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Wahl in Kanada : Die Zähmung des Wilden Westens

  • -Aktualisiert am

Auf nach Alberta: Ein Cowboy aus Nevada ringt einen Stier auf der „Calgary Stampede“ nieder. Bild: Reuters

In Kanada herrscht vor der Parlamentswahl Wechselstimmung. Das ist nirgends so klar wie in Alberta: Im Zentrum der boomenden Ölwirtschaft haben heute Linke das Sagen.

          Viele von denen, die zu Hunderten ins Kongresszentrum von Edmonton strömen, haben nie zuvor eine Wahlkundgebung erlebt. Bisher flogen alle Möchtegern-Ministerpräsidenten über die Provinz Alberta und ihre Hauptstadt hinweg, wenn sie aus der dichter besiedelten Osthälfte Kanadas nach Vancouver am Pazifik reisten. Für die Liberalen und die Neuen Demokraten lohnte es sich nicht, im Zentrum des Ölsandbooms um Stimmen zu werben. Und die Konservativen machten einen Bogen um die Provinz, weil sie sie sicher hatten. Als Stephen Harper vor vier Jahren zur Wiederwahl stand, ließ er sich erstmals am Wahltag in seinen eigenen Wahlkreis nach Calgary fliegen. Am Abend feierte er in Albertas Wirtschaftsmonopole seinen dritten Sieg seit 2006.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Diesmal ist alles anders. Vor der Parlamentswahl am 19. Oktober geben sich die drei Spitzenkandidaten in Alberta die Klinke in die Hand. Harper hat in Calgary üppige Investitionen des Bundes angekündigt. Der junge Liberalen-Anführer Justin Trudeau, den die Demoskopen mittlerweile vorne sehen, empfahl sich auf einer „Kundgebung für echten Wandel“ in Edmonton als Garant eines Neuanfangs, auch wenn er der Sohn eines früheren Ministerpräsidenten ist. Nur einen Tag später präsentiert sich Thomas Mulcair auf seiner „Kundgebung für Wandel“ als Reformer. Mulcair ist der erste Anführer der Neuen Demokratischen Partei (NDP), der sich gewisse Chancen auf den Posten des Regierungschefs ausrechnen kann. Auf den Schildern, die er im Publikum verteilen ließ, prangt der Name des Amtsinhabers größer als sein eigener: „HARPER durch Tom Mulcair ersetzen!“ In Kanada herrscht Wechselstimmung. Das ist nirgends so klar wie in Alberta.

          Erdverbunden: Stephen Harper.

          Ausgerechnet hier stieß die NDP bei der Provinzwahl im Mai die Rechten vom Thron. Politische Umstürze hatten sich in Alberta bis dahin darauf beschränkt, dass die Konservativen ihren Parteinamen änderten. Plötzlich haben in der Herzkammer von Kanadas Ölwirtschaft Politiker das Sagen, in deren Partei manche Kollegen eine einfache Lösung für die Umweltprobleme mit der Ölsandförderung propagieren: Alles abschalten! Das ist natürlich auch unter der neuen Ministerpräsidentin Rachel Notley nicht Regierungslinie in Alberta. Schließlich hat die Provinz die drittgrößten nachgewiesenen Ölreserven der Welt nach Venezuela und Saudi-Arabien: 166 Milliarden Barrel. Rund 150 Milliarden Euro wurden in diesem Jahrhundert schon investiert, um das Bitumen aus der Erde zu holen. Weil das Material durch Hitze verflüssigt werden muss, bevor es sich hochpumpen lässt, wird bei der Produktion laut dem „Pembina Institute“ im Vergleich zur konventionellen Ölförderung die drei- bis viereinhalbfache Menge Kohlendioxid freigesetzt. Derzeit werden täglich 2,7 Millionen Barrel gefördert, aber das soll nur der Anfang sein. 2014 waren nach Regierungsangaben mehr als 130 000 Bürger Albertas im Öl- und Gassektor beschäftigt. Hunderttausende weitere Jobs hängen vom Wohlergehen der Branche ab.

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