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Verfassungsreferendum Aktivisten melden wieder Verstöße gegen das Wahlrecht

Die Ägypter geben in der zweiten Runde des Referendums ihre Stimme zu dem umstrittenen Verfassungsentwurf ab. Aktivisten melden Verstöße gegen das Wahlrecht, Islamisten sollen versucht haben, Wähler zu beeinflussen.

© AFP Nach der Stimmabgabe: Eine ägyptische Frau taucht ihren Finger in Tinte.

Einen Tag nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Muhammad Mursi hat in Ägypten die zweite Runde des Referendums über den umstrittenen Verfassungsentwurf begonnen. Stimmberechtigt waren rund 25 Millionen Bürger in 17 der insgesamt 27 Provinzen des Landes. In der ersten Runde der Volksabstimmung am vergangenen Samstag hatte sich inoffiziellen Ergebnissen zufolge eine Mehrheit der Wähler für den islamistisch gefärbten Verfassungsentwurf ausgesprochen. Ein Ende der seit Wochen andauernden politischen Krise im Land ist nicht in Sicht.

„Ich bin früh gekommen, um sicher zu gehen, dass mein ,Nein’ zu den ersten von Millionen heute zählt“, sagte der Wähler Mahmud Abdel Asis vor einem Wahllokal im Bezirk Dokki nahe Kairo. „Ich bin hier, um ,Nein’ zu Mursi und seiner Muslimbruderschaft zu sagen.“ Die dreifache Mutter Sahar Mohamed Sakaria war anderer Meinung. Sie wolle Stabilität im Land und werde daher mit ,Ja’ stimmen, sagte sie. Liberale, Säkulare, Christen und andere Kritiker des Verfassungsentwurfs monieren, er würde dem islamischen Recht, der Scharia, zu viel Raum geben. Sie fürchten, dass Bürgerrechte und Freiheiten zu kurz kommen.

22596888 © AFP Vergrößern Rund 25 Millionen Ägypter sind an diesem Samstag aufgerufen, über den Verfassungsentwurf abzustimmen - hier gibt eine Frau in Giza südlich von Kairo ihre Stimme ab.

Derweil meldeten Aktivisten bereits wenige Stunden nach Beginn des Referendums abermals Verstöße gegen das Wahlrecht. Mehrere Wahllokale hätten zu spät geöffnet und Wähler seien von Islamisten beeinflusst worden, teilte die revolutionäre Jugendbewegung 6. April in einem ersten Resümee mit.

Von Verstößen gegen das Wahlrecht  berichteten auch ägyptische Medien. So entließ in der Provinz Menufija ein Richter seine Wahlhelfer, weil sie versuchten, Wähler zum Ja zu überreden. Das berichtete die ägyptische Zeitung „Al Ahram“. Rund 30 Prozent der Ägypter sind Analphabeten, die bei der Abstimmung auf Hilfe angewiesen sind. In einigen Wahllokalen sei Stimmabgabe extrem  verzögert worden, da nicht genügend Richter anwesend waren. 

Zur Wahlbeteiligung gab es widersprüchliche Angaben. Während im Staatsfernsehen lange Warteschlangen zu sehen waren, berichteten Beobachter von einer geringen Beteiligung gerade in den ländlichen Gebieten. Offiziell wurde die Stimmabgabe wegen des großen Andrangs um vier Stunden verlängert. Vor einem ersten Ergebnis ist daher nicht vor Sonntag zu rechnen.

Beobachter erwarten Mehrheit für Verfassungsentwurf

Am Freitag setzten Gegner der Islamisten in der nördlichen Hafenstadt Alexandria Fahrzeuge in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Anhängern des Präsidenten. Beide Seiten bewarfen sich gegenseitig mit Steinen und Felsbrocken. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken. Dutzende Menschen wurden Behördenangaben zufolge verletzt.

Beobachter erwarten, dass die Wähler den Verfassungsentwurf billigen. Vergangenen Samstag hatte bereits eine Hälfte des Landes abgestimmt, darunter auch die größten Provinzen Kairo und Alexandria. Vorläufigen Ergebnissen zufolge hatten sich dabei 56 Prozent für die Verfassung ausgesprochen. Wird der Verfassungsentwurf durch das Referendum angenommen, muss innerhalb von zwei Monaten ein Parlament gewählt werden.

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Quelle: FAZ.NET

 
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