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Geplantes Gipfeltreffen : Was Kim Jong-un mit der Annäherung an Südkorea bezweckt

Pure Freude? Kim Jong-un begrüßt den südkoreanischen Diplomaten Chung Eui-yong im März 2018- Bild: AFP

Schon während der Olympischen Spiele in Südkorea standen die Zeichen auf Annäherung. Jetzt wollen sich Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-in sogar persönlich treffen. Was will Nordkoreas Machthaber damit erreichen – und gibt es eine echte Chance auf Frieden?

          Und dann kam es doch überraschend: Zwar stehen die Zeichen seit mehreren Wochen auf vorsichtige Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Bruderstaaten Nord- und Südkorea. Aber Beobachter hielten die Entspannungssignale zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in eher für eine kurze Pause im Bruderstreit, um die Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang friedlich über die Bühne zu bekommen.

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          Die sind bekanntermaßen vorbei, nicht aber die Entspannungssignale, im Gegenteil: Süd- und Nordkorea haben sich auf ein Gipfeltreffen der beiden Staatsführer verständigt, das Ende April stattfinden soll, wie Südkoreas Nationaler Sicherheitsberater Chung Eui-yong am Dienstag nach seinem zweitägigen Besuch in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang mitteilte. Das erst dritte Spitzentreffen zwischen dem Norden und Süden (die letzten waren 2000 und 2007) soll im symbolträchtigen Panmunjeom erfolgen. Der Ort ist gewissermaßen der Checkpoint Charlie der koreanischen Halbinsel – hier stehen sich die Soldaten des Nordens und Südens gegenüber, um die Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zu überwachen.

          Die Versöhnungsgeste kommt zu einer Zeit, da die Beziehungen zwischen den beiden Koreas und den dahinterstehenden Großmächten Amerika und China eigentlich kaum schlechter sein könnten. 2017 hatten sich die Spannungen massiv verschärft, nachdem Nordkorea mehrere Raketentests unternommen und zugleich behauptet hatte, das amerikanische Festland mit Atomsprengköpfen mit ihrer Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong 15 angreifen zu können. Das Atomprogramm gilt in Pjöngjang als Sicherheitsgarant für die eigene staatliche Souveränität – und ist mittlerweile darüber hinaus identitätsstiftend geworden. Kaum ein Kind zwischen Ch’ŏngjin und Kaesŏng, das nicht lernt, wie wichtig die Bombe für den Staat und damit das eigene Leben ist. Geht man davon aus, dass die Propaganda in Pjöngjang in diesem Punkte die Wahrheit spricht, dann könnte Kim Jong-un nach dem Erreichen seines Ziels, Nordkorea endgültig zur Atommacht aufgebaut zu haben, jetzt die zweite Kammer zünden: die wirtschaftliche Erholung seines Landes, das – eine Nebenwirkung der Raketen- und Bombentests – seit dem vergangenen Jahr mit besonders strengen Sanktionen belegt ist.

          Den programmatischen Startschuss hatte Kim Jong-un bereits vor Jahren gegeben, aber in seiner Neujahrsansprache am 1. Januar 2018 bekräftigte er das politische Ziel, den Lebensstandard der zumindest auf dem Land immer noch darbenden Bevölkerung signifikant zu verbessern. Zum ersten Mal seit Amtsantritt des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in 2017 reagierte Kim damit auch auf die wiederholten Dialogangebote aus Seoul. Ein „Olivenzweig in Richtung Süden“, sei das gewesen, sagt Hanns Günther Hilpert, Leiter der Forschungsgruppe Asien der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Für Kim Jong-un hat sich die Frage gestellt: „Wie kommt man heraus aus der Eskalationsspirale mit Amerika, ohne das Gesicht zu verlieren?“ Und aus der Isolationsspirale: Das Verhältnis zwischen Südkorea und China war in den vergangenen Jahren immer besser geworden, was Kim Jong-un natürlich auch weiß. Eine wirtschaftliche Entspannung kann daher nur über die politische Entspannung mit dem Süden gehen.

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