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Wegen Atomprogramm Powell für Sanktionen gegen Iran

02.09.2004 ·  Der amerikanische Außenminister Colin Powell hält das iranische Atomprogramm für eine wachsende Bedrohung und verlangt UN-Sanktionen gegen Teheran. Iran bereite die Produktion von waffenfähigem Uran vor.

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Der amerikanische Außenminister Powell hat UN-Sanktionen gegen Iran gefordert. Er kündigte an, Washington werde sich auf der nächsten Sitzung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) dafür einsetzen, daß der Fall des iranischen Atomprogramms an den UN-Sicherheitsrat überwiesen wird.

Dieser solle wirtschaftliche, politische oder diplomatische Sanktionen gegen das Land verhängen. Powell sagte, er werde mit Deutschland, Großbritannien, Frankreich und anderen Mitgliedern des Gouverneursrates reden. Die drei Europäer, die im Atomstreit einen Ausgleich mit Iran suchen, hatten Sanktionen bisher abgelehnt.

Vorprodukte für die Urananreicherung

Die amerikanische Regierung zeigte sich besorgt über den jüngsten vertraulichen Iran-Bericht der IAEA, über den auf der nächsten Sitzung des Gouverneursrates, die am 13. September in Wien beginnt, beraten werden soll. In dem Bericht, der dieser Zeitung vorliegt, heißt es, Iran habe die IAEA darüber informiert, daß in dem Land bei einem Test 30 bis 35 Kilogramm Uranfluorid hergestellt worden seien; für August/September sei ein weiterer Test geplant, bei dem 37 Tonnen "yellowcake" hergestellt werden soll.

Beiden Materialien sind Vorprodukte für die Urananreicherung. Mit angereichertem Uran kann Brennstoff für Kernkraftwerke, aber auch Sprengstoff für Atomwaffen hergestellt werden. Der für Abrüstungsfragen zuständige Staatssekretär Bolton im amerikanischen Außenministerium sagte, man sehe dies mit "großer Besorgnis". Ein ungenannter hoher amerikanischer Regierungsbeamter wurde mit den Worten zitiert, Iran bereite sich darauf vor, 100 Kilogramm angereicherten Urans herzustellen, was für vier Atombomben ausreichen würde.

Neue Erkenntnisse

Den Europäern hatte Iran versprochen, sämtliche Aktivitäten zur Urananreicherung vorerst auszusetzen. Dem Vernehmen nach interpretiert Teheran die beiden Tests als vereinbar mit den Buchstaben der Übereinkunft. Die Europäer haben dagegen Zweifel, ob das iranische Vorgehen auch dem Geist des Abkommens entspricht.

Im Bericht der IAEA heißt es, die Behörde habe Fortschritte bei ihrem Versuch gemacht, herauszufinden, woher Spuren angereicherten Urans stammen, die an Anreicherungs-Zentrifugen in Iran gefunden worden waren. Es "erscheine plausibel", daß Verunreinigungen in Natanz und der "Kalaye Electric Company" nicht von Anreicherungen an diesen Orten stammten. Die Fund hatte zu dem Verdacht geführt, Iran habe heimlich Uran angereichert.

Das Land hatte jedoch stets angegeben, die Verunreinigung der (importierten) Geräte sei im Ausland erfolgt. Auch über iranische Versuche mit Zentrifugen der Typen P-1 und P-2, deren genaue Umstände ebenfalls lange unklar war, habe man ein "besseres Verständnis" gewonnen. Weitere Untersuchungen würden künftig im Rahmen von Routineinspektionen vorgenommen.

Quelle: nbu., Frankfurter Allgemeine Zeitung
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