http://www.faz.net/-gpf-749jn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 09.11.2012, 22:58 Uhr

Washington CIA-Chef Petraeus tritt zurück

Der Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, David Petraeus, hat seinen Rücktritt eingereicht. Als Grund gab er eine außereheliche Affäre an.

© dpa David Petraeus

Der hoch dekorierte einstige General David Petraeus ist nach nur einem Jahr als Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA zurückgetreten. Als Grund nannte der 60-Jährige eine außereheliche Affäre. Präsident Barack Obama würdigte in einer Erklärung die langjährigen Verdienste von Petraeus und bestätigte den Rücktritt. Der frühere Oberbefehlshaber im Irak und in Afghanistan teilte in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit, er habe um seine Demission gebeten. Der CIA war zuletzt im Zusammenhang mit der Ermordung des amerikanischen Botschafters in Libyen eine falsche Informationspolitik vorgeworfen worden.

Obama ging in seiner Erklärung nicht auf die Gründe für den Rücktritt ein. Experten werteten das Ausscheiden von Petraeus so kurz nach Obamas Wiederwahl als einen schweren Schlag für den Präsidenten. Petraeus war auch als Kandidat für ein Ministeramt in der neuen Regierung gehandelt worden. Als kommissarischer Nachfolger bei der CIA wurde Petraeus bisheriger Stellvertreter Michael Morell benannt.

„Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine außereheliche Beziehung unterhielt“, schrieb der General an seine Mitarbeiter. „Ein solches Verhalten ist nicht zu rechtfertigen, weder als Ehemann noch als der Leiter einer Organisation wie unserer.“

Petraeus gilt als Amerikas berühmtester lebender General. Er hatte im Irakkrieg die 101. Luftlandedivision nach Bagdad geführt und die Truppen im Irak befehligt. Später übernahm er das Oberkommando in Afghanistan. Seine Ernennung zum CIA-Chef im September 2011 wurde auch von den Republikanern unterstützt.

„Petraeus hat unser Land sicherer gemacht“

„David Petraeus hat den USA über Jahrzehnten außerordentliche Dienste geleistet“, hieß es in Obamas Erklärung. Petraeus habe den Streitkräften geholfen, sich neuen Herausforderungen anzupassen, die Männer und Frauen in Uniform durch die Kriege im Irak und in Afghanistan geführt und dazu beigetragen, beide Einsätze „auf den Weg zu einem verantwortungsvollen Ende“ zu führen.

Bei der CIA habe Petraeus dann weiter mit „charakteristischer intellektueller Präzision, mit Hingabe und Patriotismus“ gedient, fuhr Obama fort. „David Petraeus hat unser Land sicherer gemacht.“ Petraeus sollte in der kommenden Woche vor einem Kongressausschuss über die Vorkommnisse in Bengasi aussagen. Nach dem Anschlag auf das Konsulat am 11. September in der libyschen Stadt hatte die CIA Präsident Obama angeblich unzutreffend über die Hintergründe des Attentats informiert.

Der Anschlag, bei dem der amerikanische Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden waren, war später zum Wahlkampfthema geworden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney warf Obama Fehleinschätzung und Irreführung im Fall Bengasi vor.

Nach dem Anschlag hatte die CIA Obama tagelang versichert, die Attacke sei aus einer spontanen Protestaktion erwachsen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich aber um einen geplanten Terroranschlag von islamischen Extremisten am Jahrestag der Anschläge gegen die Vereinigten Staaten vom 11. September 2001. CIA-Kreise hatten sich damit gerechtfertigt, dass ihre Angaben zum damaligen Zeitpunkt dem Kenntnisstand entsprachen.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA, AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Obama-Hysterie in Hannover Barack, ich will ein Bild mit Dir!

Der amerikanische Präsident beehrt die Hannover Messe. Der deutsche Maschinenbau ist schon ganz kirre.Was sind die Voraussetzungen für einen Besuch des Stargastes am eigenen Stand? Mehr Von Sharon Exeler und Georg Meck

24.04.2016, 10:24 Uhr | Wirtschaft
Washington Obama bei Pressedinner zu Scherzen aufgelegt

Der amerikanische Präsident Barack Obama war bei einem Pressedinner bestens gelaunt. Unter anderem scherzte über seinen Besuch bei Prince George. Mehr

01.05.2016, 18:54 Uhr | Politik
Brexit-Debatte Obama wirbt energisch für britischen EU-Verbleib

Die EU vergrößere den Einfluss Britanniens in der Welt, schreibt der amerikanische Präsident Obama in einem Zeitungsbeitrag. EU-Gegner auf der Insel verbitten sich die Einmischung. Mehr

22.04.2016, 09:09 Uhr | Politik
Präsident in Rente? Obama sorgt mit Zukunftsvideo für Lacher

Mit einem lustigen Video gibt sich der scheidende amerikanische Präsident Barack Obama gewohnt locker. Im Wesentlichen geht es darum, was der Präsident wohl macht, wenn er nicht mehr Präsident ist. Mehr

02.05.2016, 19:51 Uhr | Gesellschaft
Letzte Visite Obama zu Deutschland-Besuch in Hannover eingetroffen

Barack Obama ist zu seinem voraussichtlich letzten offiziellen Besuch in Deutschland eingetroffen. Am Abend will der amerikanische Präsident gemeinsam mit der Kanzlerin die Hannover Messe eröffnen. Mehr

24.04.2016, 13:39 Uhr | Politik

Das Wagnis der Religionsfreiheit

Von Reinhard Müller

Das Grundgesetz schützt den Islam. Es kommt aber immer darauf an, wie er hier gelebt wird. Mehr 53