Home
http://www.faz.net/-gq5-764ca
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Vergewaltigungsprozess in Indien Einer der Verdächtigen war nicht volljährig

Eine erste Entscheidung im Prozess gegen die mutmaßlichen Vergewaltiger der indischen Studentin ist gefallen: Einer der Verdächtigen soll dem Jugendstrafrecht unterliegen.

© dpa Vergrößern Demonstranten in Neu Delhi

Im Fall der tödlichen Vergewaltigung einer jungen Studentin in Indien ist eine erste Entscheidung gefallen. Ein Jugendgericht in der indischen Hauptstadt Delhi bescheinigte am Montag einem Verdächtigen, zum Zeitpunkt der Tat nicht volljährig gewesen zu sein. Vielmehr sei er am Montag gerade einmal 17 Jahre, sechs Monate und 24 Tage alt. Damit drohen dem Beschuldigten bei einer Verurteilung maximal drei Jahre Gewahrsam. Gemäß Paragraph 15g des indischen Jugendstrafrecht können Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren höchsten für drei Jahre in den Spezialheim eingewiesen werden und kommen anschließend auf Bewährung frei.

Das Gericht beruft sich bei seiner Entscheidung auf alte Schulunterlagen. Diese würden belegen, dass der Jugendliche am 4. Juni 1995 geboren wurde. Der Angeklagte soll über keine Geburtsurkunde verfügen. In Indien ist das keine Seltenheit, in solchen Fällen werden üblicherweise Schulunterlagen als Altersnachweis verwendet. Das Jugendgericht hat zudem entschieden, dass ein Knochentest zur exakten Bestimmung des Alters nun nicht mehr nötig sei.

Beschuldigter galt als besonders brutal

Der Vater der getöteten Studentin kritisierte das Gerichtsurteil. „Ich kann das nicht glauben“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Sehen sie denn nicht, was sie getan haben?“ Auch der Bruder der Toten ist entsetzt über die Entscheidung. „Das ist falsch. Wir brauchen einen Knochentest, um das richtige Alter des Verdächtigen festzustellen.“ In Bezug auf die vorgelegten Schuldokumente sprach er von Betrug. „Wir als Familie sind nicht bereit zu akzeptieren, dass einer der Haupttäter lediglich eine Haftstrafe von drei Jahren erhält.“

Die Zeitung „Times of India“ berichtet, dass der Beschuldigte im Polizeibericht als der brutalste der sechs Angeklagten beschrieben werde. Gegenüber dem Nachrichtensender NDTV forderte der Bruder: „Wir wollen, dass alle sechs Beschuldigten hängen.“ Die Staatsanwaltschaft kündigte Einspruch gegen die Entscheidung des Jugendgerichts an.

Bei der Anhörung vor dem Hauptgericht äußerten sich die Anwälte der fünf volljährigen Verdächtigen zur Anklageschrift. Die Verteidigung kündigte an, auf unschuldig zu plädieren. Ein Verdächtiger behaupte zudem, von der Polizei gefoltert worden zu sein. Einen Antrag auf Prüfung, ob ein weiterer Beschuldigter zum Zeitpunkt der Vergewaltigung ebenfalls minderjährig gewesen sei, lehnte das Gericht ab. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits in der vergangenen Woche ihre Punkte vorgebracht. Nun muss das Gericht entscheiden, welche Anklagepunkte zugelassen werden. Erst danach kann der eigentliche Prozess beginnen. Ein Datum dafür steht weiterhin nicht fest.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwurf der Vergewaltigung Karl Dall muss vor Gericht

Eine Frau beschuldigt den Komiker Karl Dall, sie in einem Hotel in Zürich zum Sex gezwungen haben. Dall weist den Vorwurf zurück. Jetzt muss er vor Gericht. Mehr

23.09.2014, 15:33 Uhr | Gesellschaft
Pistorius-Prozess geht in die entscheidende Phase

Nach einer zweiwöchigen Verhandlungspause musste sich der wegen Mordes angeklagte Paralympics-Star Oscar Pistorius am Montag wieder vor Gericht verantworten. Der Prozess geht damit voraussichtlich in seine letzte Phase. Mehr

05.05.2014, 12:58 Uhr | Gesellschaft
Magnotta-Prozess in Kanada Er hat auch eine mitfühlende Seite

In Montreal steht der in Berlin gefasste Zerstückler Luka Rocco Magnotta vor Gericht. Der frühere Pornodarsteller soll seinen angeblichen Liebhaber getötet und das Verbrechen gefilmt haben. Mehr Von Christiane Heil, Los Angeles

30.09.2014, 14:52 Uhr | Gesellschaft
Auf sie mit Gebrüll!

Im indischen Neu Delhi sind Scharen von Makaken unterwegs, sie gelten als Plage. Um ihrer Herr zu werden, sind dutzende Männer unterwegs, um die Tiere aus Gärten und von Dächern zu vertreiben. Dazu ahmen sie die Laute der Languren nach. Mehr

08.08.2014, 16:41 Uhr | Gesellschaft
Indische Marsmission Ein Land auf der richtigen Umlaufbahn

Indien hat es preiswert zum Mars geschafft. Und fast alle Inder sind mächtig stolz auf die Wissenschaftler ihres Landes. Alle Systeme der Raumsonde funktionieren. Mangalyaan hat nun auch das erste Bild von der Marsoberfläche zur Erde geschickt. Mehr Von Michael Radunski, Delhi

25.09.2014, 15:17 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 20:36 Uhr

Unrechtsstaat

Von Reinhard Müller

Im Zuge der Regierungsbildung in Thüringen wird 25 Jahre nach dem Fall der Mauer wieder eine Frage debattiert, die eigentlich eine rhetorische ist: War die DDR ein Unrechtsstaat? Mehr 16 25