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Völkermord-Prozess Karadzic leugnet Massaker von Srebrenica

02.03.2010 ·  Am zweiten Tag seiner Verteidigung hat Radovan Karadzic bestritten, dass in Srebrenica Tausende muslimischer Jugendliche von serbischen Milizen getötet wurden. Das sei ein Mythos, sagte der angeklagte frühere bosnisch-serbische Präsident.

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Der wegen Völkermordes angeklagte frühere Präsident der bosnisch-serbischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, hat bestritten, dass bosnisch-serbische Truppen jemals ein Massaker in Srebrenica verübt haben. Alle Berichte über Massenmorde an Muslimen in der damaligen UN-Schutzzone seien „maßlos übertrieben“ und beruhten zudem auf unbewiesenen Behauptungen, sagte Karadzic am Dienstag vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.

Das Massaker von Srebrenica gilt allgemein als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Reaktion auf muslimische Angriffe

In Wirklichkeit hätten die Serben im Juli 1995 in der Gegend von Srebrenica lediglich auf Angriffe von muslimisch-bosnischen Kampfgruppen reagiert. Bei den Auseinandersetzungen seien „höchstens 2000 bis 3000“ bosnische Muslime getötet worden, „aber keineswegs 8372, wie dies auf einem Gedenkstein behauptet wird“. Zudem sei es nichts weiter als bösartige Propaganda, zu behaupten, dass die Serben in Srebrenica auch junge Männer grundlos erschossen hätten. „Das waren Kämpfer im Alter von etwa 16 Jahren.“ Die Staatsanwaltschaft wirft dem damaligen Präsidenten der bosnischen Serbenrepublik vor, neben dem immer noch flüchtigen serbischen General Ratko Mladic die Hauptverantwortung für das Massaker von Srebrenica zu tragen. Zuvor war das Verbrechen von den Vereinten Nationen sowie vom Internationalen Gerichtshof als Völkermord eingestuft worden.

Nach UN-Angaben eroberten bosnisch-serbische Truppen die von Muslimen bewohnte UN-Schutzone am 11. Juli 1995. Ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelmsoldaten überließ die Stadt den Angreifern kampflos. Wenige Tage später wurden nach diesen Angaben rund 8000 überwiegend männliche Muslime von den Serben abgeführt, erschossen und in Massengräbern verscharrt.
Karadzic behauptete nun, viele der später ausgegrabenen Leichen seien vermutlich aus anderen Konfliktgebieten eigens in die Gegend gebracht worden. Er verlangte eine völlig neue Untersuchung, die sich unter anderem auf DNA-Analysen stützen müsse. Serben hätten nur dann Gegner getötet, wenn sie von diesen attackiert wurden. Im Gegensatz zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft habe er seinerzeit sogar eindeutige Befehle gegeben, „keine Rachemorde an Muslimen zuzulassen“.

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