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Waffenschmuggel Stolz und Sorge in Israel

06.11.2009 ·  Die Fracht an Bord der „Francop“ hätte für gut einen Monat Krieg gereicht. Doch in den Stolz über den jüngsten Erfolg mischen sich auch warnende Stimmen: Nehme man die 3000 Raketen als Maßstab, seien bis zu zehn Schiffe ungehindert an ihr Ziel gelangt.

Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem
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Die Fracht an Bord der „Francop“ hätte für gut einen Monat Krieg gereicht. Alleine 3000 Raketen gehörten nach israelischen Angaben zu den mehr als 300 Tonnen Waffen und Munition aus Iran, die israelische Soldaten in den Containern des deutschen Frachtschiffs mit Kurs auf den syrischen Hafen Lattakia gefunden hatten. Um die letzten Zweifel zu beseitigen, bat am Donnerstag die Regierung alle in Israel akkreditierten Botschafter in den Hafen von Aschdod, um das Waffenarsenal mit eigenen Augen zu sehen. „PR ist jetzt sehr wichtig und wir versuchen, alle Möglichkeiten zu nutzen“, sagte der israelische Außenminister Lieberman im Rundfunk. Mit dem Waffenfund will die Regierung die kriegerischen Absichten des Regimes in Teheran aller Welt vor Augen führen. Denn aus Iran kamen die Container, die nach israelischen Informationen für die Hizbullah bestimmt waren; das bestritt die schiitische Miliz jedoch am Donnerstag.

In der Nacht zum Mittwoch hatten israelische Spezialeinheiten die Francop vor der Küste Zyperns gestoppt und in den Hafen von Aschdod geleitet. Der Zeitpunkt war für Israel auch politisch bedeutsam: Am Dienstagabend hatte vor der UN-Vollversammlung die Debatte über den Goldstone-Bericht zum Gaza-Krieg begonnen, die Israel zu verhindern suchte. Jetzt, nach dem Fund der Waffen, hofft man in Jerusalem auf einen Themenwechsel bei den UN. Denn aus israelischer Sicht verletzte Iran, mit dem die internationale Gemeinschaft gerade über einen Kompromiss im Atomstreit ringt, gleich zwei UN-Resolutionen: Die Resolution 1747 verbietet Iran den Waffenexport und Resolution 1701 die Lieferung von Kriegsmaterial an die libanesische Hizbullah.

Hizbullah und Hamas rüsteten auf

Aber Iran und das mit ihm verbündete Syrien zögerten nach dem Libanon-Krieg im Sommer 2006 und dem Gaza-Krieg im Januar nicht, Hizbullah und Hamas wieder aufzurüsten. Über mehr als 30.000 Raketen soll die Schiiten-Miliz mittlerweile verfügen. Deshalb mischten sich in den israelischen Stolz über den jüngsten Erfolg auch warnende Stimmen: Nehme man die jetzt gefundenen 3000 Raketen als Maßstab, seien bis zu zehn Schiffe ungehindert an ihr Ziel gelangt. Iran schickt diese Lieferungen in jüngster Zeit offenbar lieber auf den langen Seeweg. Per Flugzeug wären es mindestens 20 Flüge gewesen, sagen Fachleute. Aber die Flugbewegungen der Maschinen ließen sich leichter verfolgen. Schwieriger scheint auch der Landweg geworden zu sein. Im Januar sollen israelische Kampfflugzeuge einen Konvoi mit Waffen für die Hamas in Gaza in Sudan angegriffen und zerstört haben.

Dagegen sind die Wege der zahllosen Frachtcontainer, die jeden Tag aus dem iranischen Hafen Bandar Abbas auf die Reise gehen, viel mühsamer zu verfolgen. Vor gut zehn Tagen legte dort nach israelischer Darstellung ein Schiff der staatlichen iranischen Gesellschaft Irisl mit dem Ziel Ägypten ab - laut den Frachtpapieren mit vielen Dutzend Containern Polyethylen beladen, aber auch mit den knapp 40 Waffenbehältern. Im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta wurde dann ein Teil der Container dann auf die unter der Flagge Antiguas fahrende Francop verladen, die auch den syrischen Hafen Lattakia anlaufen sollte.

Iran in den Fußstapfen Nordkoreas?

Die Francop gehört der deutschen Reederei Gerd Bartels, die nach eigenen Angaben die Ladekapazität im sogenannten Zeitcharter seit etwa zwei Monaten an das zyprische Unternehmen UFS vermietet hatte. Nach Angaben der deutschen Eigner waren die Mieter für die Beladung des Frachtschiffs verantwortlich; man habe nichts von den Waffen gewusst, die hinter Säcken mit Polyethylen versteckt waren, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Erst Anfang Oktober hatten amerikanische Kriegsschiffe das deutsche Frachtschiff „Hansa India“, das seit Jahren an die iranische Staatsreederei verchartert ist, mit acht Containern Rüstungsgütern auf dem Weg ins Mittelmeer gestoppt. Im Januar wurde auf Zypern ein russischer Frachter mit einer Waffenladung für Syrien - und möglicherweise für die Hizbullah - an der Weiterfahrt gehindert.

Iran folgt bei seinen Schiffstransporten offenbar dem Vorbild Nordkoreas. Das Regime in Pjöngjang versteckte in der Vergangenheit immer wieder geheime Rüstungslieferungen zwischen zivilen Gütern auf normalen Frachtschiffen. „Die israelischen Geheimdienste haben zuletzt Boden gut gemacht“, sagt der Tel Aviver Iran-Kenner Ronen Bergman. Sonst wären die Container auf der Francop ebenso wenig entdeckt worden, wie die anderen gestoppten Lieferungen.

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