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Waffenruhe brüchig Israelische Kommandoaktion im Libanon

19.08.2006 ·  Erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe vor fünf Tagen haben sich israelische Soldaten ein Gefecht mit Hizbullah-Milizionären geliefert. Israel erklärte, Ziel der Kommandoaktion sei es gewesen, Waffenlieferungen an die Hizbullah zu stoppen.

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Erstmals seit Beginn der Waffenruhe hat Israel am Samstag wieder Luftangriffe auf den Libanon geflogen. Sie dienten libanesischen Sicherheitskreisen zufolge dazu, einer Kommandoeinheit der Armee bei einem Einsatz im Bekaa-Tal im Osten Deckung zu geben. Israel erklärte, Ziel der Kommandoaktion sei es gewesen, Waffenlieferungen an die Hizbullah-Miliz zu stoppen. Dabei kam ein Soldat ums Leben, zwei weitere wurden verletzt, wie die israelischen Streitkräfte erklärten.

„Das ist eine blanke Verletzung der vom UN-Sicherheitsrat verkündeten Waffenruhe“, sagte Libanons Ministerpräsident Fuad Siniora zu dem israelischen Luftangriff. Das israelische Militär erklärte, die Kommandoaktion habe alle ihre Ziele erreicht. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, die Vereinbarung über eine Waffenruhe verbiete Waffenlieferungen an die Hizbullah. Israel habe daher das Recht, das Waffenembargo durchzusetzen. „Sobald die libanesischen Streitkräfte und die internationalen Truppen im Grenzgebiet aktiv sind, um die Resolution durchzusetzen, werden solche israelischen Aktivitäten überflüssig“, sagte Ministeriumssprecher Mark Regev.

UN über Verstoß gegen Waffenruhe informiert

Den libanesischen Angaben zufolge beschossen israelische Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Morgengrauen Ziele nahe dem Dorf Bodai westlich von Baalbek im Bekaa-Tal. Zufahrtstraßen zum Dorf sowie ein Hügel seien bombardiert worden, hieß es. Bodai liegt etwa 26 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt und gilt als Hochburg der radikalen Schiiten-Miliz Hizbullah. Die Hizbullah erklärte, sie habe einen Kommando-Einsatz der israelischen Streitkräfte verhindert. Der Trupp sei von einem Hubschrauber auf einem Feld westlich von Baalbek abgesetzt worden, berichtete der Fernsehsender der Hizbullah, Al Manar. Die israelische Einheit sei vor Morgengrauen gelandet und in das Dorf Budai gefahren, wo sie von Hizbullah-Kämpfern abgefangen worden sei. Die Miliz habe die Soldaten zum Rückzug gezwungen. Bei den Gefechten seien drei Hizbullah-Kämpfer getötet worden. Der libanesische Außenminister Fausi Salluch erklärte, er habe UN-Vertreter im Libanon über den Verstoß gegen die Waffenruhe informiert.

Das libanesische Verteidigungsministerium drohte mit einem Stopp der Truppenstationierung im Süden des Lande. Sollten die Vereinten Nationen wegen der Kommandoaktion in der Nacht nicht intervenieren, werde er dem Kabinett möglicherweise eine Beendigung der Entsendung von Soldaten vorschlagen, sagte Verteidigungsminister Elias Murr am Samstag. Der israelische Einsatz könnte Vergeltungsaktionen der Hisbollah-Miliz und damit eine neue Welle der Gewalt nach sich ziehen, warnte Murr. Möglicherweise versuche Israel, Vergeltungseinsätze zu provozieren, während derer auch die libanesischen Truppen angegriffen werden könnten. Libanesische Soldaten würden nicht „als Beute in eine israelische Falle“ geschickt, sagte Murr nach einem Treffen mit einer UN-Delegation in Beirut.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Mitgliedstaaten auf, sich stärker an der geplanten UN-Truppe im Libanon zu beteiligen. Er erklärte in einem Bericht an den Sicherheitsrat, von der UN-Truppe werde nicht erwartet, daß sie sich einen Krieg mit Israel, dem Libanon oder der Hizbullah liefere. Sein Stellvertreter Mark Malloch Brown erklärte, die Truppe werde nicht offensiv ausgerichtet sein. Er forderte angesichts der Zusagen aus muslimischen Ländern besonders die Europäer auf, sich stärker zu beteiligen. Nur so könne eine ausgewogene Truppe entstehen, die sowohl von Israel als auch vom Libanon akzeptiert werde. Die ersten 3.500 Soldaten sollten nach Angaben von Malloch Brown bis zum 28. August in der Region stationiert werden.

Französische Verstärkung eingetroffen

Die ersten französischen Soldaten zur Verstärkung der UN-Truppen im Libanon (Unifil) trafen bereits am Samstag im Krisengebiet ein. Von einem französischen Kriegsschiff aus setzten die Streitkräfte zunächst in zwei kleinen Booten nahe Nakura an die libanesische Küste über, wie Fernsehbilder zeigten. Wenig später folgte ein größeres Boot, über dem die französische Flagge wehte. Insgesamt wurde am Samstag eine rund 50 Mann starke französische Verstärkung für die Unifil erwartet. Frankreich hatte die umgehende Entsendung von 200 Soldaten angekündigt und eine weitere Verstärkung in Aussicht gestellt.

Annan rief Israel zu einer sofortigen Aufhebung der gegen den Libanon verhängten Luft- und Seeblockade auf. Hunderttausende Libanesen müßten dringend mit Hilfsgütern versorgt werden, sagte Annan. Die Beigeordnete Generalsekretärin für humanitäre Angelegenheiten, Margareta Wahlstrom, sagte dem UN-Sicherheitsrat, die enormen Schäden an Straßen und Brücken durch israelische Luftangriffe stellten das größte Hindernis für Hilfslieferungen dar. Die israelischen Streitkräfte haben angekündigt, die Blockade aufrecht zu erhalten, um Waffenlieferungen an die Hizbullah-Miliz zu unterbinden.

Die jordanische Fluggesellschaft Royal Jordanian nahm unterdessen ihre täglichen Verbindungen nach Beirut wieder auf. Sprecher Basil Kilani wollte sich nicht dazu äußern, ob Israel die Flüge genehmigte. Bereits am Donnerstag waren die ersten Passagierflugzeuge seit Verhängung der Luftblockade am 12. Juli in Beirut gelandet.

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