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Vereinte Nationen : Vier Millionen Flüchtlingskinder können nicht zur Schule gehen

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Flüchtlingsmädchen melden sich während des Unterrichts in der Sprachlernklasse in einer Schule in Hannover. Bild: dpa

Nur etwa 60 Prozent der Flüchtlingskinder haben laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk 2017 eine Grundschule besucht. Dabei sei Bildung unerlässlich für die Zukunft der Kinder, appelliert Flüchtlingskommissar Grandi.

          Mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder weltweit haben keinen Zugang zu Bildung. Aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen geht hervor, dass 4 Millionen der weltweit 7,4 Millionen jungen Geflüchteten nicht zur Schule gehen können. Das bedeutet laut UNHCR eine Zunahme von einer halben Million Betroffenen innerhalb nur eines Jahres. Es sind allerdings auch fast eine Millionen Kinder mehr auf der Flucht, 2016 waren es 6,4 Millionen.

          Dem Bericht zufolge besuchen nur 61 Prozent der Flüchtlingskinder im Grundschulalter eine Schule, während es weltweit 92 Prozent aller Kinder seien. Auf eine weiterführende Schule gehen lediglich 23 Prozent der jungen Geflüchteten, verglichen mit 84 Prozent weltweit. Während 37 Prozent aller Jugendlichen höhere Bildungsabschlüsse machen können, ist es bei Flüchtlingen nur ein Prozent.

          „Keine wertvolle Zeit verschwenden“

          „Bildung hilft Kindern nicht nur, dass die Wunden des Krieges verheilen. Sie ist auch der Schlüssel zum Wiederaufbau des Heimatlandes“, erklärte UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Die Schule sei der Ort, an dem Geflüchtete „so etwas wie Normalität“ vorfinden könnten. „Wenn wir nicht handeln, werden Hunderttausende weitere Kinder in dieser deprimierenden Statistik auftauchen“, mahnte er.

          Alle Aufnahmeländer sollten demnach ihre Schulen für Flüchtlingskinder öffnen und ihnen die Chance auf eine spätere Hochschulbildung geben. 92 Prozent der Schulkinder seien von Entwicklungsländern aufgenommen worden. Diese Staaten müssten unterstützt werden.

          Die Sondergesandte des UNHCR Angelina Jolie erklärte, mit jedem verlorenen Jahr werde die Zukunftsperspektive der Kinder kleiner und ihre Verletzbarkeit größer. Dabei gebe es Millionen junger Flüchtlinge „mit dem Willen, der Energie und dem Ehrgeiz zu studieren und zu arbeiten, die zur Gesellschaft ihrer Gastländer etwas beitragen und schließlich ihre Heimat wieder aufbauen wollen“, sagte die Schauspielerin.

          Nach Worten des deutschen UNHCR-Repräsentanten Dominik Bartsch unternimmt die Bundesrepublik „große Anstrengungen“, um Flüchtlingskindern den Zugang zu frühkindlicher Bildung und Schulen zu ermöglichen. „Dabei sollten sie – wann immer möglich – mit anderen Kindern in die Schule gehen, damit zu ihrem Wohle – und auch der Gesellschaft – keine wertvolle Zeit verschwendet wird.“ Er forderte für Kinder in Aufnahmeeinrichtungen Zugang zu angemessener Bildung. Diese fördere ihre Entwicklung und verhindere Isolation.

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