24.07.2009 · Der amerikanische Präsident Barack Obama hat einem weißen Polizisten unterstellt, er hätte sich bei der Verhaftung des schwarzen Professors Henry Louis Gates „dumm verhalten“. Dafür gerät er jetzt schwer in die Kritik - nicht nur von Seiten der Polizei.
Von Matthias Rüb, WashingtonNach dem Vorwurf Barack Obamas, die Polizei der Universitätsstadt Cambridge habe sich „dumm verhalten“, weil ein weißer Beamter den schwarzen Professor Henry Louis Gates wegen „ungebührlichen Verhaltens“ in dessen eigenem Haus verhaftet hatte, haben sich führende Vertreter der Polizei erstaunt über das Urteil des Präsidenten gezeigt.
Der Vorsitzende des Verbandes „Fraternal Order of Police“, Chuck Canterbury, zeigte sich „sehr besorgt“ über die Äußerung Obamas, obwohl dieser nach eigener Auskunft die Umstände des Vorfalls nur ungenügend kannte. Der Polizeichef von Cambridge, Robert Haas, nahm seinen Beamten James Crowley ausdrücklich in Schutz und sagte, er sei „tief gekränkt“ wegen des Urteils des Präsidenten.
Crowley, der als vorbildlicher Beamter gilt, wies die Forderung Gates' nach einer Entschuldigung zurück. Obama habe sich mit seiner Äußerung „in eine lokale Angelegenheit eingeschaltet, ohne die Fakten zu kennen“. Crowley, der von einem früheren schwarzen Vorgesetzten beauftragt worden war, Polizeioffiziere zur Vermeidung rassistischer Vorurteile zu unterrichten, sieht sich seinerseits als Opfer einer Verleumdung: Gates habe ihn fortgesetzt des Rassismus bezichtigt und lautstark beschimpft, nur weil er auftragsgemäß auf den Notruf einer Nachbarin wegen eines vermuteten Einbruchs reagiert habe. Gates und ein schwarzer Taxifahrer waren von der Frau dabei beobachtet worden, wie sie die verklemmte Tür des Eigenheims des Professors aufbrachen. Die Polizei erwägt die Veröffentlichtung des Funkverkehrs Crowleys mit der Zentrale, auf der die Beschimpfungen durch Gates zu hören sind.
Warnung vor übereilten Urteilen
Der schwarze Wirtschaftsprofessor Boyce Watkins ergriff Partei für die Polizei und warnte vor übereilten Urteilen. Man müsse in Betracht ziehen, dass sich Gates seinerseits rassistisch geäußert habe, weil er den weißen Beamten umstandslos als Rassisten beschimpft habe, obschon sich dieser offenbar korrekt und höflich verhalten habe.
Zudem könne man nicht ausschließen, dass Gates dem Polizisten gegenüber seine überlegene soziale Position herausgestrichen habe. Im Polizeibericht heißt es, Gates habe Crowley angeschrien, dieser wisse offenbar nicht, „mit wem er sich anlegt“, der Beamte werde noch „von mir hören“. Der von Obama angeheizte Streit um den Vorfall droht inzwischen sogar die Debatte über die Reform des Gesundheitswesens in den Schatten zu stellen.
Spontane Meinungsäusserung
Ingo Hertrich (hertrich)
- 24.07.2009, 19:44 Uhr
Unprofessionell -
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 24.07.2009, 19:54 Uhr
Aha-Erlebnisse
Stan Kowalski (Naschfreudiger)
- 24.07.2009, 20:28 Uhr
Ich kann darüber nur den Kopf schütteln
Sepp Söllner (Steurzahler2009)
- 24.07.2009, 20:42 Uhr
Die eigentlich interessante Frage ist doch:
Frank Muschalle (Royalflush)
- 24.07.2009, 21:47 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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