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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Weltfrauentag Amnesty: Der Krieg gegen die Taliban hat sich gelohnt

 ·  Die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Monika Lüke, kritisiert in der F.A.Z. die deutsche Afghanistan-Strategie, in der Frauen nicht vorkämen. Der Krieg gegen die Taliban habe sich „gelohnt“, sagt Lüke, wenn jetzt mit ihnen verhandelt werde, dürfe dies nicht „auf Kosten der Menschen- und Frauenrechte gehen.“

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Am Weltfrauentag kritisiert die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Monika Lüke, die Bundesregierung. Es sei sehr bedauerlich und ein Fehler, dass Frauen in der deutschen Afghanistan-Strategie nicht vorkommen. Mit ihr sprach Reinhard Müller.

Muss die Bundeswehr so lange in Afghanistan bleiben, bis die Rechte der dortigen Frauen nach deutschem Standard gesichert sind?

Es ist nicht an Amnesty International zu beurteilen, ob und wie lange die Bundeswehr in Afghanistan bleibt. Auf jeden Fall muss die Entwicklungszusammenarbeit solange gehen, bis die afghanische Regierung das macht, wozu sie sich international verpflichtet hat und dazu gehört die Einhaltung der Menschenrechte.. Knapp 90 Prozent aller Frauen dort berichten über Gewalterfahrung. Frauen müssen im Kabinett vertreten sein und im Parlament mitbestimmen können. Frauen, die sich für Menschenrechte einsetzen,. müssen geschützt werden. Und Frauen dürfen nicht mehr tagtäglich bedroht werden.

Sollen also deutsche Soldaten für eine Frauenquote in Afghanistan kämpfen?

Es gibt schon eine Frauenquote: Demnach müssen 25 Prozent der Abgeordneten Frauen sein; derzeit sind es 27 Prozent. Es sind auch mehr als 20 Prozent Frauen im öffentlichen Dienst. Aber der Eindruck täuscht. In der Justiz sind es unter 5 Prozent und bei der Polizei sogar nur 0,4 Prozent. Deshalb werden Frauen auch nicht von der Polizei geschützt. 80 Prozent aller Rechtstreitigkeiten werden vor traditionellen Gerichten, d.h. ohne Einbeziehung der Frauen, geführt.

Was soll die Erhöhung des Frauenanteils bringen, wenn Frauen traditionell nicht als Ordnungshüter akzeptiert werden?

Dadurch würden Frauen mehr Schutz erhalten - und sich trauen, ihre Rechte einzufordern. Hier ist auch die internationale Gemeinschaft gefragt. Es ist sehr bedauerlich, dass Frauen in der Afghanistan-Strategie d er Bundesregierung praktisch überhaupt nicht vorkommen. Das ist ein Fehler.

Müssen wir für die Durchsetzung von Frauenrechten wirklich Krieg führen?

Die Bundeswehr soll helfen, die Sicherheit wiederherzustellen , also auch die Recht der Frauen. Freilich sind auch die meisten Zivilisten dieses Krieges Frauen.

Wie sollen dieses Rechte gewährleistete werden, wenn die Nato eines Tages abgezogen sein wird?

Dann bleibt die internationale zivile Zusammenarbeit. die internationale Gemeinschaft und die afghanische Regierung werden auf unabsehbare Zeit weiter zusammenarbeiten müssen.

Wollen das die afghanischen Frauen überhaupt?

Es ist sicher nicht der richtige Weg, einzig und allein unser Verständnis von Menschenrechten zugrunde zu legen. Hier gibt es unterschiedliche Nuancen. Aber: 70 bis 80 Prozent aller Ehen in Afghanistan sind Zwangsehen; in knapp 60 Prozent der Fällen werden Mädchen unter 16 Jahren verheiratet. Über arrangierte Ehen kann man reden, aber Zwangsehen widersprechen den Menschenrechten und auch der afghanischen Verfassung.

Hat sich dieser Krieg also für die afghanischen Frauen schon gelohnt?

Der Kampf gegen die Taliban hat sich gelohnt. Sie wurden aus der Macht verjagt. Wenn jetzt wieder mit den Taliban verhandelt wird, darf das keinesfalls auf Kosten der Menschen- und Frauenrechte gehen. Diese Gefahr besteht.Außerdem werden weiterhin viel zu viele Frauen Opfer des Krieges. Das kann so nicht weiter gehen.

Die Gespräch mit Monika Lüke führte Reinhard Müller.

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