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Volksabstimmung : Schweizer wollen Atomkraftwerke nicht schnell abschalten

  • Aktualisiert am

Wird jetzt erst einmal weiter laufen: das Kernkraftwerk Beznau in der Schweiz Bild: dpa

Die fünf Atomkraftwerke in der Schweiz werden nicht vorzeitig vom Netz genommen: In einer Volksabstimmung hat eine überraschend große Mehrheit der Eidgenossen eine entsprechende Initiative abgelehnt.

          Schon am frühen Nachmittag war in der Schweiz klar, was sich seit dem Vormittag immer mehr abgezeichnet hatte: Die fünf Atomkraftwerke des Alpenlandes werden nicht vorzeitig stillgelegt. In einer Volksabstimmung lehnte eine überraschend große Mehrheit von 54,2 Prozent eine Initiative der Grünen Partei (GPS) ab, die einen sofortigen „geordneten Ausstieg aus der Atomenergie“ vorgesehen hatte. Für die Atomausstiegsinitiative votierten 45,8 Prozent der Eidgenossen.

          Danach hätte die Laufzeit aller fünf Atomkraftwerke des Landes auf 45 Jahre beschränkt werden sollen. Bis spätestens 2029 hätten alle AKWs damit vom Netz müssen. Für drei der ältesten Atomkraftwerke der Welt – darunter zwei in unmittelbarer Nähe zu Baden-Württemberg – wäre schon im nächsten Jahr das Aus gekommen. Doch schon in ersten Hochrechnungen bekam die Initiative nur 45 Prozent der Stimmen, 55 Prozent stimmten dagegen. Auch war schon früh klar, dass die Mehrheit der Kantone die Pläne abgelehnt hatte. Damit scheitert die Ausstiegsinitiative schon allein am „Ständemehr“. 

          Die 1969 sowie 1971 fertiggestellten AKW Beznau 1 und Beznau 2 liegen weniger als zehn Kilometer Luftlinie von der Südgrenze Deutschlands entfernt. Auch das Atomkraftwerk Mühleberg in der Nähe von Bern hatte 2017 vom Netz genommen werden müssen, die zwei weiteren Schweizer AKW bis spätestens 2029. Beznau 1 war der erste Atommeiler der Schweiz und ist das älteste noch in Betrieb befindliche Kernkraftwerk der Welt.

          Ausstieg generell beschlossen, aber nicht, wie

          Dass sich nach Deutschland auch die Schweiz über kurz oder lang vom Atomstrom verabschieden wird, ist seit der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 grundsätzlich klar. Auch die Schweizer Regierung beschloss damals den Ausstieg – nur wann und wie, wurde nicht geklärt. Nach dem gescheiterten Referendum vom Sonntag wird diese Frage die Schweizer Politik nun weiter beschäftigen.

          Atomkraftwerk Mühleberg: Vor dem Referendum hatten Umfragen eigentlich leichte Vorteile für die Befürworter der Ausstiegsinitiative gesehen – das hat sich jetzt als Irrtum erwiesen.
          Atomkraftwerk Mühleberg: Vor dem Referendum hatten Umfragen eigentlich leichte Vorteile für die Befürworter der Ausstiegsinitiative gesehen – das hat sich jetzt als Irrtum erwiesen. : Bild: dpa

          Die Befürworter des Referendums weisen auf das hohe Alter der Schweizer Reaktoren und das Risiko von Atomunfällen hin. Ein geordneter Ausstieg würde den Anbietern von erneuerbaren Energien helfen, argumentieren sie. Die Regierung warnt, dass ein vorschneller Ausstieg Importe ausländischen Atom- und Kohlestroms notwendig machen würde. Zudem fürchtet Bern Entschädigungsforderungen der AKW-Betreiber.

          In den Umfragen hatte sich zuletzt ein leichter Vorteil für die Abschaltungsbefürworter an. In einer Erhebung vom 16. November gaben 33 Prozent der Befragten an, für die Ausstiegs-Initiative zu sein, 32 Prozent waren dagegen. Der Rest der Befragten hatte sich noch keine eindeutige Meinung gebildet – an diesem Sonntag, in der Wahlkabine, haben sich offenkundig viele in letzter Minute gegen einen schnellen Atomausstieg entschieden.

          Quelle: oge./dpa

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