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Nordkorea und Südkorea : Millionen für den Erzfeind

Die mögliche Finanzhilfe wäre die erste unter dem linksliberalen Präsidenten Moon Jae-in. Bild: PH/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Trotz scharfer Sanktionen gegen Nordkorea, erwägt die südkoreanische Regierung in Seoul humanitäre Hilfen. Doch ein Nachbarland kritisiert die millionenschwere Unterstützung.

          Die südkoreanische Schaukelpolitik gegenüber dem Kim-Regime in Nordkorea lässt Beobachter in Seoul zunehmend ratlos zurück. Nur wenige Tage nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einstimmig verschärfte Sanktionen gegenüber Nordkorea verhängt hatte, teilte die Regierung in Seoul am Donnerstag mit, sie erwäge humanitäre Hilfe im Wert von acht Millionen Dollar für den Norden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Erst am Tag zuvor hatte Südkorea als Warnung an das Regime in Pjöngjang bekanntgegeben, einen Luft-Boden-Marschflugkörper deutscher Produktion erstmals erfolgreich getestet zu haben. Die Waffe von Taurus Systems hat eine Reichweite von 500 Kilometern und könnte als Bunkerbrecher verwendet werden, um gegebenenfalls die Spitze des nordkoreanischen Regimes zu töten.

          Hilfe soll von der Politik unabhängig sein

          Nach dem sechsten Atombombentest des Nordens Anfang September hatte die Regierung in Seoul demonstrativ hervorgehoben, die eigene Verteidigungsbereitschaft zu stärken. Die von konservativen Kreisen in Südkorea geforderte Stationierung amerikanischer Nuklearwaffen im Süden wird von Präsident Moon Jae-in aber abgelehnt. „Auf Nordkorea mit eigenen Nuklearwaffen zu reagieren, wird den Frieden auf der koreanischen Halbinsel nicht erhalten und kann zu einem nuklearen Rüstungswettlauf in Nordostasien führen“, sagte Moon dem amerikanischen Fernsehsender CNN.

          Die nun erwogene Finanzhilfe käme Programmen der Vereinten Nationen für Kinder und Schwangere in Nordkorea zugute. Die Regierung will in der kommenden Woche endgültig darüber entscheiden. Das Wiedervereinigungsministerium in Seoul erklärte, humanitäre Hilfe für die Bevölkerung in Nordkorea müsse unabhängig von politischen Erwägungen fortgeführt werden. Die vorherige konservative Regierung unter der abgesetzten Präsidenten Park Geun-hye hatte die Finanzhilfen des Südens für UN-Programme in Nordkorea nach dem vierten Atombombentest des Nordens im Januar 2016 eingestellt. Die neue Regierung erwägt auch, den Vereinten Nationen sechs Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, um eine Volkszählung in Nordkorea zu unterstützen.

          Kritik aus Japan

          „Die Regierung in Südkorea weiß nicht, wie sie mit der Bedrohung aus Nordkorea umgehen soll“, sagt Lars-André Richter, der aus Seoul für die deutsche Friedrich-Naumann-Stiftung die Lage in beiden Koreas beobachtet. Seoul versucht seiner Meinung nach alles, um mit Pjöngjang ins Gespräch zu kommen, aus Sorge, dass in der Nordkorea-Krise über Südkorea hinweg entschieden wird. Die japanische Regierung zeigte indirekt Kritik an den möglichen Geldzahlungen an Pjöngjang. Kabinettssekretär Yoshihide Suga erklärte in Tokio, es sei notwendig, Handlungen zu vermeiden, die den Druck auf Nordkorea lindern könnten.

          Die Finanzhilfe über die Vereinten Nationen an Nordkorea wäre die erste humanitäre Hilfe der Regierung des Linksliberalen Moon an den Norden. Moon hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt im Mai privaten Hilfsorganisation erlaubt, wieder Kontakt mit dem Norden aufzunehmen. Pjöngjang hat aber jegliche private Hilfsleistung aus dem Süden abgelehnt. Die Bereitschaft des Südens, den Norden humanitär finanziell zu unterstützen, belegt das zumindest in den politischen Kreisen Südkoreas verbreitete Gefühl, beide Staaten als ein Volk zu sehen.

          Drohungen gegen die Nachbarländer

          In einer weiteren Reaktion auf die verschärften UN-Sanktionen drohte das Regime in Nordkorea am Donnerstag unterdessen damit, Japan zu versenken und die Vereinigten Staaten auf Asche und Dunkelheit zu reduzieren. „Die vier Inseln des (japanischen) Archipels sollten mit einer Juche-Atombombe in die See versenkt werden“, teilte das Koreanische Friedenskomitee für Asien und Pazifik über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA mit. „Japan muss nicht länger in unserer Nähe existieren.“ Juche ist die offizielle Ideologie des Kim-Regimes. Die japanische Regierung kritisierte die Drohung harsch. Suga nannte sie extrem provokativ, ungeheuerlich und völlig unakzeptabel.

          Scharfe Warnungen des Nordens an den japanischen Nachbarn sind nicht neu, aber eher selten. Japan, derzeit Mitglied im UN-Sicherheitsrat, hatte sich entschieden für harte Sanktionen gegenüber Nordkorea ausgesprochen. Erst am Mittwoch plädierte Ministerpräsident Shinzo Abe für maximalen Druck auf Nordkorea. Voraussetzung für Gespräche Japans mit Nordkorea sei, dass Pjöngjang sich zu einer kompletten Denuklearisierung verpflichte, sagte er in einem Interview. Abe hat sich in den vergangenen Monaten als einer der treuesten Verbündeten der Vereinigten Staaten unter Führung von Präsident Donald Trump erwiesen. Die nordkoreanische Propaganda kritisierte das am Donnerstag mit der Bemerkung, dass Japan nach der Pfeife der Vereinigten Staaten tanze.

          Quelle: F.A.Z.

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