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„Arroganz macht nicht mächtig“ : Warum Chinas Medien einen Gang runterschalten sollen

Chinesische Zeitungen nach der Wahl Donald Trumps 2016 Bild: AP

Die Kommunistische Partei fordert, dass Chinas Medien die Errungenschaften des Landes weniger hervorheben. Denn allzu selbstbewusstes Auftreten kommt im Ausland nicht gut an.

          Chinas gelenkte Medien sollen einen Gang zurückschalten und die Errungenschaften des Landes nicht mehr allzu überschwänglich feiern, so hat es die Partei über ihr Sprachrohr, die „Volkszeitung“, verkündet. „Arroganz macht ein Land nicht mächtig“, heißt es in dem Text. Übertriebene Darstellungen der Erfolge Chinas böten anderen Ländern nur Anlass für Kritik. Deshalb sollten die Medien nicht mehr behaupten, das Land trete „ins Zentrum der Welt“ oder sei gar „in vielen Bereichen die unangefochtene Nummer eins“ und habe die Vereinigten Staaten bei der Entwicklung bestimmter Technologien überrundet.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Zu vermeiden seien auch nationalistische Töne wie solche, Amerika fürchte sich vor China, Japan sei eingeschüchtert und Europa bedaure, dass China sich so rasant entwickelt habe. „Bewusst extreme Gefühle zu provozieren und Vorurteile zu verbreiten, hält die Öffentlichkeit in einem Teufelskreis aus Arroganz und Großmannssucht gefangen“, heißt es in dem am Montagabend veröffentlichten Kommentar der „Volkszeitung“.

          Klagen über arrogante Mitarbeiter

          Die neue Losung ist offenbar der Einsicht geschuldet, dass Peking mit seinem zuletzt immer selbstbewussteren Auftreten in vielen Ländern zu einer China-kritischen Haltung beigetragen hat. In Diplomatenkreisen wird das arrogante Auftreten von Regierungsmitarbeitern beklagt. Alarmiert scheint man in der chinesischen Führung insbesondere über die Ablehnung zu sein, die dem Land inzwischen über alle Parteigrenzen hinweg aus den Vereinigten Staaten entgegenschlägt. Kritische Stimmen innerhalb der Regierung beklagen, dass diese Entwicklung zu spät erkannt worden sei.

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          Besonderen Argwohn hatte in Amerika, aber auch in Europa, die Industriepolitik „China 2025“ hervorgerufen. Darin legte Peking Hochtechnologiesektoren fest, in denen die Volksrepublik mit Hilfe staatlicher Förderung und subventionierten Zukäufen die Marktführerschaft erlangen will. Washington will deshalb chinesische Investitionen besonders kritisch prüfen.

          Inzwischen wird die Strategie „China 2025“ in den Medien des Landes nicht mehr erwähnt. In einer Notiz der Zensoren an die Staats- und Parteimedien, die an die Website „China Digital Times“ durchgestochen wurde, heißt es: „Erwähnen Sie nicht mehr ,Made in China 2025‘, andernfalls wird es Konsequenzen haben.“ In Regierungskreisen wird die Strategie gar mit den Worten abgewertet, es handle sich nur um ein „Papier einiger Wissenschaftler“.

          „Machen Sie dies nicht zu einem Krieg der Beleidigungen“

          Bereits im vergangenen Monat hatte der Chefredakteur einer Publikation des chinesischen Wissenschaftsministeriums in einem Beitrag geschrieben: „Der große Abstand zwischen China und den entwickelten Ländern des Westens, inklusive den Vereinigten Staaten, im Wissenschafts- und Technologiebereich sollte allgemein bekannt sein, und ist kein Problem.“ Es sei aber zum Problem geworden, als die Errungenschaften China „von einigen Leuten gehypt worden“ seien und diese Leute „die Führung, die Öffentlichkeit und sogar sich selbst getäuscht haben“.

          Staats- und Parteichef Xi Jinping selbst hatte in den vergangenen Monaten immer wieder das Ziel einer technologischen Autonomie des Landes ausgerufen. Mit seiner Vision eines wiedererstarkten Chinas, das „größere Beiträge zur Menschheit“ leiste, hatte er der jahrzehntelang vorherrschenden Doktrin Deng Xiaopings den Rücken gekehrt, der zufolge China sich bedeckt halten und seine Fähigkeiten verbergen sollte, um sich auf die Entwicklung im Innern zu konzentrieren.

          Dabei hat Xi Jinping nationalistische Gefühle geschürt, auch um der Partei angesichts des schwindenden Wirtschaftswachstums eine zusätzliche Legitimationsbasis zu schaffen. Doch schon seine Vorgänger hatten bisweilen Mühe, die Geister, die sie riefen, wieder einzufangen. Das soll laut der „Volkszeitung“ nun offenbar geschehen. In einer Anweisung der Zensurbehörde an die Medien heißt es zudem mit Blick auf den Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten: „Machen Sie dies nicht zu einem Krieg der Beleidigungen.“

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