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Kommentar zu Cyber-Attacken : Putins digitale Truppen

Der russische Präsident Wladimir Putin Ende September in Baku Bild: AP

Wenn die Niederlande sagen, sie hätten russische Hacker erwischt, lässt sich das nicht nachprüfen. Plausibel ist es trotzdem. Dennoch bringt es wenig, Moskau immer wieder öffentlich den schwarzen Peter zuzuschieben.

          Für die Öffentlichkeit ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sich ein objektives Bild über den verdeckten Cyber-Krieg zu machen, den das digitale Zeitalter hervorgebracht hat. Geheimdienstarbeit ist von Natur aus geheim, und wenn sie im Internet stattfindet, dann weiß selbst der Angegriffene oft nicht, von wem er gehackt wurde.

          Wenn nun also die Niederlande sagen, sie hätten russische Hacker erwischt, oder die Briten sagen, der russische Militärgeheimdienst führe großangelegte Cyber-Operationen in aller Welt, dann lässt sich das nicht nachprüfen. Allerdings erscheint es durchaus plausibel, denn Ziele etwa in der Ukraine oder im Weltsport passen zu russischen Interessen. Auch der OPCW in Den Haag dürfte Moskau wegen des Falls Skripal besondere Aufmerksamkeit schenken.

          Ein vierter Einsatzraum

          Ist Russland deshalb ein „Pariastaat“, wie der britische Verteidigungsminister meint? Die Unschuld vom Lande sind Putins digitale Truppen sicher nicht, aber sie stehen beileibe nicht allein auf dem virtuellen Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts. Auch westliche Länder betreiben viel Cyber-Spionage, wie unter anderem die NSA-Affäre vor ein paar Jahren gezeigt hat.

          Militärisch gesprochen ist der Cyber-Space einfach ein zusätzlicher, vierter Einsatzraum neben Land, Luft und See geworden. Neu ist nur, dass hier auch zu Friedenszeiten ständig „gekämpft“ wird. Alleine in Deutschland finden täglich Tausende Hackerangriffe auf Unternehmen und staatliche Einrichtungen statt. Die dürften zu einem erheblichem Teil auswärtigen Diensten zuzuschreiben sein, und zwar nicht nur russischen.

          Es bringt also nicht viel, Moskau immer wieder öffentlich den schwarzen Peter zuzuschieben. In erster Linie muss sich der Westen darum kümmern, dass er auch auf diesem Feld über angemessene Verteidigungsmittel verfügt. Die Nato hat das immerhin erkannt.

          Keinen Zweifel kann es daran geben, dass die Beziehungen zwischen Russland und vielen westlichen Staaten schwer belastet sind. Mit Aufrufen, sich an „globale Werte und Regeln“ zu halten, wird man da nicht weit kommen, schon alleine, weil die Vereinigten Staaten sich auch immer weniger um diese scheren. Im Umgang mit Moskau hilft im Augenblick nur Realpolitik: Zusammenarbeit, wo es möglich ist, Eindämmung, wo es nötig ist.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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