29.05.2007 · Russland hat die Vereinigten Staaten, China und Indien dazu aufgerufen, die Klimaschutzziele der EU zu unterstützen. Putins Beauftragter für den G-8-Gipfel plädiert in der F.A.Z. für den massiven Ausbau der Atomkraft.
Russland hat Amerika, China und Indien dazu aufgerufen, die Klimaschutzziele der EU zu unterstützen. Igor Schuwalow, G-8-Sherpa und persönlicher Beauftragter von Präsident Putin für Weltwirtschaftsgipfel, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sein Land wolle sich selbst an die Vorgaben halten.
Dazu gehöre jedoch auch der massive und weltweite Ausbau friedlicher Atomkraftnutzung. Russland halte deshalb die deutsche Ausstiegspolitik für falsch.
Schuwalow hat wenig Hoffnung, dass der G-8-Gipfel in Heiligendamm zu konkreten Ergebnissen führt. „Es wäre ein Irrtum, konkrete Ergebnisse von diesem G-8-Gipfel zu erwarten“, sagte Schuwalow der F.A.Z. „Das Format dieses Treffens ist nicht so, dass am Ende Beschlüsse gefasst werden.“
Dennoch könne ein „informeller Gedankenaustausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ohne den Zwang, hinterher etwas beschließen zu müssen“ das gemeinsame Verantwortungsbewusstsein stärken. „Wir unterstützen die Position der EU, dass Klimaschutz ernsthaft betrieben werden muss“, sagte der russische G-8-Sherpa.
„Atomkraft die beste Antwort“
„Wir haben das Kyoto-Protokoll ratifiziert und wir werden unsere Pflichten bis zum Jahr 2012 erfüllen. Wir werden besprechen, wie es danach weiter geht. Wir wünschen, dass sich Amerika, China, Indien und andere große Staaten diesen Weg mitgehen.“
Russland werde die Nuklearenergie „sehr stark vorantreiben“, kündigte Schuwalow an. „Russland wird binnen der nächsten zehn Jahre seine Stromproduktion verdoppeln müssen. Wenn wir verantwortungsvoll mit dem CO2-Ausstoss umgehen wollen, ist die beste Antwort Atomkraft“, sagte Putins Berater.
Russland hat heute 30 Atomkraftwerke. „Spätestens bis zum Jahr 2030 sollen 26 weitere Atomkraftwerke in Russland gebaut werden. Insgesamt wird es in zehn Jahren schätzungsweise 200 bis 300 neue Atomkraftwerke auf der Erde geben.“
Moskau setzt auf deutsches Know-how
Er forderte Deutschland auf, sich an dem Ausbau der Atomkraft zu beteiligen. „Die deutsche Wissenschaft ist führend auf dem Gebiet der Nuklearenergie. Ohne deutsche Hilfe würde der Ausbau friedlich genutzter Atomkraft sehr schwierig.“
Schuwalow warf den Deutschen vor, dass der Atomproblematik „nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird“. Deutschland hätte zur globalen Entwicklung mit seinem atomwissenschaftlichen Know-how „enorm viel beizutragen“. Deshalb verwundere es, dass die deutsche Öffentlichkeit offenbar mehrheitlich so strikt gegen Atomkraft sei. „Der Ausstieg im eigenen Land wird doch die globale Entwicklung nicht aufhalten“, sagte Schuwalow.
Russland und Deutschland müssen Partner sein bei der Entwicklung von Atomenergie auf der Basis bestehender, oft deutscher Technologie. Wir müssen auf diesem Gebiet einen großen Sprung wagen, der nur gemeinsam geht.“