29.08.2010 · Anhänger der konservativen „Tea-Party-Bewegung“ haben am Samstag gegen den Zerfall nationaler Werte und für die Stärkung des Gottesglaubens in Amerika demonstriert. Dazu aufgerufen hatte neben anderen die ehemalige Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin.
Zwei Monate vor den Kongresswahlen in Amerika haben sich in Washington zehntausende Demonstranten vor dem Lincoln Memorial in Washington versammelt, um gegen angeblichen Zerfall nationaler und religiöser Werte und gegen das politische Establishment zu protestieren. „Wir müssen Amerika wiederherstellen, wir müssen die Ehre Amerikas wiederherstellen“, rief Sarah Palin, die ehemalige Vize-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner.
Zwar war die Veranstaltung nicht ausdrücklich gegen Präsident Barack Obama gerichtet - doch die konservative Stoßrichtung gegen die Regierung war unverkennbar. „Amerika beginnt heute, sich wieder zu Gott zu wenden“, rief der Organisator der Veranstaltung und Moderator des TV-Senders Fox News, Glenn Beck. Er sprach von mehreren hunderttausend Teilnehmern. Die Veranstaltung galt nach Ansicht von Kommentatoren auch als Gradmesser für die Stärke der „Tea-Party-Bewegung“, die seit über einem Jahr gegen die Regierung zu Felde zieht: Als Galions-Figur der Bewegung gilt Sarah Palin.
Die Konservativen versammelten sich an einem historischen Ort
Zahlreiche Mitglieder der Bewegung bemühen sich derzeit um eine Kandidatur bei den Kongresswahlen am 2. November, bei der die parlamentarische Mehrheit Obamas auf dem Spiel stehen könnte. Zugleich brach eine erbitterte Kontroverse über den Ort der Veranstaltung am Samstag aus. Die Konservativen versammelten sich an der Gedenkstätte für Abraham Lincoln, des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten - und damit ausgerechnet an dem Ort, wo vor genau 47 Jahren der später ermordete schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte „I have a dream“-Rede über eine Gesellschaft ohne Rassenschranken hielt.
Bürgerrechtler monierten die Wahl des symbolträchtigen Ortes im Herzen Washingtons, teilweise war von einer Provokation die Rede. Allerdings sprach auch Alveda King, eine Nichte des Bürgerrechtlers, vor dem Denkmal Lincolns. Sie sagte, die derzeit schlechte Wirtschaftslage „reflektiert die moralische Armut Amerikas.“ Beck selbst meinte, es handele sich in Wahrheit gar nicht um eine politische Veranstaltung. Das Motto der Demo heiße „Restoring Honor“ (Die Ehre wiederherstellen) und es gehe darum, die amerikanischen Truppen zu unterstützen sowie die traditionellen „amerikanischen Werte“ und den Gottesglauben wieder zur Geltung zu bringen.