http://www.faz.net/-gpf-ziwv

Verteidigungsminister Robert Gates : „Die Nato hat eine trübe Zukunft“

Der scheidende amerikanische Verteidigungsminister Gates nach seiner Rede in Brüssel Bild: REUTERS

Der scheidende amerikanische Verteidigungsminister Gates hat die meisten Nato-Staaten in wegen zu geringer militärischer Anstrengungen kritisiert. Die Nato sei inzwischen „zweigeteilt“ - und habe eine trübe Zukunft, wenn sich die Europäer nicht mehr beteiligten.

          Der scheidende amerikanische Verteidigungsminister Gates hat sich mit pessimistischen Äußerungen über die Zukunft der Nato und offener Kritik an den Europäern von der politischen Bühne verabschiedet. In Brüssel sagte Gates am Freitag, die Allianz sehe einer „trüben und düsteren Zukunft“ entgegen, wenn die Europäer nicht mehr täten.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Früher habe er davon gesprochen, dass die Nato Gefahr laufe, in zwei Teile zu zerfallen - Verbündete, die sich auf „weiche“, humanitäre Friedens- und Entwicklungsmissionen spezialisierten und solche, die „harte“ Kampfeinsätze übernähmen. „Das ist nicht mehr eine hypothetische Sorge. Heute ist das Realität, und das ist inakzeptabel.“

          „Schon wird bei vielen Alliierten die Munition knapp“

          Gates beklagte, dass sich in Afghanistan gezeigt habe, dass die Nato trotz zwei Millionen nichtamerikanischer Soldaten Probleme habe, 25.000 bis 45.000 Mann in den Einsatz zu schicken und sie nicht über die nötige Ausrüstung verfüge, von Hubschraubern bis zu Aufklärungsmitteln. Im Fall Libyens hätten zwar alle Verbündeten für den Einsatz gestimmt, aber weniger als die Hälfte beteilige sich und weniger als ein Drittel sei bereit, an den Luftschlägen mitzuwirken.

          Libyen : Hunderte Tote bei Nato-Angriffen?

          Das liege nicht nur an mangelndem politischem Willen, sondern auch daran, dass vielen Alliierten die Ausrüstung fehle. „Die mächtigste Militärallianz der Geschichte befindet sich gerade einmal seit elf Wochen in einer Operation gegen ein schlecht ausgerüstetes Regime in einem dünn besiedelten Land - und schon wird bei vielen Alliierten die Munition knapp, so dass die Vereinigten Staaten wieder einmal aushelfen müssen.“

          Gates wies darauf hin, dass Amerika während des Kalten Krieges 50 Prozent der Verteidigungsausgaben in der Nato getragen habe; heute seien es 75 Prozent. Angesichts der schwierigen Haushaltslage werde der Kongress und die gesamte politische Klasse in Amerika immer weniger bereit sein, Geld für Länder auszugeben, die keinen Willen zeigten, die nötigen Ausgaben zu tätigen, sagte er unter Verweis auf die schrumpfenden Verteidigungsetats in Europa. „Letzten Endes muss jeder Verbündete seinen gerechten Anteil an der gemeinsamen Verteidigung übernehmen“, sagte Gates.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Großbritanniens Fischer und der Brexit Video-Seite öffnen

          Ungewisse Zukunft : Großbritanniens Fischer und der Brexit

          Für die britischen Fischer ist der Brexit eine große Hoffnung. Sie wollen die Fischgründe 12 Seemeilen vor der britischen Küste wieder exklusiv für sich haben. Die holländischen Kollegen warnen dagegen vor einem Kampf um den Fisch.

          Hariris lange Heimkehr

          Libanon-Krise : Hariris lange Heimkehr

          Dank der Bemühungen Frankreichs konnte der Libanese Hariri Riad zwar verlassen. Doch seine Rückkehr ins Amt ist schwer vorstellbar. Und ein deutscher Minister sorgt in Paris für Verstimmung.

          Topmeldungen

          Marcel H. schlachtete seine Opfer regelrecht ab. Anschließend prahlte er damit im Internet.

          Gerichtsmedizin : Was geht in diesem Kopf vor?

          Ein Zwanzigjähriger steht wegen Doppelmordes vor Gericht. Jetzt soll sein Hirn durchleuchtet werden. Hilft das weiter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.