18.04.2008 · Pekinger Universitäten bestreiten, dass ihre ausländischen Studenten während den Olympischen Spielen das Land verlassen müssen. Eine Sprecherin bezeichnete eine entsprechende Nachricht als ein Gerücht. Eine solche Anordnung gebe es nicht.
Pekinger Universitäten haben am Freitag bestritten, dass ihre ausländischen Studenten im Sommer das Land verlassen müssen und erst im September wieder zurückkommen dürfen. Hochschulsprecher in Peking sagten, ihnen sei eine entsprechende Anordnung nicht bekannt.
Eine Sprecherin der Peking-Universität bezeichnete die Nachricht als ein Gerücht. Auch die Stadtverwaltung bestritt die Existenz einer solchen Anweisung für ausländische Studenten.
Zutreffend sei, dass die Hochschulen in Peking in diesem Jahr zwei Wochen eher als üblich in die Sommerferien gehen. Das geschehe zum einen, um den Verkehr in Peking zu entlasten und zum anderen, weil viele chinesische Studenten als freiwillige Helfer bei den Olympischen Spielen im Einsatz seien.
Verschärfte Visumsbestimmungen
China hat in den vergangenen Tagen die Visumsbestimmungen für Ausländer verschärft. So werden nach Angaben von Reisebüros keine Visa für die Mehrfacheinreise mehr ausgegeben. Auch für Beantragung von einfachen Visa für Touristen gibt es mehr Vorschriften.
Inoffiziell wird dies mit Sicherheitsmaßnahmen für die Olympischen Spiele begründet. Ausländische Geschäftsleute hatten sich über die neuen Bestimmungen beschwert, da damit kurzfristig angesetzte Reisen nach China fast unmöglich werden.
Pekinger Repräsentanzen ausländischer Unternehmen melden eine Flut von Anfragen zu Visumsfragen von Geschäftsleuten aus dem Ausland, die sie mangels Informationen nicht beantworten können. Da es keine offiziellen Verlautbarungen gibt, kursieren es in Peking viele Gerüchte über mögliche neue Einreisebeschränkungen. (Siehe auch: Olympia: China schränkt Visa für Geschäftsleute ein)
„Keine neue Rechtsvorschriften“
Das Auswärtige Amt in Berlin verwies am Freitag darauf, dass die chinesischen Behörden aus Sicherheitsgründen nun mehr Dokumente verlangten als bisher. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, ungeachtet der schärferen Prüfung von Visa-Anträgen handele es sich nicht um neue Rechtsvorschriften Chinas. Auch die bestehenden Regeln für Studentenvisa blieben in Kraft.
Nachfragen der deutschen Botschaft in Peking bei drei Ministerien hätten ergeben, dass die Hochschüler während der Spiele im August im Land bleiben dürften. Sie müßten jedoch eine Bescheinigung ihrer Universität vorlegen, daß sie für das nächste Studienjahr eingeschrieben seien.
Auch das chinesische Bildungsministerium widersprach Berichten, wonach ausländische Studenten das Land während der Spiele verlassen müssen.
„Nicht überreagieren“
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mahnte zur Gelassenheit und warnte vor einer Dramatisierung der Vorgänge. „Es ist überhaupt nicht sachdienlich, wenn wir hier in irgendeiner Form überreagieren, genauso wie es nicht sachdienlich wäre, wenn China überreagiert“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.
Im Einzelfall sei es für Geschäftsleute ärgerlich und belästigend, wenn China neue bürokratische Hürden aufbaue.
Bei deutschen Konzernen wie BASF oder dem Autozulieferer Bosch hieß es, die Mitarbeiter seien auf längere Bearbeitungs- und Wartezeiten eingestellt. Noch gebe es keine Auswirkungen. Bei Daimler hieß es, es seien Beeinträchtigungen aufgetreten, jedoch erst in jüngster Zeit. Es sei daher noch nicht absehbar, welche Auswirkungen diese hätten.
Ein Bayer-Sprecher sagte: „Wir bekommen weiterhin alle Visa in die Volksrepublik China, die wir benötigen.“ Volkswagen erklärte, man könne derzeit keine Visa-Einschränkungen bei China-Reisen feststellen.