02.03.2007 · John McCain, der weißhaarige Senator, dem mancher Ausbruch des Jähzorns nachgesagt wird, hat sich schon einmal um das Amt des amerikanischen Präsidenten beworben. Nun versucht es der Vietnam-Veteran ein zweites Mal. Ein Porträt.
Von Matthias RübNoch öfter als in Talkshows - in David Lettermans „The Late Show“ verkündete er in der Nacht zum Donnerstag offiziell seine Kandidatur für das Präsidentenamt - kann man Senator John McCain seit einigen Monaten in Kirchen sehen. Im vergangenen Mai hielt McCain die feierliche Rede zur Graduierungsfeier an der „Liberty University“ des konservativen Predigers Jerry Falwell in Lynchburg (Virginia).
Das war nur der erste Schritt der Annäherung an die evangelikalen Wähler der Republikaner, deren Anführer McCain bei seinem ersten Anlauf auf das Weiße Haus im Jahre 2000 noch als „Beförderer der Intoleranz“ kritisiert hatte - und die deshalb in Scharen zu seinem innerparteilichen Konkurrenten George W. Bush übergelaufen waren. Heute weiß es McCain, der selbst zur liberalen Episkopalkirche gehört, besser: Ohne Unterstützung des konservativen Flügels der „Grand Old Party“ kann man in den Vorwahlen nicht bestehen, schon gar nicht Präsident werden.
Nibelungentreue zu Präsident Bush
Um sich aber im Kampf mit dem Kandidaten der Demokraten zu behaupten, muss man wiederum die unabhängigen Wähler der Mitte hinter sich bringen - und dieser Balanceakt zwischen Vorwahlen und Hauptduell hat sich schon für manchen als zu schwierig erwiesen.
McCains Nibelungentreue zu Präsident Bush - mit dem er längst seinen Frieden gemacht hat - in dessen vertracktem Krieg gegen den Terrorismus und im Irak spricht die Konservativen an. Seine liberale Haltung in der Sozial- und Umweltpolitik, überhaupt seine bis an die politische Unberechenbarkeit reichende Unabhängigkeit gefällt den (Wechsel-)Wählern der Mitte.
Verteidigungspolitischer „Falke“
Als schwere politische Bürde oder als gleichsam adelnder Ausweis der Prinzipienfestigkeit könnte sich für McCain die bedingungslose Unterstützung für Bushs jüngst verfügte Truppenerhöhung im Irak erweisen - je nachdem, ob das Zweistromland vollends im Chaos versinkt oder ob der letzte Versuch zur Stabilisierung des Iraks im kommenden halben Jahr doch noch glückt.
Dass der weißhaarige Senator, dem mancher Ausbruch des Jähzorns nachgesagt wird, ein verteidigungspolitischer „Falke“ ist, liegt ihm buchstäblich im Blut: Er ist Sohn und Enkel bekannter Admiräle gleichen Namens. John Sidney McCain III wurde am 29. August 1936 in Coco Solo in der damals amerikanisch kontrollierten Panamakanal-Zone geboren und schrieb sich ordnungsgemäß an der Marineakademie in Annapolis in Maryland ein.
Mit Abstand der älteste Kandidat
Prägend war sein Einsatz im Vietnam-Krieg, wo der Marineflieger 1967 über Hanoi abgeschossen und schwer verwundet wurde. Mehr als fünfeinhalb Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft und wurde unter Folter verhört. McCain vertritt seit 1987 den Bundesstaat Arizona im Senat, er verfügt von allen Kandidaten seiner Partei mit Abstand über die größte außen- und sicherheitspolitische Erfahrung.
Die Besorgnis, dass er auch mit Abstand der älteste Kandidat ist, pflegt McCain mit folgender Äußerung zu zerstreuen: „Wenn man die fünfeinhalb Jahre abzieht, die ich in Hanoi in nordvietnamesischer Kriegsgefangenschaft verbracht habe, bin ich noch gar nicht so alt.“ McCain ist in zweiter Ehe mit Cindy Hensley verheiratet, mit der er vier gemeinsame Kinder und eine adoptierte Tochter aus Bangladesch hat. Drei weitere Kinder aus der ersten Ehe sowie vier Enkel vervollständigen die umfangreiche Familie.
Ja er ist kein "Fussball"!
Georg Dargelies (ragnita)
- 03.03.2007, 17:31 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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