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War Gandhi homosexuell? Besitzergreifung des Körpers

 ·  Indien diskutiert über ein Buch, in dem behauptet wird, Mahatma Gandhi sei schwul gewesen. Das Parlament in Gandhis Heimat, dem Bundesstaat Gujarat, beschloss ein Verbot des Werkes. Grund: Der Inhalt sei „pervers“.

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War Mahatma Gandhi schwul? Oder zeitweise bisexuell? Derartige Eindrücke gewannen erste Rezensenten der Biographie „Great Soul“ und bescherten Indien damit eine leidenschaftliche politische Debatte. Das Parlament in Gandhis Heimat, dem Bundesstaat Gujarat, beschloss in dieser Woche einstimmig und mit sofortiger Wirkung ein Verbot des Werkes, das in Indien noch gar nicht auf dem Markt ist.

Dessen Inhalt sei „pervers“ und würde „die Ikone des gewaltfreien Widerstands diffamieren“, begründete Gujarats Ministerpräsident Narendra Modi die Entscheidung. Im Bundesstaat Maharashtra wurde ebenfalls ein Verbot eingeleitet, zwei Minister der Regierung Singh kündigten an, sich für ein Verbot auf nationaler Ebene einzusetzen.

Der Autor, Joseph Lelyveld, beschäftigt sich in der Biographie unter anderem mit Gandhis Beziehung zu dem deutschen Architekten (und Bodybuilder) Hermann Kallenbach, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach Südafrika emigriert und dort auf Gandhi gestoßen war. Zeitweise soll der junge Inder im Haus Kallenbachs gewohnt haben. Aus den Briefen, die Gandhi an seinen deutschen Freund schrieb, wird vor allem eine Passage zitiert: „Wie vollständig Du Besitz von meinem Körper ergriffen hast! Das ist Sklaverei mit aller Macht.“

„Er bleibt in jedem Fall der Mann, der Indien in die Freiheit geführt hat“

Lelyveld, ein Pulitzer-Preisträger und langjähriger leitender Redakteur der „New York Times“, reagierte scharf auf die Zensur. „In einem Land, das sich Demokratie nennt, ist es beschämend, wenn ein Buch verboten wird, das niemand gelesen hat, einschließlich derer, die das Verbot verhängt haben“, sagte er der indischen Nachrichtenagentur PTI. Auch indische Schriftsteller und Journalisten kritisieren die Maßnahme und nennen sie „witzlos“ oder „rückschrittlich“.

Die Verbote würden schon deswegen keinen Bestand vor den Gerichten haben, argumentierte die Zeitung „Hindustan Times“, weil sich Gandhi in seiner Autobiographie selbst mit seinen „sexuellen Experimenten“ auseinandergesetzt habe. Mit gandhieskem Klarsinn äußerte sich unterdessen Tushar Gandhi, ein Urenkel des Nationalhelden: „Welchen Unterschied macht es, ob der Mahatma heterosexuell, schwul oder bisexuell gewesen ist?“, fragte er. „Er bleibt in jedem Fall der Mann, der Indien in die Freiheit geführt hat.“

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent in London.

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