben.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.