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Weltjugendtag in Madrid Die Empörten sollen dem Papst weichen

03.08.2011 ·  In zwei Wochen feiert Madrid den katholischen Weltjugendtag, auch Papst Benedikt XVI. wird erwartet. Zunehmend werden die jugendlichen Demonstranten zu Störfaktoren - darum greift die Polizei nun härter durch.

Von Leo Wieland, Madrid
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Zwei Wochen vor dem katholischen Weltjugendtag mit einem Besuch Papst Benedikts XVI. in Madrid versucht die spanische Polizei durch Räumungsaktionen gegen die „Empörten“, allmählich die Kontrolle über die Hauptstadt zurückzugewinnen. Während am Cibeles-Platz vor dem neuen Rathaus ein monumentaler Altar für den Gast aus dem Vatikan gebaut und vor dem nahen Prado-Museum die Vorbereitungen für einen Kreuzweg getroffen werden, bemühen sich die Reste der „Bewegung 15. Mai“ gegen Barrieren und massive Einsätze der Sicherheitskräfte, neue „symbolische Orte“ des Widerstands zu besetzen.

Die sozialistische Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat mit der Kirche und der Madrider Stadtverwaltung ein logistisches Großunternehmen verabredet, um geschätzte 1,5 Millionen überwiegend jugendliche Besucher für nahezu eine Woche aufnehmen, beherbergen und verköstigen zu können. Die Bewegung „Wahre Demokratie jetzt“, die mit einem wilden Zeltlager über lange Wochen die Puerta del Sol blockiert hatte und daneben auf Boulevards und in Parks weitere „campamentos“ aus Kartons und Schlafsäcken errichtet hat, wird dabei immer mehr zu einem Störfaktor.

Erst nach Ferienbeginn schritt die Polizei ein

Mehr als zwei Monate hatten sowohl die Zentralregierung als auch der Madrider Bürgermeister die illegalen Aktivitäten der Gruppen geduldet, die eine Woche vor den spanischen Kommunalwahlen am 22. Mai als „basisdemokratische“ Debatte junger Leute über die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit begann, sich seitdem aber in eine Art Abenteuerspielplatz für „Stadtindianer“, „Autonome“ und Hausbesetzer verwandelt hat. Weil die Politiker aller Couleur vor jener Wahl jegliche Auseinandersetzung mit den Gruppen scheuten, die auf dem Höhepunkt mehr als 20 000 Anhänger auf der Puerta del Sol versammelten, wurde die „Besetzung“ zentraler Plätze zu einem reklamierten Gewohnheitsrecht, Empörte wuschen sich in Brunnen.

Erst nachdem wegen des Ferienbeginns die Zahl der Aktivisten auf einen harten Kern von nur noch wenigen hundert geschrumpft war, traute sich die Madrider Polizei nach einem ersten missglückten Versuch in der vorigen Woche jetzt sowohl ein verbliebenes Lager inmitten eines Grünstreifens vor dem Prado zu räumen, als auch den letzten „Informationsstand“ der Empörten auf der Puerta del Sol abzureißen.

Katz-und-Maus-Spiel mitten in Madrid

Sogleich gelang es den Betroffenen aber, aus verschiedenen besetzten Häusern Madrids, welche die Behörden in einem Beschwichtigungsversuch den Empörten stillschweigend überlassen hatten, mehrere tausend Demonstranten zu mobilisieren. Sie versuchten am Dienstag, die Puerta del Sol „zurückzuerobern“, stießen aber auf solide Polizeiabwehr.

Abermals litten die Geschäfte der Anrainer, die schon Millionen Euro während der Belagerung des Platzes verloren hatten, unter den Durchgangsverboten. Auch der Metroverkehrsknotenpunkt musste für mehrere Stunden geschlossen werden. Derweil wichen die Demonstranten in einem nächtlichen Katz-und-Maus-Spiel in Seitenstraßen aus und errichteten dann ein neues Lager auf der Plaza Mayor, einer der Hauptattraktionen Madrids für in- und ausländische Touristen.

Polizei trifft auch auf Vagabunden und Bettler

Auch dort erschien schließlich am Mittwochvormittag eine Räumungsbrigade der Polizei, die, wie zuvor andernorts, von Einheiten der Stadtreinigung begleitet wurde. Sie musste aus der Vielzahl improvisierter Unterkünfte inzwischen Dutzende Tonnen Müll, Fäkalien und andere Hinterlassenschaften der Empörten einsammeln. Die Polizei traf bei ihren, von Stößen und Spucken abgesehen, überwiegend gewaltlosen Einsätzen nicht nur auf „Originalempörte“, die seit dem 15. Mai im Einsatz zu sein vorgaben, sondern auch auf infiltrierte Vagabunden und Bettler, die das milde Madrider Sommerklima in neuer Gesellschaft nutzten.

Dem sporadischen Verkehrschaos, den Hygieneproblemen und der Gesetzlosigkeit soll nun mit Blick auf den Papstbesuch ein Riegel vorgeschoben werden. Doch nicht nur in Madrid, auch in anderen spanischen Provinzstädten, kam es inzwischen schon wieder zu Solidaritätskundgebungen. In Barcelona blockierten Empörte mit fingierten Beschwerden die Notaufnahme eines Spitals. In der Hauptstadt wurde über Facebook und Twitter für die Nacht zum Donnerstag zu einen „neuen Sturm auf Sol“ aufgerufen.

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Jahrgang 1950, politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel, Marokko und Tunesien mit Sitz in Madrid.

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