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Was macht Rafsandschani? Der Todfeind in einer Schlüsselrolle

 ·  In der Islamischen Republik hat „Akbar Schah“ Rafsandschani, dem Vorsitzenden des sogenannten Expertenrates, noch immer eine machtvolle Position inne. Der Todfeind Ahmadineschads könnte nun auch zum Gegenspieler von Chamenei werden.

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Obwohl der Mann bei vielen äußerst unbeliebt ist, hat er in der Islamischen Republik Iran noch immer eine machtvolle Position inne. Ali Akbar Haschemi-Rafsandschani, Spitzname „Akbar Schah“, ist seit 2007 der Vorsitzende des sogenannten Expertenrates. Dieser umfasst 86 Mitglieder aus dem schiitischen „Klerus“ und wird alle acht Jahre vom Volk gewählt. Zur Wahl stehen freilich nur Kandidaten, die zuvor der fast noch einflussreichere Wächterrat zur Wahl gewissermaßen „freigegeben“ hat. Der „Expertenrat“ wählt den Obersten Geistlichen Führer oder Revolutionsführer auf Lebenszeit und „überwacht“ dessen Tätigkeit.

Das ist Ajatollah Ali Chamenei, der offiziell als die höchste Autorität gilt, als Revolutionsführer gewählt vor fast genau zwanzig Jahren, am 4. Juni 1989. In dem gegenwärtigen Aufruhr angesichts des immer offensichtlicher werdenden Wahlbetrugs zugunsten des bisherigen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad und seiner Beilegung, an der nun „gearbeitet“ wird, kommt Rafsandschani eine Schlüsselrolle zu. Man kann ihn getrost einen Todfeind Ahmadineschads nennen, was auf Gegenseitigkeit beruht. 2005 war Rafsandschani dem „populistischen Apokalyptiker“ Ahmadineschad bei den Präsidentenwahlen unterlegen.

Einst ein ergebener Anhänger Chomeinis

Hodschatoleslam Rafsandschanis weit verzweigte Händlerfamilie gehört zu den reichsten des Landes. Geboren im Jahre 1934 in Bahraman bei Rafsandschan, einem Ort in der ostiranischen Provinz Kerman, kam er schon 1948, als Vierzehnjähriger, in die heilige Stadt Qom, um dort Theologie zu studieren. So weit zurück reichen seine Beziehungen zu dem späteren Gründer der Islamischen Republik, Ajatollah Ruhollah Chomeini, in dessen Schatten er lange Zeit studierte und zu dessen ergebensten Anhängern er bald gehörte.

Seine theologische Ausbildung konzentrierte sich stärker auf Fragen des islamischen Rechts als auf die Theologie oder Philosophie. Seit den sechziger Jahren, als erstmals in Chomeinis Namen massiv gegen den Schah protestiert wurde, gehörte er zu den Aktivisten der religiösen Opposition. Nach den Unruhen von 1963 wurde er festgesetzt; dies widerfuhr ihm mehrfach in den siebziger Jahren, zuletzt kam er 1975 für drei Jahre ins Gefängnis. Als Teil des „kämpfenden Klerus“ war er schon früh mit Klerikern bekannt geworden, die sich später in der Politik einen Namen machten: Beheschti, Bahonar, Mofatteh und schließlich auch Ali Chamenei. Nach dem Sieg der Revolution war er Gründungsmitglied der IRP, der Partei der Islamischen Republik, zudem auch Mitglied in deren Zentralrat.

Ein Pragmatiker

Seither hat Haschemi-Rafsandschani, der immer als Pragmatiker eingeschätzt worden ist, zahlreiche Ämter in der Islamischen Republik innegehabt. Unter anderem war er Innenminister und Sprecher des Parlaments. Zwischen 1989 und 1997 amtierte er sogar als Staatspräsident, wobei sich Hoffnungen, sein Pragmatismus werde sich in einer politischen Öffnung nach innen und außen erweisen, bald zerschlugen. Als Seyyed Mohammad Chatami ihn 1997 ablöste, empfanden das viele Iraner zunächst als Erlösung.

Es ging bergab mit Rafsandschani; doch nach seiner Wahl zum Führer des Expertenrates erlebte er eine politische Wiederkehr, die viele nicht erwartet hatten. In den kommenden Tagen wird sich zeigen, inwieweit und wofür Rafsandschani seine herausgehobene Stellung zum Tragen bringen kann.

Der Expertenrat könnte den Obersten Geistlichen Führer auch wieder absetzen. Da aber der Revolutionsführer die Hälfte des Wächterrats besetzt, ist das bislang eine rein theoretische Möglichkeit.

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Von Philip Eppelsheim

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