22.01.2012 · An Selbstbewusstsein hat es Newt Gingrich noch nie gemangelt. Mit dem Anlauf aufs Weiße Haus folgt der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses nun seiner höchsten Berufung.
Von Matthias Rüb, WashingtonEr lag in Umfragen fast aussichtslos zurück, er kämpfte wie von Sinnen - und gewann. Nach seinem deutlichen Sieg bei den republikanischen Vorwahlen in South Carolina richtete Newt Gingrich seine Augen sogleich auf Barack Obama. Sollte er tatsächlich bald zum Präsidentschaftskandidaten der Opposition gekürt werden, rief Gingrich in der Wahlnacht seinen verzückten Anhängern in der Hauptstadt Columbia zu, werde er den Präsidenten zu sieben jeweils dreistündigen Fernsehdebatten herausfordern: „Und damit Chancengleichheit besteht, darf Obama den Teleprompter benutzen, während ich mich allein auf mein Wissen verlasse!“
An Selbstbewusstsein hat es Newton Leroy „Newt“ Gingrich nie gemangelt. Gingrich wurde am 17. Juni 1943 als Sohn einer minderjährigen Mutter, die früh manisch-depressive Krankheitssymptome entwickelte, in Harrisburg im Bundesstaat Pennsylvania geboren. Im Alter von fünf Jahren adoptierte ihn sein Stiefvater, ein Soldat des amerikanischen Heeres. Gingrich wuchs auf Heeresstützpunkten in Amerika und Frankreich auf. Er studierte Geschichte und Geographie in Atlanta und New Orleans, für seine historiographische Doktorarbeit über die belgische Kolonialpolitik im Kongo forschte er unter anderem ein halbes Jahr in Brüssel. Als Professor für Geschichte lehrte er von 1970 an am West Georgia College in Carrollton bei Atlanta, ehe ihm 1978 der Sprung ins Repräsentantenhaus gelang. Als stellvertretender Fraktionschef der Republikaner von 1989 bis Anfang 1995 war er der intellektuelle Architekt der „konservativen Revolution“. Nach dem historischen Sieg der Republikaner bei den Kongresswahlen von 1994 wurde er „Sprecher“ des Repräsentantenhauses und als konservativer Chefideologe zum Gegenspieler Präsident Clintons.
Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik 1999 war Gingrich als überaus produktiver Buchautor - fast drei Dutzend Sachbücher und Romane hat er verfasst - und zudem als gutbezahlter Lobbyist und Berater tätig. Vom halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac, den viele Republikaner wegen lascher Kreditvergabe als einen Mitverursacher der Immobilienkrise sehen, kassierte Gingrich gut 1,6 Millionen Dollar. Gingrich ist seit 2000 in dritter Ehe mit seiner 23 Jahre jüngeren Frau Callista verheiratet, für sie konvertierte er von den Baptisten zum Katholizismus. Aus erster Ehe hat Gingrich zwei Töchter.
Sein umfassendes historisches und politisches Wissen, seine scharfe Zunge und sein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein haben einst Gingrichs Aufstieg zum „Speaker“ beschleunigt, bald darauf aber auch zu seinem Niedergang geführt. Mit dem Anlauf aufs Weiße Haus in diesem Jahr folgt Gingrich seiner höchsten Berufung. In South Carolina halfen ihm zuletzt der blanke Zorn auf die linken „elitären Medien“, der populistische Aufschrei gegen seinen innerparteilichen Konkurrenten Mitt Romney, den er als kapitalistische „Heuschrecke“ hinstellte, und schließlich die Verachtung für Obama, der Amerika arm und schwach gemacht habe.
Gefährlich
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 24.01.2012, 20:06 Uhr
Master of Art and Ph.D.
Horst Ziegler (pacificatore)
- 23.01.2012, 11:52 Uhr
Amerika hat diesen Mann nicht verdient.
bernd ullrich (demokrat2)
- 23.01.2012, 10:35 Uhr
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Kevin Bond (00Kevin)
- 23.01.2012, 08:17 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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