http://www.faz.net/-gpf-750uf

Wahl in Italien : Berlusconi tritt vielleicht doch nicht an

„Ich werde einen Schritt zurücktreten“: Silvio Berlusconi bei der Buchvorstellung in Rom Bild: AFP

Der frühere Ministerpräsident Berlusconi hat sich bereit erklärt, womöglich auf seine geplante politische Rückkehr zu verzichten - falls Regierungschef Monti zur Parlamentswahl als Spitzenkandidat einer Koalition der „Gemäßigten“ antritt.

          Der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat am Mittwochabend seine zuvor angekündigte neuerliche Kandidatur für dies Amt relativiert. Sollte der vor dem Rücktritt stehende Regierungschef Mario Monti zu einer Parlamentswahl als Spitzenkandidat einer Koalition der „Gemäßigten“ antreten, ziehe er seine Bewerbung für eine fünfte  Amtszeit zurück, sagte er im Rahmen einer Buchvorstellung in Rom.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          In dem Fall würde er den früheren EU-Kommissar  unterstützen. Monti hat seine Entscheidung bislang nicht bekannt gemacht. Der 76 Jahre alte Medienunternehmer Berlusconi sagte: „Ich habe keine  persönlichen Ambitionen“. Er sei „zur Disposition, wenn das dem Interesse des  Landes und der moderaten Kräfte dient“. Berlusconi sagte indes, dies sei „kein Rücktritt. In diesem Moment kandidiere ich“. Zuvor hatte Berlusconi gesagt, ihm werde bisweilen vorgeworfen, „seine Schritte in diese oder jene  Richtung sind nicht konsequent. Ich aber sage, in meinem Leben als Unternehmer  und Politiker habe ich immer konsequent gehandelt.“

          Wenig Zustimmung für Berlusconi

          Der aufkommende Zweifel an  einer Kandidatur dürfte damit zusammenhängen, dass Berlusconi weder in seiner  Partei, dem „Volk der Freiheit“ (PdL), noch bei anderen möglichen Partnern auf  Zustimmung stößt. Bei vielen in Italien und in Europa stößt seine Kandidatur  sogar auf unverhohlene Ablehnung. So gab der neue Chef der separatistischen  „Lega Nord“, der ehemalige Innenminister Roberto Maroni, ihm am Dienstag einen Korb. Die Lega sei nur zu einem Bündnis mit dem PdL bereit, wenn nicht Berlusconi der Kandidat sei.

          Bei der Vorstellung eines Buches, das ein Freund Berlusconis, der Fernsehmoderator Bruno Vespa schrieb, sagte Berlusconi am Mittwochabend, ohne eine Vereinbarung mit der Lega würden bei den nationalen Wahlen Anfang 2013 „unverzüglich Piemont und Venetien“ an die Linken „fallen“. Der Unwillen der Lega, mit Berlusconi anzutreten, sei für ihn „eine Neuheit“ gewesen. Zuvor hatte er seine Zweifel darüber geäußert, dass Monti zu einer Kandidatur bereit sei. Aber ihm dürfe man selbst nicht Inkonsequenz  vorwerfen.

          Er habe stets versucht, ein Bündnis mit der christdemokratischen  Zentrumsunion UDC zu schließen, damit die Moderaten siegen können. Das sei stets sein einziges Ziel. So würde auch eine Allianz des PdL mit Monti - nach Berlusconi - den Sieg der Linken unter Pier Luigi Bersani vom Partito Democratico (PD) verhindern. Immer wieder sagt Berlusconi, dass alles dafür getan werden müsse, damit Italien nicht „in die Hände der Kommunisten  fällt“. Am Dienstag hatte Berlusconi Monti vorgeworfen, er habe sich stets nur der deutschen Politik strenger Sparmaßnahmen gebeugt und damit  Italien in eine schlechtere Lage gebracht, als sie bei seinem Amtsverlust Ende  2011 gewesen sei.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Vierte Amtszeit für Abe? Video-Seite öffnen

          Wahl in Japan : Vierte Amtszeit für Abe?

          Aus der vorgezogenen Parlamentswahl in Japan dürfte die nationalistisch-konservative Liberaldemokratische Partei von Ministerpräsident Shinzo Abe als Sieger hervorgehen. Für ihn wäre es seine vierte Amtszeit. Die Opposition hat keine echten Chancen.

          Milliardär Babiš gewinnt Parlamentswahl Video-Seite öffnen

          Rechtsruck in Tschechien : Milliardär Babiš gewinnt Parlamentswahl

          In Tschechien hat die populistische Partei ANO des Milliardärs Andrej Babiš die Parlamentswahl mit großem Abstand gewonnen. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden, denn Sozial- und Christdemokraten haben angekündigt, nicht mit ihm koalieren zu wollen. Babiš steht unter anderem für die Abriegelung der Grenzen, um Flüchtlinge fern zu halten.

          Topmeldungen

          Geisteszustand des Präsidenten : Ist Donald Trump verrückt?

          Etliche Psychiater in den Vereinigten Staaten machen sich Sorgen um den Geisteszustand von Präsident Donald Trump. Dessen Verhalten ist zwar grenzwertig. Doch spiegelt es vor allem die Gesellschaft wider, die ihn an die Macht befördert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.