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Weltweite Empörung : Harsche Reaktionen auf Trumps „Drecksloch“-Kommentar

  • Aktualisiert am

Bei einer Veranstaltung zum 8. Jahrestag des Erdbebens auf Haiti in Miami, Florida, protestieren viele Teilnehmer gegen Donald Trump. Bild: AFP

Die Afrikanische Union verurteilt „rassistische und fremdenfeindliche Bemerkungen“ und fordert eine Entschuldigung Trumps. Auch aus den eigenen Reihen schlägt dem Präsidenten Entrüstung entgegen.

          Nach seiner Äußerung über „Drecksloch“-Staaten schlägt dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein Sturm der Entrüstung auch aus den eigenen Reihen entgegen. Der derzeit führende Republikaner hinter Trump, Paul Ryan, bezeichnete die Wortwahl Trumps als „unglücklich und nicht hilfreich“. Der republikanische Senator Lindsey Graham äußerte sich öffentlich nicht, erklärte aber, er habe Trump seinen Teil ins Gesicht gesagt.

          Auch aus dem Ausland gab es eine Welle der Entrüstung. Die Afrikanische Union mit 54 Mitgliedsstaaten hat den amerikanischen Präsident Donald Trump aufgefordert, sich für die Bezeichnung „Drecksloch-Länder“ zu entschuldigen und sie zu widerrufen. Sie seien „äußerst erschüttert über die empörenden, rassistischen und fremdenfeindlichen Bemerkungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten“, erklärten die Botschafter der afrikanischen Länder bei den Vereinten Nationen am Freitag nach einer Dringlichkeitssitzung in New York.

          Sie seien „besorgt über den anhaltenden und wachsenden Trend der amerikanischen Regierung gegenüber Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft, den Kontinent und Farbige zu verunglimpfen“. Man glaube, es gebe ein riesiges Fehlverständnis über den afrikanischen Kontinent und dessen Bevölkerung bei der derzeitigen amerikanischen Regierung.

          Ein Demonstrant hält die amerikanische Fahne bei Protesten gegen Donald Trump am 12. Januar 2018 in Florida.
          Ein Demonstrant hält die amerikanische Fahne bei Protesten gegen Donald Trump am 12. Januar 2018 in Florida. : Bild: AFP

          „Es ist besonders überraschend, da die Vereinigten Staaten noch immer ein weltweites Beispiel dafür sind, wie Migration eine Nation geschaffen hat, die auf starken Werten von Vielfalt und Chancen beruht“, sagte Ebba Kalondo, eine Sprecherin des Chefs der Kommission der Afrikanischen Union (AU). Die Regierung von Botsuana bestellte den amerikanischen Botschafter ein. Man wolle von dessen Regierung wissen, ob sie Botsuana für einen „Drecksloch-Staat“ halte, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums. Die südafrikanische Regierungspartei ANC, schrieb auf Twitter, es sei „beleidigend“, derartig abwertende Kommentare zu machen.

          Auch der Präsident von El Salvador, Salvador Sánchez Cerén, schrieb auf Twitter: „Die Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten treffen die Würde des salvadorianischen Volkes.“ Die Regierung von El Salvador sandte am Freitag einen offiziellen Protestbrief nach Washington.

          Besorgte Reaktionen der UN und aus Norwegen

          Das UN-Menschenrechtsbüro zeigte sich ebenfalls beunruhigt. „Wenn das so stimmt, sind dies schockierende und beschämende Äußerungen des amerikanischen Präsidenten“, sagte Rupert Colville, Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, in Genf. „Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als Dreckslöcher bezeichnen, deren Einwohner, die alle nicht weiß sind, deshalb nicht willkommen sind.“

          Aus Norwegen dagegen kamen sehr kühle Reaktionen auf den von Trump geäußerten Vorschlag, anstelle von Haitianern mehr Einwanderer aus Norwegen aufzunehmen. Jan Egeland, ehemaliger UN-Vizegeneralsekretär, erklärte am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, als Norweger habe er es genossen, in den Vereinigten Staaten zu studieren und zu arbeiten. „Das einzige, was mich an einer Einwanderung in die USA locken würde, ist ihre pulsierende multikulturelle Gesellschaft. Schaffen sie die nicht ab", erklärte Egeland, derzeit Chef des norwegischen Flüchtlingsrates.

          Laut mehreren amerikanischen Medien soll Trump bei einem Treffen mit Senatoren am Donnerstag gefragt haben, warum die Vereinigten Staaten so viele Menschen aus „Drecksloch-Staaten“ aufnehmen müssten. Es ging dabei um den Aufenthaltsstatus von Menschen aus Haiti, El Salvador und afrikanischen Staaten. Ein Sprecher des Weißen Hauses dementierte die Berichte zunächst nicht. Trump selbst schrieb auf Twitter, es seien harte Worte gefallen, aber nicht diese.

          „Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde“, schrieb Trump. Wenig später erklärte er, er habe nie etwas Abfälliges über Haitianer gesagt, außer dass Haiti ein „sehr armes und unruhiges Land“ sei.

          Dem widersprach der demokratische Senator Dick Durbin, der an der fraglichen Unterredung teilnahm. „Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre“, sagte er am Freitag. Präsident Trump habe „hasserfüllte, abscheuliche und rassistische Worte gewählt“, sagte der Senator. Er könne sich nicht erinnern, dass jemals ein Präsident der Vereinigten Staaten zu solch einer Art von Sprache gegriffen habe. Das Wort „Drecksloch“ („shithole“) sei mehrfach gefallen.

          Das Treffen mit Senatoren beider Parteien drehte sich um einen Kompromiss in der Einwanderungspolitik, der eine Lösung für das sogenannte Daca-Programm vorsieht. Dieses gibt hunderttausenden jungen Migranten einen temporären Schutzstatus. Trump hatte Anfang September vergangenen Jahres entschieden, die von seinem Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufene Initiative zu beenden. Allerdings räumte er dafür eine Frist von sechs Monaten ein.

          Der Republikaner Lindsey Graham und der Demokrat Durbin präsentierten den Entwurf am Donnerstag Trump und einer Reihe sehr konservativer Republikaner. Laut „Washington Post“ und „New York Times“ wurde der Präsident wütend, als Graham und Durbin ihren Vorschlag über die Visa-Lotterie umrissen.

          „Drecksloch-Länder“ : Senator bestätigt Vorwürfe gegen Trump

          Quelle: AFP/dpa/chrs.

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