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Weitere „Wikileaks“-Veröffentlichung? Der nächste Schwall durchs Leck

 ·  Washington warnt die diplomatischen Vertretungen befreundeter Staaten, dass demnächst auch vertrauliche Informationen aus dem Außenministerium von den Betreibern der Website „Wikileaks“ veröffentlicht werden dürften. Woher stammen die geheimen Dokumente?

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Der Heeres-Obergefreite Bradley Manning wurde im Mai auf dem amerikanischen Stützpunkt Camp Arifjan in Kuweit festgenommen. Im Juli wurde er ins Militärgefängnis des Marinekorps in Quantico im Bundesstaat Virginia überstellt. Dort wartet der 23 Jahre alte Soldat auf seinen Prozess vor einem Militärgericht wegen Geheimnisverrats. Ihm drohen bis zu 52 Jahre Haft. Manning soll dem Journalisten Adrian Lamo ein als geheim klassifiziertes Video zugespielt haben, auf dem mehrere Angriffe amerikanischer Militärhubschrauber vom 27. Juli 2007 in Bagdad zu sehen waren.

Bei den Angriffen mit Raketen wurden mehrere Kinder verletzt, außerdem zwei Männer getötet, die später als Angestellte der Nachrichtenagentur Reuters identifiziert wurden. Was die Besatzung des Hubschraubers offenbar als Waffen identifiziert hatte, waren Foto- und Filmkameras. Lamo informierte die Behörden über Manning, weil er den gesetzwidrigen Geheimnisverrat, der das Leben amerikanischen Soldaten gefährden könnte, nicht decken wollte.

Hunderttausende geheime Dokumente weitergeleitet?

Manning soll sich Lamo gegenüber auch damit gebrüstet haben, Hunderttausende geheimer Dokumente an die Betreiber der Website „Wikileaks“ weitergeleitet zu haben. „Wikileaks“ will aus verständlichen Gründen nicht sagen, ob die in zwei Schüben von Zehntausenden Dokumenten veröffentlichten klassifizierten Informationen des Pentagons zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak tatsächlich von Manning stammen.

Im Juli waren von „Wikileaks“ 75.000 Geheimpapiere über den Krieg in Afghanistan zugänglich gemacht worden. Im Oktober kamen dann aus internen Feldprotokollen der amerikanischen Streitkräfte während des Irakkrieges mehr als 400.000 Dokumente ans Licht.

„Diese Enthüllungen schaden den Vereinigten Staaten“

Mannings Festnahme hat das Problem für die Regierung nicht gelöst. Am Wochenende warnte das State Department in Washington den Kongress sowie die diplomatischen Vertretungen befreundeter Staaten, dass auch vertrauliche Informationen aus dem Außenministerium demnächst von „Wikileaks“ veröffentlicht werden dürften.

Die Veröffentlichung werde wahrscheinlich zu Spannungen „zwischen unseren Diplomaten und unseren Freunden in der ganzen Welt führen“, sagte Außenamtssprecher P. J. Cowley: „Diese Enthüllungen schaden den Vereinigten Staaten und unseren Interessen.“

Aus dem Pentagon hieß es, es könnten auch Informationen über militärische Taktik oder die Identität von Informanten enthalten sein. Ein Großteil der Dokumente bezieht sich nach Informationen amerikanischer Medien auf Europa, es soll aber auch um die amerikanischen Beziehungen zu Ländern in Asien und im Mittleren Osten gehen.

Neben Berichten über Treffen zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und anderer Staaten könnten auch vertrauliche Einschätzungen über ausländische Politiker veröffentlicht werden sowie Informationen darüber, wie amerikanische Diplomaten ausländische Regierungsvertreter unter Druck setzen, etwa um diese zur Aufnahme von Gefangenen aus Guantánamo zu überreden.

In einer Langzeituntersuchung über die amerikanischen Geheim- und Aufklärungsdienste, deren Ergebnisse im Juli veröffentlicht wurden, kam die Zeitung „Washington Post“ zu dem Ergebnis, dass insgesamt 854.000 Personen Zugang zu als „streng geheim“ (top secret) eingestuften Dokumenten haben - nicht nur in Ministerien und Verwaltungen, sondern auch bei Privatunternehmen, die im Auftrag der Regierung tätig sind.

Zu den Personen mit dieser Vertraulichkeitseinstufung gehören die gut 20.0000 Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes CIA, dazu 80.000 Offiziere der militärischen Abwehr und Aufklärung, aber auch alle gut 224.000 aktiven Offiziere der Streitkräfte sowie die 26.000 Mitarbeiter des Pentagons und die 20.000 Beamten des State Departments.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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