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Von Jerusalem nach Qubeibeh Jesus käme nicht bis Emmaus

In dem Land, in dem Jesus Wunder wirkte, scheitert man heute am kleinen Grenzverkehr. Zwischen Jerusalem und Qubeibeh, wo zwei Jünger den Auferstandenen trafen, bleibt der Checkpoint für jüdische Israelis und Palästinenser ohne Passierschein geschlossen.

© AFP Vergrößern Für Pilger gilt die Regel nicht: Sie dürfen auch ohne Sondergenehmigung den Kontrollpunkt passieren.

Nach den ergiebigen Winterregen bedeckt hohes Gras die steinigen Abhänge. Rote Anemonen blühen unter den silbrig glänzenden Blättern der Olivenbäume. Die zwei wandernden Männer sind so sehr ins Gespräch vertieft, dass sie die Boten des Frühlings gar nicht bemerken. Irgendwo hier, auf dem Weg zwischen Jerusalem und dem palästinensischen Dorf Qubeibeh, könnte sich Jesus zu den zwei traurigen Jüngern gesellt haben. Erst in Emmaus erkannten die beiden den Auferstandenen. So steht es im Lukas-Evangelium.

Heute kämen Jesus und die Jünger wohl nicht bis nach Emmaus. Oben auf der Höhe durchschneidet Stacheldraht die üppige Frühlingsvegetation. Dahinter erhebt sich der hohe Zaun, der Israel von den Palästinensergebieten trennt. Kameras und Sensoren registrieren jeden, der sich ihm nähert. „Jahr für Jahr konnte ich sehen, wie die Sperranlage wuchs, bis der Weg blockiert war“, erinnert sich Bruder Gregor. Der deutsche Franziskaner, der Pilger nach Emmaus führt, ließ sich davon nicht entmutigen. Er fand eine Ausweichroute durch das Samuelstal.

Am Ostermontag sollen die Soldaten eine Ausnahme machen

Gregor Geiger kennt die Gegend. Seit 13 Jahren lebt er in Jerusalem. Wenn ihm die Zeit bleibt, streift er seine Ledersandalen über die nackten Füße und wandert durchs palästinensische Westjordanland. Neben einer Landkarte hat er meist auch die Bibel dabei. „Es gibt mehrere Orte, bei denen es sich um das biblische Emmaus handeln könnte. Laut dem Evangelisten Lukas liegt es sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Das entspricht den knapp zwölf Kilometern nach Qubeibeh“, erläutert der Pater in der braunen Kutte; Stadien sind eine alte Maßeinheit. Für seinen Orden ist das Palästinenserdorf das wahre Emmaus und deshalb schon seit langer Zeit ein wichtiger Pilgerort.

Nach gut zwei Stunden sind auf Bruder Gregors neuer Route die ersten Häuser von Emmaus-Qubeibeh zu sehen. Neben dem Kontrollpunkt der israelischen Armee wacht ein Turm über die kleine Lücke im Zaun, den die israelische Regierung errichtete, um Terroristen den Weg zu versperren. Mit einer Sondergenehmigung dürfen die Palästinenser aus dem Nachbardorf Beit Iksa passieren. Als die Abriegelung fertig war, lag ihr Ort auf der israelischen Seite: Ihre Verwandten, ihre Felder und die nächste Stadt, Ramallah, wohin sie zum Einkaufen oder zum Arzt gehen, waren plötzlich hinter dem Zaun.

Qalandia Israeli checkpoint between Jerusalem and Ramallah. Ramalah. palalestinian Authority. © Eitan Simanor Vergrößern Schutz gegen Terror: Kontrollpunkt zwischen Jerusalem und Ramallah

Für die Pilger gilt diese Regelung nicht. Bruder Gregor hofft, dass die schwerbewaffneten Soldaten am Ostermontag wieder eine Ausnahme für die Gruppe machen, die er jedes Jahr an dem Feiertag aus Jerusalem nach Emmaus führt. Nach einigen Telefonaten und einem Blick in die ausländischen Pässe öffnete sich bisher immer die Schranke. Für Israelis und Palästinenser ohne Passierschein bleibt sie dagegen geschlossen. Jesus und seine Jünger hätten am Checkpoint von Ras Biddu wohl keine Chance gehabt. Sie hätten es von dort aus nicht zum gemeinsamen Abendbrot in Emmaus geschafft: Der einzige verbleibende Weg nach Qubeibeh ist mindestens doppelt so lang und gleicht einem Hindernislauf.

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