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Wahlkampf in Italien „Punktsieg für Prodi“

15.03.2006 ·  Es gab keinen klaren Sieger, aber der Herausforderer hat sich Blitzumfragen zufolge leichte Vorteile verschafft: Das Fernsehduell zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Romano Prodi war der erste Höhepunkt im italienischen Wahlkampf.

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Keinen klaren Sieger, aber leichte Vorteile für den Herausforderer hat das mit Spannung erwartete TV-Duell zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Romano Prodi gebracht. „

„Prodi im Angriff, Berlusconi in der Verteidigung“, faßte die römische Zeitung „Il Messagero“ die 90 Minten lange Debatte am Mittwoch zusammen. Eine Blitzumfrage ergab, daß auch eine Mehrheit der Zuschauer den Führer des linken Oppositionsbündnisses vorn sah. Dreieinhalb Wochen vor der Parlamentswahl fehlten dem Schlagabtausch die Höhepunkte.

Antikommunistische Tiraden

Der fernseherfahrene Medienunternehmer Berlusconi legte Statistiken vor, die die Erfolge seiner fünf Jahre währenden Regierungszeit untermauern sollten. Daneben ließ er sich auch wieder zu antikommunistischen Tiraden hinreißen und warf Prodi vor, das von ihm angeführte Mitte-links-Oppositionsbündnis werde von den Kommunisten beherrscht. In den meisten Umfragen liegt Berlusconi derzeit hinter seinem Herausforderer.

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Prodi versuchte mit Blick auf die vielen noch unentschlossenen Wähler der Mitte, sich als Einiger darzustellen, und forderte Respekt von seinem Gegner ein. Er griff Berlusconi mit dem Verweis auf Interessenkonflikte zwischen seinen politischen und seinen unternehmerischen Aktivitäten an und hielt ihm die schlechte Wirtschaftsbilanz seiner konservativen Regierung vor.

Strenge Regeln

Der Schlagabtausch der beiden im staatlichen Fernsehen RAI war eine Neuauflage ihres Duells aus dem Jahr 1996, nach dem Prodi zum italienischen Ministerpräsidenten gewählt wurde. Der bisweilen professoral wirkende und kompliziert formulierende Herausforderer dürfte von den strengen Regeln der Fernsehdebatte profitiert haben. Die Redezeit der Kandidaten war festgelegt, und während einer von beiden sprach, wurde die Reaktion des anderen nicht gezeigt.

Der Medienunternehmer Berlusconi, der zuletzt in einem Interview Nerven gezeigt und das Studio verlassen hatte, weil eine Journalistin kritisch nachhakte, rügte denn auch mehrfach die Regeln des Fernsehduells. „Dieses Verfahren erlaubt keine richtige Debatte“, sagte er kurz nach der Sendung am Dienstag abend. Er fühle sich dennoch als Sieger, „denn ich bin auf der Seite der Wirklichkeit, er ist auf der Seite der Phantasie“.

„Es war keine Show“

Prodi zeigte sich am Mittwoch zufrieden und ließ Kritik nicht gelten, das Rededuell sei langweilig gewesen. „Es war keine Show und wir sind nicht zwei Ballerinas“, sagte er dem Fernsehsender Sky TG24. „Wir waren da, um über die Probleme des Landes zu reden.“ Die linksorientierte Zeitung „La Repubblica“ sah den Herausforderer vorn. „Prodi siegte nach Punkten“, schrieb das Blatt.

Der Mailänder Kommunikationswissenschaftler Edoardo Novelli sagte der Fernsehnachrichtenagentur APTN: „Es gab nicht das, was viele Leute erwarten haben: den K.o-Sieg.“ Berlusconi sei sehr verbittert und verärgert gewesen und daß habe man im TV gesehen. „Prodis Vorstellung war alles im allem recht gut.“

Eine telefonische Blitzumfrage von 300 Italienern bestätigte diese Einschätzung. 43 Prozent nannten Prodi als Sieger, 36 Prozent Berlusconi. Allerdings erklärten 91 Prozent zugleich, das Rededuell habe auf ihre Wahlentscheidung keinen Einfluß. Die Zeitung „Corriere della Sera“ veröffentlichte die Ergebnisse der SWG-Studie am Mittwoch. Eine weitere Fernsehdebatte ist für den 3. April geplant, eine knappe Woche vor der Wahl am 9./10. April.

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