22.01.2010 · Die Vereinigten Staaten von Amerika entsenden weitere 7000 Soldaten nach Haiti - und müssen sich für ihre Hilfe von Hugo Chávez und Evo Morales als Besatzungsmacht verleumden lassen.
Von Matthias Rüb, WashingtonFür den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez war die Sache klar, noch ehe der erste amerikanische Soldat seinen Fuß auf den vom Erdbeben verheerten Boden Haitis gesetzt hatte: „Das Imperium benutzt die Leichen und die Tränen des haitianischen Volkes als Vorwand, um das Land zu besetzen“, wetterte Chávez. „Sie haben mit dem Flugplatz begonnen, und wer heute den zerstörten Präsidentenpalast betreten will, dem stellen sich die ,Marines' in den Weg.“ Der bolivianische Präsident Evo Morales schloss sich der Kritik seines Mentors Chávez an und prangerte ebenfalls die „militärische Besetzung Haitis“ durch die Vereinigten Staaten an. Die Soldaten seien ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates in den Karibik-Staat gekommen.
Dieser letzte Befund ist zutreffend: Völkerrechtliche Grundlage des Einsatzes der amerikanischen Streitkräfte in Haiti ist das bilaterale Memorandum, das Außenministerin Hillary Clinton und der haitianische Präsident René Préval am 16. Januar auf dem Flughafen von Port-au-Prince unterzeichneten. Es regelt, dass die amerikanische Luftwaffe bis auf weiteres die Kontrolle über den Flughafen der Hauptstadt übernimmt und dass Washington Haiti zudem bei dem Bemühen um Bewahrung und Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit unterstützt - ebenfalls bis auf weiteres.
Nachdem Washington am Donnerstag zunächst weiteren 4000 Marineinfanteristen, dann noch einmal zusätzlich 3000 Soldaten den Marschbefehl nach Haiti erteilt hat, wird die Gesamtstärke der amerikanischen Truppen dann 20.000 Mann betragen. Die zuletzt nach Haiti entsandten Truppen hätten ursprünglich bald nach Afghanistan aufbrechen sollen, würden jetzt aber nach den Worten des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, Admiral Michael Mullen, wegen „dringenden Bedarfs“ nach Haiti gehen.
Die haitianische Polizei ist in dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet kaum in der Lage, selbst die Sicherheit zu gewährleisten, zumal zahlreiche Polizisten durch das Beben getötet wurden und viele Polizeistationen einstürzten. Auch hatte sie bereits vor dem Beben lediglich 9000 Beamte - bei einer Einwohnerzahl von etwa zehn Millionen Menschen.
Von den bald 20.000 nach Haiti entsandten amerikanischen Soldaten wird aber allenfalls die Hälfte auf dem Festland selbst im Einsatz sein. Die anderen sind auf dem Flugzeugträger „USS Carl Vinson“ und dessen Begleitschiffen sowie auf dem Lazarettschiff „USS Comfort“. In den Straßen von Port-au-Prince sieht man deshalb nur wenige amerikanische Militärfahrzeuge - und die für den Einsatz im Irak oder auch in Afghanistan sandfarben lackierten ungepanzerten Humvee-Jeeps haben für das tropische Grün der Karibik nicht die passende Tarnfarbe.
Auch tragen die Heeres-Soldaten und Marineinfanteristen in Haiti keinen Helm, ihre Sturmgewehre sind nicht geladen. Sichtbares Ziel der amerikanischen Streitkräfte ist es, gerade nicht als Besatzungsmacht, sondern als humanitäre Hilfstruppe in Kampfuniform wahrgenommen zu werden. Besonders wichtig sind für die amerikanischen Truppen dabei die selbst aus Haiti stammenden Soldaten in ihren Reihen, die der kreolischen Landessprache mächtig sind und als Übersetzer zwischen der einheimischen Bevölkerung und den amerikanischen Truppen fungieren.
Verrückte !
Markus Teuber (arathorn)
- 22.01.2010, 12:39 Uhr
US Soldaten in der Karibik
Sven von Stetten (lasserlasser1850)
- 22.01.2010, 12:39 Uhr
Dass dieser Einsatz der USA eindeutig humanitär ist,
Stefan Vieregg (Kuselianer)
- 22.01.2010, 12:44 Uhr
Ich denke, es ist kein Fehler ...
Gerhard Schraube (GehherGerd)
- 22.01.2010, 13:30 Uhr
Die Experten
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 22.01.2010, 14:06 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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