05.05.2009 · Die Ehekrise der Berlusconis könnte nahtlos in eine solche der Regierung einmünden. Oppositionsführer Franceschini ist sich sicher: Italien wäre mit einem Schlag befreit - von einem untreuen Ehemann und einem Diktator.
Von Heinz-Joachim Fischer15 Jahre nach ihrem Ehemann geht auch Veronica Lario in die Politik. Wie der Mailänder Medien-Milliardär Silvio Berlusconi Anfang 1994 einer überraschten Öffentlichkeit mitteilte, er wolle seinen Geschäftsbereich erweitern und sich künftig als politischer Chef eines großen Bündnisses der rechten Mitte um die Republik Italien kümmern, so beschlagnahmt nun seine Frau das Interesse der Italiener - gegen Berlusconi. Einfach dadurch, dass sie Trennung und Scheidung von ihm begehrt.
Der Oppositionsführer Franceschini, erst seit Februar Politischer Sekretär der linksmoderaten „Demokratischen Partei“ (PD), witterte sofort die Bedeutung einer solchen Absage an Berlusconi und suchte alle Gegner des Ministerpräsidenten unter Veronicas Fahne zu sammeln. Wer könnte den Regierungschef, der vor einem Jahr die Parlamentswahlen gewann und ein festes Kabinett ohne Probleme bildete, leichter zur Strecke bringen als die eigene Ehefrau? Die Ehekrise der Berlusconis könnte nahtlos in eine solche der Regierung einmünden; Italien wäre befreit, mit einem Schlag von einem untreuen Ehemann und einem Diktator, so Franceschini sinngemäß.
Alles Schlechte kommt für Berlusconi von links
Da für den italienischen Ministerpräsidenten alles Schlechte von links kommt, waren Veronicas Vorwürfe gegen ihn erstens gänzlich unbegründet und zweitens seiner ansonsten verständigen Veronica von bösen Linken eingeflüstert worden. Denn er, Silvio, sei Ende April in Neapel nur aus reiner Familienfreundschaft zur Geburtstagsparty einer Achtzehnjährigen, einer gewissen Noemi Letizia, gegangen, des Nachts, weil er tagsüber schließlich im Dienst der Nation habe arbeiten müssen, und nicht aus anderen Gründen.
Nur Linke würden dahinter Übles vermuten, so Silvio; er denke nicht daran, sich zu entschuldigen. Veronica solle von ihrem un-rechten, weil linken Umgang lassen! Franceschini forderte nun, der Ministerpräsident möge nicht haltlose Verdächtigungen in die Welt streuen, sondern die Urheber(innen) solcher Falschzüngeleien nennen oder schweigen; keine schlimmere Strafe ist denkbar.
Stets die ganze Bühne
Den Italienern sind sowohl Silvios sexuelle Interessen als auch Veronicas politische Präferenzen bekannt. Die am 19. Juli 1956 in Bologna geborene Miriam Raffaella Bartolini fiel in einem Mailänder Theater als blutjunge, wenig mehr als 20 Jahre alte Schauspielerin dem erfolgreichen, um 20 Jahre älteren Mailänder Unternehmer auf. Beide brachten es fertig, daraus zuerst eine feste Beziehung zu machen, mit den Kindern Barbara (1984 geboren), Eleonora (1986) und Luigi (1988), dann eine Ehe (seit 1990), die zweite für Berlusconi.
Veronica zuliebe ließ er sich scheiden von seiner ersten Frau Carla Elvira Lucia Dall' Oglio, der Mutter seiner Kinder Maria Elvira (1966 geboren) und Pier Silvio (1969). Ihre eher linksliberalen Ansichten waren dem neuen Führer Italiens nicht verborgen geblieben. Ebenso wenig ihre Abneigung, sich an seiner Seite in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit zu repräsentieren. So oder so wollte Silvio Berlusconi stets die ganze Bühne für sich. Nun muss er sie einmal mit Veronica teilen.
Kein Problem der Bühne...
Salvatore Del Vecchio (salva40)
- 06.05.2009, 17:48 Uhr