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Versenkter Frachter Peking verlangt Aufklärung von Moskau

19.02.2009 ·  Nach einer Verfolgungsjagd in russischen Gewässern, bei der ein chinesischer Frachter offenbar versenkt wurde, hat die Pekinger Regierung Aufklärung über den Vorfall verlangt. Acht Besatzungsmitglieder wurden dabei gegetötet.

Von Till Fähnders, Peking
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Die russische Marine hat nach einer Verfolgungsjagd in russischen Gewässern einen chinesischen Frachter schwer beschossen und offenbar versenkt. Die Pekinger Regierung verlangte Aufklärung über den Vorfall, bei dem acht Besatzungsmitglieder getötet wurden.

Der Frachter „New Star“ war seit Anfang Februar wegen einer Auseinandersetzung über die Qualität der Ladung in dem russischen Hafen Nachodka festgehalten worden, wie die russische und chinesische Presse berichteten. Am Donnerstag vergangener Woche habe der Frachter dann ohne Erlaubnis der Behörden den Hafen verlassen.

Mehr als 500 Schuss auf Frachter

Der Kapitän sei mehrmals vergeblich aufgefordert worden, den Frachter zu stoppen. Nach einer Verfolgungsjagd sei das Schiff schließlich von zwei Grenzpatrouillen unter Beschuss genommen worden. Mehr als 500 Mal habe die russische Marine aus schweren Geschützen und Maschinengewehren auf den Frachter gefeuert, der damit zur Umkehr gezwungen wurde, wie die chinesische „Global Times“ berichtete.

Ein Seemann sei demnach noch an Bord durch die Schüsse getötet worden, schrieb „Global Times“, was in anderen Berichten aber zunächst nicht bestätigt wurde. Der Rumpf des Frachters sei durch die Schüsse so beschädigt worden, dass Meerwasser einfließen konnte. Auf dem Rückweg in den Hafen nicht weit der chinesisch-russischen Grenze sei der Frachter, der unter der Flagge Sierra Leones unterwegs war, in der Nacht zum Sonntag schließlich untergegangen.

Die genaueren Umstände des Vorfalls waren erst am Donnerstag bekannt geworden. Von den Schüssen war in der russischen Berichterstattung zunächst nichts veröffentlicht worden, wie die „Global Times“ höhnisch bemerkte. In einer Stellungnahme bezichtigte der Hongkonger Eigentümer der J-Rui Lucky Shipping Company die Marine einer „Mordtat“. Die Grenzpatrouille habe „mehrere Stunden lang“ auf den Frachter geschossen.

Schmuggelgeschäfte zurückgewiesen

Eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums forderte Russland dazu auf, alles für die Rettung möglicher Überlebender zu unternehmen. Den Berichten nach hatten sich 16 Besatzungsmitglieder auf zwei Rettungsboote verteilt, von denen aber nur die Hälfte gerettet werden konnte. Der Hongkonger Eigentümer warf der russischen Patrouille vor, den Schiffbrüchigen nicht früh genug zur Hilfe gekommen zu sein. Russische Darstellungen, wonach der Frachter in Schmuggelgeschäfte verwickelt gewesen sei, wies er als falsch zurück.

Das Schiff sei an die Tongyu-Schifffahrtsgesellschaft im ostchinesischen Zhejiang verliehen. Es habe Ende Januar fast fünf Tonnen Reis von Thailand in den russischen Hafen gebracht. Der russische Käufer habe den Reis aber aus Qualitätsgründen nicht angenommen. Der russische Schiffsagent habe zudem nicht bei den Verfahren für das spätere Auslaufen des Schiffes geholfen. Die Gesellschaft habe den Kapitän daraufhin angewiesen, ohne Erlaubnis den Hafen zu verlassen. Der Ort an dem der Frachter schließlich unterging, lag nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti etwa 80 Kilometer von dem Hafen entfernt.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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